La donation (2009)

La donation (2009)

Oder: Ein Arzt, ein Dorf aber viele Probleme...

La donation

He, nicht schlafen beim Autofahren!

Doktor Rainville (Jacques Godin) ist ein Urgestein des kleinen Städtchens Normétal und schon seit Jahren der Arzt, dem die Gemeinde vertraut. Doch langsam ist es an der Zeit, über den Ruhestand nachzudenken. Deshalb lässt er eine Anzeige schalten, in der er für einen Monat eine Stellvertretung sucht, welche möglicherweise auch seine Nachfolge werden könnte. Es dauert nicht lange, da meldet sich die vierzigjährige Ärztin Jeanne Dion (Elise Guilbault), welche zuvor in der hektischen Notaufnahme eines Spitals in Montreal gearbeitet hat. Doktor Rainville ist begeistert von seiner Stellvertretung und führt sie während einer Woche in ihre temporäre Tätigkeit als Dorfärztin ein. Schnell stellt sie fest, dass Rainville seinen Patienten sehr nahe ist, und da er beinahe die Hälfte der Einwohner selber zur Welt gebracht hat, kennt er teilweise ihre ganze Lebensgeschichte.

La donation

Hmm, Kopf ist noch dran...

Schliesslich geibt der alternde Dorfarzt sein Amt ab, und Dion ist auf sich alleine gestellt. Routiniert beginnt sie mit ihren Runden, knüpft erste Kontakte und lebt sich langsam in dem Dorf ein, das es seit der Schliessung der Mine vor rund dreissig Jahren sehr schwer gehabt hat. Doch was zu Beginn noch ganz gut geht, macht der bisher so distanzierten Ärztin immer mehr zu schaffen. Die Nähe zu den Patienten, die Verantwortung und das Dasein als Seelsorgerin für ein ganzes Dorf, all dies überrollt sie regelrecht, und je näher sie die verschiedenen Schicksale kennen lernt umso schwieriger wird es für sie, sich davon auszuklammern. Als dann eine ihrer ersten Patienten an Krebs stirbt und auch noch Kinder verschwinden, stellt sie ihren Entschluss endgültig in Frage, ob es das Richtige gewesen sei, hierher zu kommen.


Film-Rating

La Donation ist der dritte Teil einer Trilogie, die Regisseur Bernard Émond einst mit La neuvaine gestartet und dann mit Contre toute espérance fortgesetzt hat. Alle Filme behandeln zum einen theologische Fragen und haben die Ärztin Jeanne Dion in der Hauptrolle, welche jetzt in La Donation - nachdem sie im zweiten Teil von Selbstmordgedanken geplagt wurde - wieder ein neues Leben beginnt. Allerdings muss man die Vorgängerfilme nicht gesehen haben, denn La Donation funktioniert auch sehr gut für sich allein stehend.

La Donation beginnt eigentlich mit einem Ende. Der langjährige Dorfarzt diktiert schweren Herzens seiner treuen Assistentin die Anzeige, die er veröffentlichen will, in der er einen Stellvertreter für einen Monat und vielleicht für immer sucht. Es ist offensichtlich, dass es ihm nicht leicht fällt, doch es ist an der Zeit. Ab da dauert es nicht lange, und schon ist die Ärztin Jeanne Dion in das kleine Dörfchen am Ende der Welt unterwegs und muss sich wie auch der Zuschauer in dem Dorf einleben. Langsam lernt man die verschiedenen Schicksale kennen, und was zuvor eine gesichtslose Masse war, erhält langsam Konturen. Schon bald werden einem die einen sympathisch, während andere eher weniger interessieren. So geht es auch der Ärztin, die zu Beginn sehr distanzierte ist, sich dann aber immer mehr in die Gesellschaft integriert und sich auch immer mehr für ihre Patienten einsetzt. So kämpft sie plötzlich nicht nur dafür, dass zwei Kinder nicht zu ihrem Prügelvater müssen, sondern übernimmt auch beinahe die Rolle des Polizisten, als ein Mädchen an einer Überdosis stirbt.

Doch so gut das Ganze jetzt auch klingen mag, La Donation hat deutliche Orientierungsprobleme. Die Erkundung der verschiedenen Schicksale mag ja interessant sein, doch schon bald hat man den Eindruck, dass sich Regisseur Bernhard Émond darin verloren hat. Anstatt Dion einen sauberen in sich abgeschlossenen Entwicklungsbogen zu geben, lässt er sie einfach im Strom schwimmen, und am Ende hat man eher das Gefühl, als ob ihm das Geld ausgegangen wäre, als dass er sich bemüht hätte, den Film zu einem sauberen Ende zu bringen. Schliesslich entlässt der Film mit vielen offenen Fragen und Unklarheiten, und selbst wenn die wichtigsten Handlungsbögen abgeschlossen worden sind, es wirkt alles wie eine verschenkte Chance, einen guten Film zu bringen.

Fazit: La Donation ist ein ruhiger Film geworden, der sehr menschlich die verschiedenen Schicksale erkundet und auch langsam die Ärztin aus der Stadt in die Dorfgemeinde eingliedert. Jedoch ist es auch ein sehr unkoordinierter Film, der ohne sichtbaren roten Faden dahindümpelt und am Ende auch ohne erkennbare Auflösung endet. Schade, denn dadurch bleibt man eher ernüchtert als begeistert zurück.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.04

 

07.08.2009 / db

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