The Damned United (2009)

The Damned United (2009)

Oder: Bring mir den Kopf von Don Revie

The Damned United

Tony Blair ist auch ein Fussballfan

1974: Der grosse englische Fussballclub Leeds United verpflichtet den jungen Manager Brian Clough (Michael Sheen) als Nachfolger des legendären Don Revie (Colm Meaney), der die englische Nationalmannschaft übernimmt. Schon bei seiner Antrittsrede zeigt Clough die Abscheu auf seinen Vorgänger und den Club an sich. Clough will alles ändern, um zu beweisen, dass er der grösste Fussballmanager ist.

The Damned United

Hilfe! Hier brennt's!

Sieben Jahre zuvor: Clough leitet mit seinem Assistenten Peter Taylor (Timothy Spall) den englischen Zweitligaclub Derby County. Nach erfolglosen Jahren erhält der Verein endlich die grosse Chance: ein Cupspiel gegen den mehrfachen Meister Leeds United. Der junge, ehrgeizige Clough will sich unbedingt mit Meistertrainer Don Revie messen - als dieser ihm jedoch nicht einmal die Hand schüttelt, ist Clough so frustriert und enttäuscht, dass er seine Trainerkarriere fortan dem Ziel unterordnet, Revie und Leeds United zu schlagen.

Auf Kosten von Clubmanager Sam Longsdon (Jim Broadbent) kauft er Spieler um Spieler ein, kritisiert schon mal lauthals den Vorstand und riskiert sein gutes Arbeitsverhältnis zu Taylor. Nach einem Jahr steigt der Club in die First Division auf, und bald geht es um die Meisterschaft - und nur noch Leeds steht im Weg.


Kinofilm-Rating

Eines vorweg: The Damned United ist kein wirklicher Fussballfilm, obwohl sich alles um das runde Leder dreht. Regisseur Tom Hooper (John Adams-Serie) geht äusserst sparsam mit wirklichen Matchszenen um, und wenn, dann am ehesten noch aus der TV-Konserve. Dies ist jedoch ein kluger Schachzug, da Fussball auf der Leinwand grundsätzlich nicht funktioniert (man betrachte die Beispiele Goal! oder den Stallone-Film Victory). Zu wenig Dramatik, keine Atmosphäre, kaum Übersicht.

Bei The Damned United handelt es sich aber um eine leichte Mixtur aus Komödie und Biographie eines Fussball-Maniacs, dessen Ehrgeiz ihn beinahe seine unglaubliche Karriere gekostet hat. Basierend auf dem Buch von David Peace über Brian Clough - auch bezeichnet als bester englischer Fussballmanager, der nie Nationaltrainer war -, setzt Hooper dessen Werdegang vom Provinzklub zum (damals) grössten englischen Verein als nostalgisches, witziges und unterhaltsames Stück englische Fussballgeschichte in Szene. Dies ist nicht sonderlich aufregend und keinesfalls neu, doch was The Damned United einen Blick wert macht, sind die frischen Dialoge von Drehbuchautor Peter Morgan (The Queen, Frost/Nixon), der Clough pointierte Sprüche in den Mund legt und dem ganzen Film eine logische Struktur gibt.

Ebenso ein Highlight sind die Schauspieler, allen voran Michael Sheen, der sich zum Briten für jedermann entwickelt. Er spielte schon David Frost (Frost/Nixon), und Tony Blair hat er sogar schon in zwei Filmen verkörpert (The Queen und The Deal), doch mit Clough und seinem egozentrischen Getue beherrscht er den Film. Und trotz seines narzisstischen Verhaltens schafft es Sheen, Cough richtig sympathisch darzustellen. Und wer sich mit britischen Filmen ein wenig auskennt, wird einige weitere bekannte Gesichter wiedererkennen.

The Damned United wird die Filmwelt kaum auf den Kopf stellen, denn dafür hat der Film ein zu britisches Thema und ist zu konventionell erzählt. Fussballfans dürfen aber auf jeden Fall einen Blick in die Historie ihres Lieblingssports werfen und dabei wohl erkennen, dass Fussball früher noch ein reiner Männersport war. Es wird umgesäbelt, umgehauen und geblutet wie auf einem Rugbyfeld (und der Rasen sieht auch eher danach aus). Da hätten sogar ein Eric Cantona oder ein Paul Gascoigne den Kürzeren gezogen.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (13 Bewertungen) | 1 Kommentar

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25.09.2009 / hut