An Education (2009)

An Education (2009)

Oder: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

An Education

"Was soll aus mir werden?"

1961 im Londoner Stadtteil Twickenham: Die 16-jährige Jenny (Carey Mulligan) ist Klassenbeste und sehr zur Freude ihres Vaters Jack (Alfred Molina) bestrebt, die Aufnahmeprüfung der Elite-Uni in Oxford zu bestehen. Da Jack nur das Beste für sein Töchterchen möchte, sieht er ihren sozialen Aufstieg in Gefahr, als sich mit David (Peter Sarsgaard) plötzlich ein älterer Mann für den wissbegierigen Teenager interessiert. Der charmante Jude mit schnittigem Sportwagen hat Jenny während eines Platzregens eine Mitfahrgelegenheit offeriert und will sie nun - Gott behüte! - an einem Freitagabend ausführen.

An Education

"Ich bring dich gross raus!"

Jenny erlebt den aufregendsten Abend ihres bisherigen Lebens: Ein Ravel-Konzert von Profi-Musikern, Gourmet-Abendessen mit Jazz-Begleitung und Zigirauchen zu Tisch. Kein Wunder stellt sie sich im alltäglichen Trott bald quer und eckt bei der biederen Schulleitung (Emma Thompson) an. Jennys Eltern hingegen wickelt David auch um seinen Finger. Mit einer kleinen Schummelei (David behauptet, Jenny dem "Chroniken von Narnia"-Autoren C.S.Lewis vorstellen zu können) wird sogar eine ausgedehnte Wochenendreise alleine erlaubt. Dabei gibt es erste Anzeichen für Davids nicht ganz so sauberen Nebentätigkeiten, mit denen er sich seinen Lebensstil finanziert. Soll Jenny tatsächlich ihre Jungfräulichkeit und die Uni-Karriere für diesen Filou opfern?


Kinofilm-Rating

Autor Nick Hornby (High Fidelity) hat sich bisher eher als Fachperson für die männliche Psyche hervorgetan. Für An Education hat er die Memoiren der britischen Journalistin Lynn Barber zu einem Drehbuch verdichtet. Der Film der Dänin Lone Scherfig (Italienisch für Anfänger), ursprünglich für die BBC produziert, hat in der Award Saison 09/10 für einiges Aufsehen gesorgt und gilt mittlerweile gar als Kandidat für mehrere Oscar-Nominationen. Warum?

Klar ist Neuentdeckung Carey Mulligan süss, ohne klebrig zu wirken. Mit Sonnenbrille auf der Nase ähnelt sie sogar Audrey Hepburn. Sie wirkt aber immer auch ein bisschen käsig-trotzig. Was genau sie als Jenny an David spannend findet, ausser dem Zugang zum aufregenden Leben der Londoner High Society, den er ihr ermöglicht, ist nie so ganz klar. Peter Sarsgaard ist mit seiner creepigen Schleimigkeit etwas fehlbesetzt. Sogar den Sex findet Jenny schlecht, und spätestens dann, wenn sich David als Dieb und Blockbuster herausstellt, sollte klar sein, dass er nicht die tollsten Moralvorstellungen hat. Warum also zu ihm halten?

Blendend aufgelegt ist hingegen Alfred Molina, der verbiesterte Patriarch in Jennys Zuhause. Als besserwissender Sparfuchs mit Minderwertigkeitskomplexen amüsiert er genau so wie die bemerkenswerten britischen Kino-Ladies in den Nebenrollen. Emma Thompson gibt die strenge Headmistress einer Mädchenschule perfekt. Olivia Williams (Rushmore), die den für Jenny vorgesehen Bildungsweg schon beschritten hat, ist das intellektuelle Jing zum Jang der blond-blöden Trophy-Wife-Karikatur von Bond-Girl Rosamund Pike. Einen Kurzauftritt hat Sally Hawkins (Happy-go-Lucky), den einen weiter wundern lässt, warum solche Frauen nicht mehr Hauptrollen bekommen.

Aber gleich oscarwürdig? An Education schildert am Ende doch nur eine lehrreiche Ehrenrunde auf dem Weg zur höheren Bildung. Das frühzeitiges Erkennen, dass alle Männer Schweine sind, in Ehren... bis 1968 dauerte es noch ein Weilchen. Insofern kann man das Period Piece auch als Coming of Age einer Ur-Feministin lesen.

4.4 Sterne
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15.01.2010 / rm