Dachkantine (2009)
Dachkantine (2009)
Oder: Ufftsää ufftsäää ufftsssäää
Förrlibuckstrasse, Zürich: Hier entstand in den Räumlichkeiten der ehemaligen Firmenkantine der Toni-Molkerei der Elektroclub "Dachkantine. Bekannt für sein gemütliches Ambiente, seine innovative Inneneinrichtung und vor allem die illustre Vielfalt internationaler Künstler aus der Elektro-Szene, musste der Club nur zwei Jahre nach seiner Eröffnung die Tore wieder schliessen. Im Februar 2006 fand ein Abschlussfestival statt, um der Dachkantine gebührend "Adieu" zu sagen und noch einmal so richtig durchzufeiern. Drei junge Regisseure, selbst fleissige Dachkantinen-Gänger, haben in diesem von MTV mitproduzierten "Elektromentarfilm" das vierwöchige Fest besucht und Musiker, Gäste und Organisatoren vor die Linse gelockt.
DVD-Rating
Mit der Unterstützung von MTV produziert und als Elektromentarfilm beworben, gibt es in der Dokumentation überraschend wenig Musik. Zwar sind Ausschnitte aus diversen Performances zu sehen, doch mit einer Spielzeit von nur 76 Minuten und vielem Interviewmaterial kommt die Musik etwas gar zu kurz. Dafür vermittelt der Film einen guten Eindruck, wie schwer es in der Clubszene ist, einen weniger kommerziellen Schuppen zu betreiben und am Leben zu erhalten. Am interessantesten ist der Film dann, wenn die Stammgäste der Dachkantine zu Wort kommen. Es ist schon ein ganz eigenes Völkchen, und ihre Geschichten und Erfahrungen sind faszinierend und befremdend zugleich. Hätte sich der Film noch ein paar mehr dieser Menschen angesehen, wäre er durchaus ein Spürchen interessanter geworden, doch es bleibt bei einem Paar, welches wohl als repräsentativ empfunden wurde.
Die Interviews mit den Club-Gründern und Organisatoren bieten nicht viel Neues, wenn man sich ein wenig mit Leben und Organisation in Clubs auskennt. Da macht es schlussendlich keinen Unterschied, welche Musik gespielt wird und welche Grösse der Club hat - so eine Arbeit braucht viel Aufwand und vor allem Herzblut, was in den Interviews gut transportiert wird. Visuell versucht der Film, den doch eher unspannenden Inhalt mit einigen Bild-Effekten wie Rauschen und verschiedenen Farbfiltern etwas aufzupeppen. Das nützt wenig und wirkt eher gekünstelt als effektiv. Die Musiker, die im Film zu Wort kommen, sind allesamt interessante Persönlichkeiten, die die Atmosphäre der Dachkantine zu schätzen wissen. Allerdings kommen sie öfter zum Reden als zum Musizieren. Wenn sie dann aber Musik performen, geht die Bandbreite von experimentell-skurrilen Klängen bis zu stampfenden Technobeats, und man kann schon hie und da ein wenig mitwippen. Schade nur, dass relativ wenig davon zu hören ist.
Ebensoviel Herzblut wie bei den Clubbetreibern ist bei den Filmemachern zu verspüren, die diesen Film als Denkmal für die Dachkantine inszenierten. Für Fans dieses Clubs und der darin gespielten Musik dürfte das Werk also eine schöne Erinerungsreise sein, für Otto Normalverbraucher bleibt der Film zu sehr an Oberflächlichkeiten hängen. Es wäre wünschenswert gewesen, etwas mehr über die faszinierende Clubkultur zu erfahren.
Die DVD kommt mit angemessenem Bild daher. Bei einem Film, der im weiteren Sinne auch um Musik geht, ist es jedoch bedauernswert, dass nur eine 2.0-Stereospur vorhanden ist. Gwunderige dürfen noch Zusatzinterviews angucken und ein wenig hinter die Kulissen schauen. Auch bei der DVD-Umsetzung ragt die Dachkantine also nicht so hoch hinaus, wie es ihr Name vermuten liesse.
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3.2 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
- Bildformat: 1.78:1 (16:9)
- Sprachen: CH-Deutsch (DD 2.0)
- Untertitel: Deutsch; Französisch; Englisch; Italienisch
- Extras: Unveröffentlichtes Material; Einblicke hinter die Kulissen; Interviews mit Mitarbeitern und Künstlern


