Enter the Void (2009)
Enter the Void (2009)
Oder: Gaspar Noés Tokyo-Drug'n-Death-Trip
Oscar (Nathaniel Brown) wohnt in Tokio, konsumiert Drogen und schlägt sich mit kleinen Dealereien durchs Leben. Mit seiner Schwester Linda (Paz de la Huerta), die in einem Nachtclub als Stripperin arbeitet, verbindet ihn eine enge und schicksalhafte Beziehung: Seit ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, haben sich die beiden geschworen, immer zusammen zu bleiben, was immer auch passieren möge.
Doch dann tappt Oscar in einem Club namens "The Void" in die Falle der Polizei. Er flüchtet auf die Toilette und wird dort beim Versuch, die Drogen, die er auf sich trägt, loszuwerden, erschossen. Sein Körper ist tot - doch sein Geist lebt weiter und hält das Versprechen, das er seiner Schwester damals gegeben hat: sie niemals zu verlassen. So wacht er fortan über die Stadt, ihre Bewohner und natürlich insbesondere über Linda. Sein Blick auf die Stadt ist aber eine verzerrte, alptraumhafte Vision, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusehends vermischen.
Blu-ray-Rating
"Skandal-Regisseur" Gaspar Noé hat dank seinen kontroversen Werken Irréversible und Seul contre tous eine beachtliche Fangemeinde aufbauen können. Mit Enter The Void hat er den Arthouse-Fan mit Bestimmtheit wieder im Sack, denn ihm ist erneut ein Griff in die Kunstschublade gelungen. Noé lässt den Zuschauer den ganzen Film aus der Sicht des Hauptdarstellers erleben. So hat zwar Schauspieler Nathaniel Brown eine durchaus undankbare Rolle, da man ihn grundsätzlich nur von hinten oder gar nicht sieht. Dafür erlebt der Zuschauer eine Tour de Force der Extraklasse, und dies erst noch hautnah.
Enter The Void ist ein visuelles Experiment, ein psychodelisches, drogenverseuchtes Monster, dass den Zuschauer mit seiner Intensität völlig in Trance versetzt. Als würde man heute ein mit allen technischen Möglichkeiten versehenes Pink-Floyd-Musikvideo anschauen - genauso wirkt nämlich der nie enden wollende Drogenrausch Noés. Minutenlange Kamerafahrten, schier endlose, grelle Nebelschwaden, furiose Lichteffekte oder einfach nur völlig aus dem Konzept gerissene Sequenzen wirken wie ein albtraumhaftes Horrorinferno. Die musikalische Untermalung unterstreicht dieses Gefühl noch mehr, und vor allem die sanften Klänge, kombiniert mit den abgedrehten Bildern, sorgen für absolute Gänsehautgarantie.
Hauptdarstellerin Paz de la Huerta, die die jüngere Schwester Oscars darstellt, spielt ihre Rolle grossartig. Anscheinend hat die Dame keinerlei Bedenken, sich nackt vor eine Kamera zu stellen, denn wirklich lange trägt sie ihre Kleider nie. Ihre emotionsgeladenen Ausbrüche oder ihre zerbrechliche Art auf der anderen Seite verkörpert sie nicht nur nachvollziehbar, sondern auch sehr real.
Enter The Void hat grundsätzlich nur eine Schwäche: Er ist vollkommen anders. Noé verzichtet auf brutale Gewalt wie bei Irréversible, zeigt dagegen wieder sehr viele Sexszenen und macht visuell vor nichts Halt. Ob man nun zweieinhalb Stunden einen Film durch den Hauptdarsteller betrachten möchte, dessen Gedanken hören, dessen Drogenräusche spüren und dessen Tod miterleben möchte, sollte gut überlegt sein, denn Enter The Void ist eine Mutprobe für Körper, Geist und Seele. Ein Film, den man so schnell nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Trotz dieser Warnung ist der Film ein Meisterwerk des Arthouse-Kinos und ein exzellent gespieltes Psychodrama.
Das Bild der Blu-ray-Disc ist gewaltig. Man fühlt sich regelrecht gefangen in den farbintensiven Nächten Tokios. Wahrlich ein unvergesslicher Trip. Soundeffekte wurden spärlich eingesetzt, und auch die Unterhaltungen beschränken sich auf ein Minimum. Das Hauptaugenmerk liegt ohne Frage bei den Bildern. Bis auf einen Originaltrailer bietet die Blu-ray-Disc keine Extras, was nicht nur unverständlich, sondern einfach bloss schwach ist.
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4.7 Sterne (22 Bewertungen) | 3 Kommentare
Blu-ray-Infos
Blu-ray erschienen am 28.01.2011
- Bildformat: 16/9
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DTS-HD)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Trailer



