The Misfortunates - De helaasheid der dingen (2009)
Die Beschissenheit der Dinge
The Misfortunates - De helaasheid der dingen (2009) Die Beschissenheit der Dinge
Oder: Gunther in the Mad House
Gunther Strobbe (Kenneth Vanbaeden) ist dreizehn und wohnt mit seinem Vater Marcel alias Celle (Koen De Graeve) und seinen drei Onkeln Lowie/Petrol (Wouter Hendrickx), Pieter/Beefcake (Johan Heldenbergh) und Koen (Bert Haelvoet) bei seiner Grossmutter (Gilda de Bal). Die arme Frau hat somit gleich fünf zumindest geistig Halbwüchsige zu versorgen: Der eine versäuft das ganze Haushaltsgeld, der andere steigt den Frauen nach und wieder ein anderer schaut wegen seines ungezügelten Temperaments schon mal durch schwedische Gardinen. Die "Strobbes" sind auch immer bei den ersten, die sich für Events wie ein Nacktvelorennen oder einen Biertrinkweltrekordversuch begeistern lassen
Dass dies für einen Dreizehnjährigen kein einfaches Erwachsenwerden ist, liegt auf der Hand. Der kleine Strobbe verbringt seine Abende mit den grossen Strobbes im Pub, trinkt selber auch mal einen über den Durst und weil er in der Schule alles andere als ein Musterschüler ist, muss er zur Strafe immer wieder seitenlange Aufsätze zu den abstrusesten Themen schreiben.
Mittlerweile ist Gunther ein erwachsener Mann. Als 33-Jähriger (Valentijn Dhaenens) hat er soeben seine Jugend niedergeschrieben und sucht nun vergeblich einen Verlag. Wird aus Gunther am Ende ein "echter Strobbe" oder schafft er es, seinem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen?
Kinofilm-Rating
The Misfortunates, oder wie er in der französischen Version viel schöner heisst La merditude des choses, basiert auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Dimitri Verhulst, der mehrfach ausgezeichnet wurde und sich äusserst erfolgreich verkaufte. Der gerade mal 31-jährige flämische Regisseur Felix van Groeningen hat für die Umsetzung eng mit dem Autor der Buchvorlage zusammengearbeitet. Und der Film hat nicht nur deshalb durchaus Kassenschlagerpotential.
Das Thema des Films ist, um eine Phrase zu bemühen, so alt wie die Menschen selbst. Und doch immer aktuell: Es geht ums Erwachsenwerden, um die Zeit, in der man nicht mehr Kind und noch nicht - in diesem Fall - ein Mann ist. In der Entscheidungen getroffen werden müssen, die das eigene Leben verändern können. Es ist auch die Zeit der Abnabelung und vielleicht der Abgrenzung von den Eltern, besonders dem Vater. Soll Gunther bei seiner Familie bleiben oder soll er seinen Vater darum bitten, wie es der Schulleiter empfiehlt, die Internatsschule besuchen zu dürfen? Darf er den Vater allein lassen mit seinen Alkoholproblemen oder muss er Verantwortung übernehmen? Ist es ein Verrat an der Familie, wenn er seinen eigenen Weg geht? Kann er denn seinem Schicksal überhaupt entgehen?
The Misfortunates ist ein Drama mit einer guten Portion Humor, wobei van Groeningen damit etwas anders umgeht, als man es erwartet. Sind wir uns normalerweise gewohnt, dass ernste oder traurige Episoden im Film mit Humor aufgelöst werden, ist es hier gerade umgekehrt: Gerade lacht man noch über eine Spinnerei der Strobbes, da schlägt die Stimmung um. So schnell, dass einem dieses Lachen im Hals stecken bleibt. Genau das macht das gewisse Etwas dieses Films aus und verleiht ihm den Tiefgang, dem man vielleicht nicht unbedingt erwartet hat.
Und nicht zuletzt haben sich die Marketingverantwortlichen anlässlich der Aufführung des Films an am Filmfestival in Cannes, wo der Film 2009 in einer Nebensektion gezeigt wurde, etwas ganz Besonderes einfallen lassen und damit für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt: So radelten die Strobbes, wie im Velorennen im Film, füdliblutt die Croisette entlang. Grosses Kino!
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