Crazy Heart (2009)

Crazy Heart (2009)

Oder: Die grosse Rolle des Jeff Bridges

Crazy Heart

Rockin' all over the world!

Bad Blake (Jeff Bridges) hat schon bessere Zeiten erlebt. Der in die Jahre gekommene Countrysänger tritt schon lange nicht mehr auf den grossen Bühnen auf. Stattdessen spielt er seine alten Nummer-Eins Hits in heruntergekommenen Bars und Spelunken. Bads bester Freund ist der Alkohol. Zusammen mit ihm lässt es sich in schmuddeligen Motels überleben, und so mancher Auftritt wird nur sturzbetrunken absolviert. Desillusioniert macht er mit seiner Musik und seinem Leben einfach weiter, ohne sich um die Zukunft zu kümmern.

Crazy Heart

"Komm, nur ein kleiner Kuss..."

Erst als die junge Journalistin Jean Craddock (Maggie Gyllenhaal) Blake für ein Interview aufsucht, bekommt sein Leben langsam eine Wendung. Die alleinerziehende Mutter verliebt sich in den alten Musiker und entdeckt an ihm eine Seite, die Blake längst verloren geglaubt hat. Obwohl sie beide um die Hoffnungslosigkeit ihrer Beziehung wissen, nutzt Blake den neuen Lebensmut, um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Doch trotz der Kraft, die er durch Jean erfährt, ist das kein einfacher Weg.


Kinofilm-Rating

Regisseur Scott Cooper trat bisher lediglich in kleineren Nebenrollen wie als Reporter in Far Cry in Erscheinung. Für Crazy Heart nahm er erstmals auf dem Regiestuhl Platz und verfasste sein erstes Drehbuch. Sein Debütwerk stellt den Zuschauer gleich in den ersten Sekunden auf eine Probe. Zu stark erinnert Jeff Bridges als ungepflegter Bad Blake in Schlabberklamotten an seine grosse Rolle des Dude in The Big Lebowski. Es werden sich noch einige Parallelen zwischen den beiden Filmen finden, insbesondere die starke Zuneigung der Hauptfigur zum Alkohol steht dabei wohl an erster Stelle.

Oftmals kann man Bad Blake aber auch mit Randy Robinson vergleichen, den Mickey Rourke in The Wrestler verkörperte. Beide Figuren stehen am Ende einer langen und erfolgreichen Karriere, können nicht loslassen und trauern ihrem einstigen Erfolg hinterher. Sie sind inzwischen nur noch ein Schatten ihrer selbst und erleiden Tiefschläge ohne Ende.

Jeff Bridges scheint die Rolle wie auf den Leib geschrieben. Ohne ihn wäre ein Bad Blake undenkbar, genauso wie The Wrestler ohne Rourke nicht funktionieren könnte. Bridges spielt Blake nicht nur, er scheint ihn tatsächlich zu leben. Des Weiteren lebt Crazy Heart davon, dass die fiktive Geschichte ungemein berührend erzählt wird. Der stete Spagat zwischen Hoffnung, Resignation, Aufbäumen und tiefstem Mitleid geht immer wieder ineinander über und greift den Zuschauer dabei stark in seinen Gefühlen an. Zeitweise bringt man Blake unendlich viel Mitleid entgegen, manchmal ekelt man sich auch vor ihm, und immer wieder hofft man, dass er doch noch einen Weg finden wird. Durch die innige Freundschaft und Liebe zu der um Jahre jüngeren Jean findet Blake letztlich zumindest die Kraft, sich aus der Alkoholsucht zu befreien. So bleibt dem Zuschauer wenigstens zum Ende ein gewisser Hoffnungsschimmer.

Die herausragende schauspielerische Leistung auf der einen Seite sowie die Kunst, ungeschönigt den Zerfall eines Menschen und seinen langsamen Aufstieg zu zeigen, machen Scott Coopers Drama durchweg sehenswert.

4.5 Sterne
4.5 Sterne (36 Bewertungen) | 5 Kommentare

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28.01.2010 / jst