Fish Tank (2009)

Fish Tank (2009)

Oder: California dreamin'...

Fish Tank

Schlaf, Kindchen, schlaf...

Die fünfzehnjährige Mia (Katie Jarvis) lebt mit ihrer Mutter Joanne (Kierston Wareing) und ihrer Schwester Tyler (Rebecca Griffiths) in Essex, östlich von London. Sie ist von der Schule geflogen und schlägt sich die Tage buchstäblich um die Ohren. Wütend auf die Welt legt sie sich mit allen an und teilt auch ganz schön aus. Nur beim Tanzen ist sie ganz bei sich selbst.

Während die Mutter immer mal wieder neue Männer nach Hause bringt und versucht, einen Internatsplatz für Mia zu finden, kommt auch Tyler schon ganz nach ihrer grossen Schwester.

Fish Tank

"Komm mir nur ja nicht in die Quere..."

Dann steht eines Morgens der schöne Connor (Michael Fassbender) in der Küche und bewundert Mias Tanzkünste. Mit diesem neuen, jungen Mann an Mutters Seite, der wie aus dem Nichts aufgetaucht ist, scheint sich plötzlich alles zu verändern. Tyler schliesst ihn von Anfang an ins Herz, und sogar Mia - vom ersten Moment an unverkennbar in Connor verknallt - lässt sich von ihm aus ihrer Reserve locken. Ihre Schwärmerei für den um einiges älteren Freund ihrer Mutter hat vorerst unbekannte Folgen.


Kinofilm-Rating

Fünfzehn Jahre ist ein ganz schwieriges Alter. Aber nicht nur für die Eltern, die Lehrerinnen und Lehrer. Am schwierigsten ist das Teenagersein wohl für die Fünfzehnjährigen selber. Jedenfalls für sehr viele unter ihnen.

Regisseurin Andrea Arnold gelingt mit Fish Tank dieser Sprung von der Sichtweise der Erwachsenen zu der der fünfzehnjährigen Protagonistin: Sie versetzt das Publikum zu hundert Prozent in Mias Perspektive, indem ihre Hauptdarstellerin in jeder einzelnen Szene präsent ist. Katie Jarvis, die mit diesem Film ihr Schauspieldebut gibt, trägt einen wesentlichen Teil dazu bei und wird ihre Pläne, die Schauspielerei weiterzuverfolgen hoffentlich in die Tat umsetzen können. Arnold hat sie sozusagen auf der Strasse entdeckt, als sie sich gerade mit ihrem Freund stritt. Und es ist wohl nicht allein ihr Schauspieltalent, dass sie Mias widersprüchliche Seiten so eindrücklich darzustellen vermag: diese Aggressivität und gleichzeitig die Verletzlichkeit und Naivität, das Hadern mit der Zeit genau zwischen dem Kind- und dem Frau-Sein. Manche Zuschauerin und wohl auch viele Zuschauer werden sich nach diesem Film an ihre Teenager-Zeit erinnert fühlen und erleichtert feststellen, dass das Leben nicht immer so hart und ungerecht ist, wie es einem damals oft schien.

Auch die restlichen Rollen sind hervorragend besetzt: Michael Fassbenders Vorsprung an schauspielerischer Erfahrung (Angel, Hunger, Inglourious Basterds) auf Katie Jarvis entspricht auf eine gewisse Weise Connors Vorsprung in Liebesdingen auf Mia. Kierston Wareings Joanna steht man wohl ähnlich gegenüber wie Mia und Tyler: Mal verachtet man sie, mal hat man Mitleid mit ihr, meistens wünscht man sich, sie zeigte ihren Töchtern, dass sie sie lieb hat, ohne dass sie dafür - wie in einer der schönsten Szenen des Films - mit ihnen Hip Hop tanzen muss. Rebecca Griffith als kleine Schwester Tyler sorgt für einige Lacher - die man sich jedoch nur leistet, weil Fish Tank "ja nur ein Film" und Tyler nicht die eigene Tochter oder Schwester ist.

Fish Tank ist ausserdem ein über die ganze (doch beträchtliche) Länge sehr spannender Film mit einem Soundtrack, dessen Songtitel die Story parallel mit erzählen. Dazu gehören Titel wie Baby Girl, California Dreamin', Life's A Bitch und Down 4 U. In welcher Reihenfolge, sei hier natürlich nicht verraten.

4.8 Sterne
4.8 Sterne (34 Bewertungen) | 14 Kommentare

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17.05.2009 / ema