La fille du RER (2009)
La fille du RER (2009)
Oder: "Was, hab ich wirklich Drogen gehütet?"
Jeanne (Emilie Dequenne) lebt zusammen mit ihrer Mutter Louise (Catherine Deneuve) in einem Pariser Vorort. Während Louise ihr Geld damit verdient Kinder zu hüten, ist Jeanne verzweifelt auf der Suche nach einem Job als Sekretärin. Da ihre Bewerbungen aber nicht gut ankommen, bleibt sie arbeitslos. Beim Inline Skaten lernt sie den Ringer Frank (Nicolas Duvauchelle) kennen und lieben. Frank erhält ein gut bezahltes Jobangebot: Die beiden sollen als ganz normales Paar eine Halle bewachen, in welcher sich Drogen aus Holland befinden und dürfen zudem darin wohnen, was den zwei Verliebten sehr gelegen kommt.
Nach einem Messerangriff auf Frank fliegt das Drogengeschäft aber auf und Frank erhält eine langjährige Gefängnisstrafe. Ohne Freund und Arbeit kehrt Jeanne wieder nach Hause zu ihrer Mutter zurück und fügt sich oberflächliche Schnittverletzungen zu. Der Polizei erzählt sie, sie sei ein Opfer nordafrikanischer Antisemiten geworden, welche sie in der Vorstadtbahn angegriffen hätten, weil sie sie für eine Jüdin gehalten hätten. Diese Schocknachricht geht durch alle Medien Frankreichs und löst gewaltiges Entsetzen aus. Ein Promi-Anwalt (Michel Blanc) bringt Jeanne aber zur Vernunft...
Kinofilm-Rating
Wahnsinn, aber diese Geschichte hat sich tatsächlich im Jahre 2004 in Frankreich ereignet. Das Mädchen kam auf diese hirnspinstige Idee, nachdem es eine Dokumentation über Hitler im Fernsehen gesehen hatte. Nachdem aufgeflogen war, dass das psychisch gestörte Mädchen den ganzen Überfall erfunden hatte, wurde sie mit mehreren Monaten Gefängnis bestraft und musste sich einer psychiatrischen Behandlung unterziehen. Sie selber hatte nicht damit gerechnet, dass sich ihre erfundene Geschichte derart im Land verbreiten würde und zeigte sich sehr überrascht darüber. Heutzutage leben in keinem anderen Land Europas mehr Juden als in Frankreich.
Da sich in Frankreich nach dem Auffliegen ihrer Lüge jeder fragte, was das unscheinbare Mädchen zu dieser Aktion getrieben hatte, hat dies den französische Regisseur André Téchiné dazu animiert, diese wahre Begebenheit dazu zu verwenden, die möglichen Hintergünde herauszufiltern, welche zu ihrer Lüge geführt haben könnten. Er zeigt im Film mehrere familiäre Verstrickungen und gestörte Verhältnisse zwischen den Familienmitgliedern auf. Es wird ausserdem aufgedeckt, dass die Lügengespinste des Mädchens noch viel weiter gingen: Ihrer Mutter hatte sie versprochen, zu mehreren Bewerbungsgesprächen zu gehen, um wieder als Sekretärin arbeiten zu können, stattdessen trieb sie sich aber jeweils in der Stadt herum. Ihren Freund wollte sie aber beeindrucken und gab vor, in einer hochexklusiven Anwaltskanzlei im reichsten Viertel von Paris zu arbeiten. Lügen haben ja bekanntlich kurze Beine, und das will uns der Film dann wohl auch wieder vor Augen führen.
Mutter Louise wird von niemand geringerem gespielt als der Grande Dame Catherine Deneuve. Die Rolle als besorgte Mutter, welche ihr Geld damit verdient Kinder zu hüten, passt irgendwie anfänglich gar nicht zu ihr, aber sie löst diese Aufgabe brillant. Ihr Schauspielkollege Nicolas Duvauchelle fällt ebenfalls als talentierter Schauspieler ins Auge, schon seines Gesichtes nach eignet er sich perfekt für kriminelle Rollen, seine Augen haben etwas Beängstigendes. Und auch Émilie Dequenne darf eine Rolle spielen, die sie authentisch zu verkörpern vermag, nämlich diejenige eines psychisch gestörten Mädchens.
Fazit: Der Regisseur hat eine Geschichte aus dem Jahre 2004 wieder neu hervorgegraben und verfilmt, um nochmals daran zu erinnern, was damals ganz Frankreich entsetzt hat. Das Mädchen wird sich wohl nicht sehr über diese erneute Publicity freuen... La fille du RER ist keine leichte Kost und zu lachen gibt es sowieso nichts. Wer damals von diesem Fall Wind bekommen hat und sich für die Verfilmung interessiert, oder wer einfach in der richtigen Stimmung für schwere Kost und die Thematik Antisemitismus ist, kann diesen Film für einen Kinobesuch in Betracht ziehen.
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