Le Concert (2009)
Das Konzert
Le Concert (2009) Das Konzert
Oder: Organisiertes Chaos in D Dur
Was tut man als vom kommunistischen Regime abgesetzter, ehemals erfolgreichster Dirigent Russlands, der heute als Hausmeister im Moskauer "Bolschoi-Theater" sein Dasein fristet, wenn einem eines Tages ein Fax in die Hände kommt, in dem das berühmte "Théâtre du Chatelet" beim Chef nach einem Orchester verlangt? Richtig, man schnappt sich das Schreiben, trommelt seine ehemalige Truppe zusammen, engagiert die Stargeigerin Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent) und reist nach Paris, um der Welt zu beweisen, dass man sie auch noch mit seiner Musik verzaubern kann, wenn man etwas in die Jahre gekommen ist.
Doch ganz so einfach, wie sich das Andrei Filipov (Alexei Guskov) vorgestellt hat, ist es leider nicht: Da wäre einmal das Problem, dass man sich glaubwürdig als Direktor des "Bolschoi-Theaters" ausgeben müsste. Dann all die alten Kollegen wiederfinden. Und Pässe bräuchte man, ein Visum für die Einreise nach Frankreich wäre auch ganz hilfreich. Ausserdem muss ein Hotel besorgt und im Vorfeld bezahlt werden - und der richtige Direktor darf natürlich nichts davon mitbekommen.
Es beginnt eine turbulente Zeit, bis die Truppe endlich in Paris ankommt und ihr Können unter Beweis stellen kann - falls denn auch alle Musiker erscheinen. Und da war doch noch die eine Geschichte aus der Vergangenheit...
Kinofilm-Rating
Nachdem die Lachmuskeln wieder entspannt sind und sich die Gänsehaut wieder gelegt hat, muss man sich eingestehen, dass man soeben eine der besten Komödien der letzten Jahre gesehen hat. Nach der relativ unspektakulären Publicity im Vorfeld, überrascht einen die russisch-französische Produktion Le Concert mit spritzigem, teilweise äusserst schwarzem Humor, brillant besetzten Schauspielern und einer eindrücklichen Art, seine Liebe zur Musik auszudrücken. Der Regisseur Radu Mihaileanu bringt auch den Zuschauern die klassische Musik näher, die sich bis dahin nicht dafür erwärmen konnten.
Der Film lebt von seinen Schauspielern, die der eigentlich banalen "Gutmütigen-Schwindel-Story" ihre Persönlichkeit verleihen, dem durchdachten, sich jeglichen Klischees bedienendem Witz und der Authentizität, die so nur entstehen kann, wenn wirklich zwei Kulturen aufeinander treffen. Alexei Guskov als Andrei Filipov und Dimitri Nazarov in der Rolle des liebenswürdigen, manchmal leicht cholerischen Sacha Grossmann, ergänzen sich hervorragend als federführendes Team im Auftrag der Musik: der eine laut und schrill, der andere unscheinbar und in sich gekehrt. Und doch schaffen es die beiden, ihre Rollen so zu interpretieren, dass man nie das Gefühl hat, einer der beiden Charaktere würde sich in den Vordergrund drängen oder sogar Überhand nehmen.
Die tendenziell eher unspektakuläre Rolle der Anne-Marie Lacquet bekommt durch die schauspielerische Leistung von Mélanie Laurent (bekannt aus Paris und Inglorious Basterds) eine Tiefe und Glaubwürdigkeit, wie man es sich für solche (fast oberflächlichen) Rollen sonst kaum zu hoffen wagt. Zusätzlichen Respekt verdient sich Laurent durch die Tatsache, dass sie bisher überhaupt keinen Bezug zur Klassik hatte. Doch die eigentliche Hauptdarstellerin in Le Concert ist die Musik. Stets präsent und doch, bis auf den Schluss, nie wirklich bewusst anwesend, ist sie der rote Faden, der sich vom Anfang bis zum Ende des Films durchzieht.
In Anbetracht dessen, dass das gesamte Team um und in Le Concert aus einer weitreichenden Auswahl an Nationalitäten und Kulturen besteht, entschuldigt man die kleinen, politisch nicht ganz korrekten Gags sofort.
Le Concert ist eine hervorragend inszenierte, leicht verständliche Komödie, die jegliche bestehenden Klischees nutzt, um das Publikum 122 Minuten lang auf berührende Art und Weise zu amüsieren und zu unterhalten. Auch viele Kinogänger, die sich sonst eher grosse Produktionen aus der Traumfabrik Hollywood anschauen, werden an diesem "kleinen grossen Werk" ihre Freude haben.
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4.2 Sterne (9 Bewertungen) | 2 Kommentare



