Daddy Longlegs - Go Get Some Rosemary (2009)

Daddy Longlegs - Go Get Some Rosemary (2009)

Oder: We're the Kids in America

Daddy Longlegs - Go Get Some Rosemary

Spongebob ist nicht für alle!

Der New Yorker Lennie (Ronald Bronstein) lebt geschieden von seiner Frau. Das Sorgerecht für seine Kids hat er nur für ein paar Wochen im Jahr. Er will deshalb die Zeit mit seinen Söhnen Sage und Frey so angenehm wie möglich gestalten. Was aber nicht ganz einfach ist, wenn man sein Leben auch ohne Kids im Anhang ziemlich chaotisch über die Runden bringt.

Zwischen Rüffeln von der Schulleitung und Besuchen im naturhistorischen Museum, die wegen den überdimensionierten Moskito-Modellen dann doch wieder zu infantilen Albträumen statt freudig grossen Kinderaugen führen, gibt Lennie schliesslich doch eine ganz ordentliche Vaterfigur ab - auch wenn die zwei Jungs zwischenzeitlich im Koma liegen, weil der Papa ihnen Schlafmittel verabreicht hat, damit sie nicht plötzlich alleine in der Wohnung aufwachen...


Kinofilm-Rating

Trotz der alljährlichen Masse Menschen jeglicher Couleur, die im Mai während des Festivals das Fischerdörfchen Cannes bevölkern, sieht man eine ziemlich wichtige Gruppe ziemlich selten: Kinder. Cannes hat keine Nebensektion mit Filmen für Kids und Teenager wie die Berlinale. Und ob es eine Krippe gibt, wo man die Kleinsten morgens platzieren könnte, bevor man den Filmmarathon startet - in Locarno ein gut benutzter Service - entzieht sich meiner Kenntnis.

Lennie, die Hauptfigur in Go get some Rosemary der beiden Brüder Josh and Benny Safdie, könnte solch ein Angebot auf jeden Fall bestens gebrauchen. Im Geiste selber fast noch ein Kind, hat er als temporär alleinerziehender Vater grosse Mühe mit seinen beiden Söhnen. Ein nicht benutzter Kühlschrank voller Brettspiele in Ehren, aber manchmal braucht es halt schon ein bisschen mehr Autorität, um zwei flausenaffinen Minderjährigen Herr zu werden. Dass er die Söhne gern hat, steht ausser Frage.

Auch die Safdie Brüder durchlebten wohl eine liebevolle Aufzucht. Der Film basiert ihren eigenen Worten nach zu einem grossen Teil auf den eigenen Erinnerungen an ihren Vater. Fotos aus Squash-Hallen im Presseheft, die den Bildern im Film ähneln, zeugen davon. Neben Kindheitserinnerungen ist der Film aber auch eine Auseinandersetzung mit dem Erwachsenenwerden und der mit dem Alter immer grösser werdenden Verantwortung und eine kleine Hommage an die Menschen aus New York.

Im sehr persönlichen Film spielen viele Kollegen der Safdies mit. Mit Red Bucket Films bilden die beiden ein lose organisiertes Künstler-Kollektiv, das sich bei verschiedensten Projekten im Big Apple immer wieder aushilft. Die beiden Kids Sage and Frey Ranaldo sind ebenfalls Sprösslinge einer Künstlerin, die ihre Söhne gerne für das Projekt hergab, nachdem sie auf der Strasse angesprochen wurde. Ronald Bronstein, selber ein Regisseur und - wie im Film - Kinooperateur, musste nicht viel ändern an seinem natürlichen Umgang mit den Kindern, den er auch ohne Kamerabegleitung gehabt hätte. Deshalb wirkt das Ganze manchmal etwas beliebig, wie ein selbstgedrehtes Home Video. Eine richtige Story entwickelt sich nicht bei Go get some Rosemary. Das Ende erfolgt ohne abschliessende Erklärungen sehr abrupt. Vielleicht ist den Regisseuren einfach das Geld ausgegangen...

3.0 Sterne
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25.05.2009 / rm