Der Grosse Kater (2009)

Der Grosse Kater (2009)

Oder: S'Büsi im Bundeshuus

Der Grosse Kater

"Hey Mann! Was gucks du?!"

Der Schweizer Bundespräsident mit dem Spitznamen "Kater" (Bruno Ganz) muss sich nicht nur um sein politisches Image kümmern, sondern sich auch gegen die Intrigen von Dr. Stotzer (Ulrich Tukur), Übername "Pfiff", wehren, der seit seiner Einsiedler Schulzeit sein Erzrivale ist. Doch die psychische Belastung kommt vor allem aus der hoffnungslosen Situation seines an Krebs erkrankten Sohnes, dem er und seine todunglückliche Frau Marie (Marie Bäumer) ständig etwas vormachen müssen.

Der Grosse Kater

Auf zum grossen Diner!

Diese Mehrfachbelastung eskaliert noch weiter, als zur Image-Aufwertung für den prekären Posten des Bundespräsidenten das spanische Königspaar zu einer minutiös orchestrierten Staatsvisite eingeladen wird. Wie lange kann der Kater noch seine Fassade aufrecht erhalten? Ist es das wert, bei diesem Polit-Zirkus seine Ehe aufs Spiel zu setzen?


Kinofilm-Rating

Bei so einem hochdotierten Film mit viel Medienrummel, der auf dem gleichnamigen Bestsellerroman basiert und Bruno Ganz als Aushängeschild gewinnen konnte, wird doch nichts schief gehen, könnte man meinen. Doch weit gefehlt: Es ist wieder mal eine dieser unstimmigen, amateurhaften Produktionen auf Niveau eines Fernsehfilmes herausgekommen. Die Produzenten haben sich fleissig um die Finanzierung aus Schweizer und Deutschen Filmförderfonds gekümmert und hochkarätige Schauspieler zum Hauptschauplatz, dem Schweizer Bundeshaus, herangezogen - doch alleine damit kann man leider noch keinen sehenswerten Film garantieren.

Vieles ist wohl beim langwierigen Drehbuchschreiben mit mehreren Überarbeitungen auf die schiefe Bahn geraten. Ohne intensive Einbindung des Autors wird schnell, wie schon so oft in der Filmgeschichte, aus einem literarischen Meisterwerk ein langweiliger Trivialfilm. Der Autor ist in diesem Fall Thomas Hürlimann, der in seinem Buch "Der grosse Kater" von 1998 autobiografische Elemente verarbeitet hat. So hatte auch er einen jüngeren Bruder, der an Knochenkrebs erkrankt ist, und zur gleichen Zeit (im Jahre 1979) kam das spanische Königspaar seinen Vater, den ehemaligen eher unscheinbaren Bundespräsident Hans Hürlimann, besuchen. Bruno Ganz lehnte es aber ab, seine Figur nach dem Vorbild von Hans Hürlimann zu spielen. Thomas Hürlimann hätte als erfahrener Theaterregisseur ungemein viel Authentizität in den Film hineinbringen können, doch er war nur punktuell als Berater der ständig wechselnden Drehbuchschreiber anwesend. Eine verpasste Chance.

Bruno Ganz kann unter solchen Umständen nur eine abgeschwächte Leistung bieten, verglichen mit seiner unvergesslich intensiven Hitler-Darstellung in Der Untergang. Einige beeindruckende Momente liefert Der grosse Kater schon: Edgar Selge, als katholischer Botschafter Nuntius und einer der Widersacher des Katers, geht ganz in seine Rolle auf. Auch die Frau des Katers (Marie Bäumer) lässt mal richtig Dampf ab bei diesem ganzen heuchlerischen Getue. Doch der Film ist durch zu viel deutsches Geld (und Entscheidungsgewalt), unpassende, deutsche Schauspieler in Schweizer Rollen und einen deutschen TV-Regisseur (Wolfgang Panzer) zu einem Möchtegern-Blockbuster geworden.

Fazit: Ein unstimmiger Film, der weder gute Politsatire noch Biopic noch gute Unterhaltung, sondern am ehsten noch ein unüberzeugendes Melodram mit unerfülltem Potential geworden ist. Trotz grosser Enttäuschung bei diesem eher deutschen als Schweizer Film gibt es wohl genügend hoffnungsvolle junge Talente im Schweizer Filmgeschäft, die es in Zukunft hoffentlich besser machen werden. Miau!

3.0 Sterne
3.0 Sterne (17 Bewertungen) | 6 Kommentare

1.51.5
14.01.2010 / dap