Les herbes folles (2009)
Les herbes folles (2009)
Oder: Unkraut vergeht nicht
Der Zahnärztin und Hobbypilotin Marguerite Muir (Sabine Azéma) wird auf offener Strasse ihre Handtasche entrissen. Nachdem sie die gerade gekauften Schuhe wieder zurückgebracht und damit auch wieder Geld in der Tasche hat, nimmt sie sich Zeit für die Anzeige bei der Polizei. In der Zwischenzeit findet Georges Palet (André Dussolier) ihren Geldbeutel in einer Tiefgarage. Er öffnet ihn und sieht Marguerites Pilotenschein. Die Frau auf dem Foto lässt ihn nicht mehr los.
Obwohl er ihre Adresse mit Hilfe der Dokumente schon lange kennt, bringt er ihr die Brieftasche nicht vorbei, sondern er geht damit auf den Polizeiposten. Der zuständige Polizeibeamte Bernard de Bordeaux (Mathieu Amalric) wundert sich über diesen seltsamen Mann und seine Fixierung für die ihm unbekannte Frau. Marguerite, von ihm informiert, holte ihr Portemonnaie auf dem Polizeiposten ab und bedankt sich telefonisch beim Finder. Doch das ist Georges nicht genug. Er schreibt Marguerite einen Brief und beginnt ihr nachzustellen.
Kinofilm-Rating
Der Regisseur dieses Films, Alain Resnais, ist ein Urgestein des französischen Kinos und seit den Vierzigerjahren im Geschäft. Seine jahrzehntelange Erfahrung spiegelt sich auf viele Arten in diesem Film über "Unkraut", solches, das überall wächst und sogar Asphalt zu sprengen vermag.
In vielem mutet Les herbes folles etwas altmodisch an: Die Off-Stimme des Erzählers, die Kameraeinstellungen zwischen Boden- und Flugperspektive, die Filmmusik... Altmodisch aber nicht im negativen Sinn, wähnt man sich doch sozusagen in einem Klassiker. Sehr auffällig sind die starken Farben, insbesondere rot und blau, die über die ganze Länge des Films immer wiederkehren. Gar nicht klassisch sind dagegen die Dialoge, die Resnais tels quels aus der literatischen Vorlage Incidents von Christian Gailly übernommen hat. Diese halbfertigen Sätze, sowohl auf Seiten der Filmfiguren als auch auf der des Erzählers (Edouard Baer), geben diesem Film die nötige Würze.
Die Darstellerinnen und Darsteller agieren hervorragend, allen voran Sabine Azéma und André Dussolier. Und Mathieu Amalric (Le scaphandre et le papillon, Quantum of Solace) könnte in eine Rolle nicht besser passen als in die des Polizisten de Bordeaux.
Die Geschichte ist ungewöhnlich, aber letztendlich nicht immer einfach nachvollziehbar und es gibt ein paar Andeutungen, mit denen Spannung aufgebaut wird, die dann nicht aufgelöst wird. Zuviel soll hier aber nicht verraten werden. Und ganz am Ende gibt es dann noch einen Schlusssatz obendrauf, dessen Bedeutung im Dunklen bleibt. Es besteht die Vermutung, dass diese letzte Szene entweder nur hinzugefügt wurde, um das Publikum zu verwirren, oder dann weil der Satz Resnais so gut gefiel, dass er ihn unbedingt einmal irgendwo und irgendwann in einem Film noch platzieren wollte. Der Mann ist schliesslich schon 87...
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4.2 Sterne (3 Bewertungen) | 1 Kommentar



