Giulias Verschwinden (2009)
Giulias Verschwinden (2009)
Oder: Willkommen im Club des Alterns
Fünfzig zu werden - für Giulia (Corinna Harfouch) kommt dies dem Biss in den sauren Apfel gleich. Und gerade an ihrem Geburtstag scheinen sie alle wie Luft zu behandeln. Da hilft nur eines: Shoppen. In ihren Streifzügen durch die Läden lernt sie John (Bruno Ganz) kennen, einen gesitteten Finanzberater, der zu wissen scheint, wie man mit dem Alter umgeht.
Giulia geht mit John in eine Hotelbar - unterdessen warten ihre Freunde in einem Restaurant bereits ungeduldig auf sie. Zur Überbrückung wird geredet: Es werden Altersbeschwerden penibel durchdiskutiert und Blicke zurück in die Vergangenheit geworfen - reumütig, aber auch mit Kopfschütteln. Der Alkohol fliesst und die Zungen werden lockerer, die Dialoge spitzer. Nur eines ändert sich nicht: Giulia bleibt verschwunden.
Auch Jessica (Elisa Schlott) und Fatima (Hannah Dietrich) denken ans Alter - ihr Schwarm wird demnächst 18-jährig. Da muss ein Geschenk her. Beim Versuch, goldene Turnschuhe zu stehlen, werden die beiden erwischt. Nun muss sich Jessica vor ihren geschiedenen Eltern rechtfertigen, die zwar um die Vierzig sind, sich aber immer noch wie Kinder zanken.
DVD-Rating
Mit Giulias Verschwinden hat der Schweizer Autor Martin Suter zwar nicht sein erstes, aber zumindest laut eigenen Aussagen sein am spontansten geschriebenes Drehbuch verfasst. Schnell vermischen sich Idee, Thema und Charaktere zu einem Stoff, dessen Resultat u.a. den Publikumspreis des Filmfestivals von Locarno erhielt. Eine amüsante Komödie - auf der einen Seite flüssig und locker, auf der anderen Seite wohl zu spontan zusammengesetzt und vollgestopft mit viel Klischee.
Ausgangspunkt der Geschichte ist Giulias 50. Geburtstag. Obwohl man von ihr rein gar nichts weiss, ist augenblicklich klar: Diese Frau freut sich gar nicht darüber, ein halbes Jahrhundert alt zu werden. Während ihre Geschichte mehr zu einem Flirt abdriftet, widmen sich vor allem die Nebenhandlungen von Giulias Freunden dem Thema Altwerden. Hier schwankt die Komödie mehr schlecht als recht zwischen Satire, Klischee und "geschriebenem" Dialog. Wir sprechen hier von Augencrème für alternde Boxer, aufgedrängtem vegetarischen und proteinarmen Essen, Beinkrämpfen während des Oralverkehrs und Wattebauschkrieg zwischen Homosexuellen. Um weitere Facetten des Altwerdens zu zeigen, greift Suter noch tiefer in die Klischeekiste und präsentiert uns eine 14-Jährige, die beim Ladendiebstahl erwischt wird und sich das Gezanke ihrer geschiedenen Eltern anhören muss. Oder die Seniorin Leonie, die bei ihrem 80. Geburtstag die Altersresidenz auf den Kopf stellt. Das mag alles teilweise lustig und sogar wiedererkennbar sein, wirkt hier trotzdem aufgesetzt und künstlich. Sogar Altmeister Bruno Ganz verschmilzt hoffnungslos mit seinem seichten und langweiligen Charakter.
Fazit: Giulias Verschwinden ist ein Versuch, das Thema Altwerden auf humorvolle Art und trotzdem im Rahmen des engstirnigen Schweizer Charakters zu zeigen. Wahrscheinlich wäre die Geschichte als Kammerspiel mit weniger Charakteren auf der Bühne interessanter gewesen, denn als Film überzeugen weder die aufgesetzten Dialoge noch die Charaktere oder die Geschichten an sich. Was übrig bleibt, ist eine durchschnittliche Schweizer Komödie.
Die DVD bietet ein solides und scharfes Bild. Der Ton ist manchmal etwas unklar, was aber sicher nicht auf die Technik des Dolby Digital 5.1 sondern auf die Ursprungsqualität zurückzuführen ist. Wer wissen will, warum Martin Suter sich ausgerechnet dem Thema Altwerden annimmt, darf das etwas holprige Interview im Bonus-Menü nicht verpassen.
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4.2 Sterne (40 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 16.04.2010
- Bildformat: 16:9, 1.78:1
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Making-of; Interviews



