Confessions of a Shopaholic (2009)

Confessions of a Shopaholic (2009)

Oder: Ich kauf mir was, was ich nicht brauch

Confessions of a Shopaholic

"Shit, ich habe keine passenden Schuhe"

Journalistin Becky (Isla Fisher) ist liebenswert aber besessen. Nicht etwa von Männern oder Schokolade, sondern vom Shoppen. Ihre diversen Kreditkarten sind alle überzogen und manchmal verliert sie sogar den Überblick, was sie denn alles so gekauft hat.

Ihr grösster Wunsch: das Arbeiten für eine Modezeitschrift! Da dort aber leider alle Arbeitsplätze besetzt sind, bewirbt sie sich für eine andere Zeitung des gleichen Konzerns: Ausgerechnet das Wirtschaftsmagazin "Successful Saving", dem sie weismacht, sie sei Expertin, die fliessend Finnisch spricht. Unerwarteter Weise kriegt sie den Job und muss fortan in einer Kolumne Leute zum Thema "Richtiger Umgang mit Geld" beraten.

Confessions of a Shopaholic

"Dad eats, I shop!"

Den Zuständigen für ihre Bankschulden im Nacken, versucht Rebecca auf die Schnelle das Thema Wirtschaft zu durchschauen und verliebt sich in dem ganzen Lebenschaos auch noch in ihren Vorgesetzten Luke Brandon (Hugh Dancy). Zu dumm nur, dass die meisten Lügen kurze Beine haben und einen irgendwann einholen...


Kinofilm-Rating

Vorneweg:

Vor langer, langer Zeit, als ich noch jünger und beeinflussbarer war, da stand einmal ein Buch. Es versprach Glamour, Ruhm und die grosse, weite Welt, in der das Kaufen von teuren Gegenständen ein Kinderspiel war, dessen Folgen man immer wieder auf leichte Art und Weise ausbügeln konnte.

Betrachte ich die Sache aus heutiger Sicht der Dinge und mit meinem glücklicherweise gewachsenen Verstand, muss ich auf die Immoralität von Sophia Kinsella's "Shopaholic" hinweisen. Shop 'til you drop? In Zeiten der Wirtschaftskrise und der Generation der verschuldeten Jugend (jeder Dritte zwischen 16 und 24 hat Schulden) ein eher schlechtes Vorbild für einen Film, vor allem wenn man dann noch vorgaukelt, wie einfach es ist, diese Schulden wieder loszuwerden....

Zur Sache:

Was die Schauspieler angeht, fällt die Meinung grundsätzlich positiv aus. Isla Fisher, dank Dauerwitzigehemann Sacha Baron Cohen mit dem lustig sein sozusagen verheiratet, überzeugt durch ihre Künste und auch Gilmore Girl Lucy (Krysten Ritter) findet sich in einer ihr nur zu gut bekannten und routinierten Rolle wieder, wobei letztere sich langsam nach etwas Erfrischenderem umsehen sollte, wenn sie nicht einen Einseitig-Stempel aufgedrückt bekommen will. Auch ganz OK, wenn auch nur viel zu kurz zu sehen: John Goodman und Joan Cusack. Hugh Dancy liefert zwar keine Oscarleistung ab, die Rolle des treuherzig guckenden und zuckersüss anzuschauenden Prinz Charming packt er aber 1A, und mehr ist ja in Filmen dieses Kalibers auch nicht gefragt.

Auch sonst ist an der Machart des Films nichts auszusetzen, was bei einem Jerry Bruckheimer-Werk aber auch nicht gross verwundert. Ein grosses Plus: Der poppige und animierende Soundtrack. Trotzdem ist es immer so eine Sache mit Filmen, die auf einer Buchvorlage basieren. Liest man das Buch nicht, gehen manchmal Zusammenhänge flöten, liest man es, ist man oftmals enttäuscht, weil der Film die Erwartungen nicht erfüllt. Diese besagten Erwartungen habe ich in meinem Fall zwar gewaltig runtergeschraubt, trotzdem blieb der eine oder andere Hacken übrig:

  • Der als Schlüsselgegenstand funktionierende Schal war in der Buchvorlage grau und nicht grün
  • Suze war blond
  • Luke war blond
  • Suze und Tarki fanden erst viel später zueinander
  • Rebecca war Engländerin, Luke hingegen Amerikaner, die ganze Geschichte spielt in England
  • Rebecca war zwar durchgeknallt und witzig, aber keinesfalls so hyperventilierend und überdreht wie man sie im Film darstellt

Sicher gibt es immer gute Gründe, etwas im Vergleich zur Buchvorlage abzuändern, z.B. wenn es um Geld- oder Zeitaufwandsfragen geht. Wieso man aber einen einfachen, winzigen Schal nicht grau lassen kann, oder keine blonde Schauspielerin besetzt, will mir nicht einleuchten. Deshalb, reit sich auch Shopaholic nicht unter die seltenen, als gelungen zu bezeichnenden Gattung der Buchverfilmungen ein.

Abschliessend:

Wieso die Produzenten von Frauenfilmen und dem klar definierten Zielpublikum "erwachsene Frau" ihre Filme immer so girly-like wirken lassen und alles viel zu übertrieben daherkommt - z.B der berühmte Kitsch-Kotz-Würg-Liebesoffenbarungsmoment - bleibt auch weiterhin ein Rätsel. Die dümmliche Seite von Rebecca fand jedenfalls, komischerweise, bei den vierzigjährigen männlichen Journalisten mehr Anklang als bei mir, dem "angeblichen" 25-jährigen weiblichen Zielpublikum. Aber diese Details beiseite: der Film war kurzweilig und entspannend. Eine kleine Flucht vor der Rückkehr in die Welt, wo man nicht einfach für 16'000 Kleider kaufen kann und sich das Bezahlen dann von alleine erledigt.

3.7 Sterne
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10.03.2009 / kat