Der Fürsorger (2009)
Der Fürsorger (2009)
Oder: Wäge dem muesch du nöd truurig sii
Dr. Claudius Lenz (Roeland Wiesnekker) ist ein angesehener Kinderarzt im Berner Oberland. Er hat eine wunderhübsche Frau (Katharina Wackernagel), zwei Kinder und ein tolles Haus. Doch dies ist alles nur Schein. Eigentlich heisst Lenz Hanspeter Stalder. Er wird in der ganzen Schweiz gesucht, seit er aus dem Gefängnis geflohen ist. Die Anklage: Er habe über viele Jahre viele gutgläubige Menschen um mehrere tausend Franken erleichtert. Auf dem Polizeiposten erzählt er seine Geschichte.
Zuerst arbeitete Hanspeter bei einer Gemeinde. Als er aus Gutmütigkeit dem Säufer Aschwanden (Thierry van Werveke) half, war dies der Startschuss für eine Betrügerkarriere sondergleichen. Als Gegenleistung wollte Stalder Aschwandens Geld in ein System investieren, das hohe Rendite abwirft. Als sich dies herumsprach, kamen immer mehr Leute und gaben Stalder ihr Geld. Doch anstatt das Geld zu investieren, leistete sich Stalder einen teuren Lebensstil und tischte den Investoren immer mehr Märchen auf. Lüge reihte sich an Lüge, bis er neue Identitäten annehmen musste, um heil davonzukommen. Ein nicht enden wollender Teufelskreis, den ihn zuerst seine Familie kostete.
DVD-Rating
Basierend auf einer wahren Geschichte, erzählt uns Regisseur Lutz Konermann von einem Hochstapler, der eigentlich gar kein so übler Kerl war und dem einfach ein bisschen viel aus dem Ruder gelaufen ist. Der Fürsorger konnte in der Schweiz über 20'000 Zuschauer in die Kinos locken, und manch einer wird sich dabei vor allem ab Hauptdarsteller Roeland Wiesnekker gefreut haben.
Der Strähl-Darsteller (wann kommt da endlich ein nächster Teil?) reisst den Film an sich, ist omnipräsent und macht Der Fürsorger zu einer gelungenen Sache. Zusammen mit der interessanten Grundgeschichte hätte aus dem Projekt etwas werden können, das auch noch beschäftigt, wenn der Abspann schon längst läuft. Was der Regisseur aus dieser Vorlage gemacht hat, ist jedoch leider mehr als nur mühsam und harzt an alle Ecken und Enden.
Anstatt eine spannende und intensive Geschichte zu erzählen, verläuft sich Konermann immer wieder in Einzelheiten, uninteressanten Begegnungen der Hauptfigur und nichtssagenden Charakteren. Zwar ist Der Fürsorger kein grosser Actionfilm oder gar Thriller, aber mehr Details zu den Taten des Herrn Stalder hätten dem Ganzen gutgetan. So muss sich Wiesnekker durch diverse Verkleidungen kämpfen, holt aber aus seiner Rolle das Maximum heraus. Ganz im Gegensatz zu den vielen Nebenfiguren, die nicht nur unübersichtlich in den Film integriert werden, sondern auch keine Tiefe verleiht bekommen. Das gilt leider auch für unseren Lieblings-Italiener, Leonardo Nigro. Schade, der Mann ist gut, nur zeigen darf er's hier nicht...
Fazit: Für einen Schweizer Film ist Der Fürsorger ansprechend geworden: ein gemütliches Tempo, eine interessante Basis und ein toller Darsteller. Wenn jetzt noch die Umsetzung des Stoffes auf diesem Niveau gewesen wäre, dürfte man sogar von einem richtig "guten" Film sprechen. Trotzdem, wer gerne mal wieder Mundart hört und Roeland Wiesnekker mag, soll mal reingucken.
Die DVD ist technisch auf einem schönen Level angesiedelt, bringt Bild und Ton in klarer und überzeugender Qualität und macht Spass. Leider wurde mit Bonusmaterial gespart, so dass nur der Trailer zum Film abrufbar ist. Auch hier hätte man gerne etwas mehr Hintergrundinformationen erhalten. Bitte aufschreiben fürs nächste Mal, Herr Regisseur.
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3.6 Sterne (18 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 23.09.2010
- Bildformat: 1:2.35 (16:9)
- Sprachen: Schweizerdeutsch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch; Französisch; Englisch
- Extras: Trailer



