Coco avant Chanel (2009)

Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft

Coco avant Chanel (2009) Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft

Oder: Heute Abend bin ich tausend Jahre alt.

Coco avant Chanel

Dort drüben gibt es Eis

Gabrielle Chanel (Audrey Tatou) hat es nicht leicht im Leben. Als Kind kommt sie zusammen mit ihrer Schwester Adrienne ins Waisenhaus. Später schlagen sich die beiden jungen Frauen als Gesangs-Duo in einem Cabaret durch, dessen Gäste ihnen unzweideutige Avancen machen. Als Adrienne (Marie Gillain) dem Heiratsversprechen eines Barons folgt, platzt Gabrielles Show-Karriere endgültig, und sie lädt sich kurz entschlossen selbst auf das Anwesen ihres reichen Verehrers Étienne Balsan (Benoît Poelvoorde) ein.

Coco avant Chanel

"Meine Hüte nähe ich selbst. Meine Kleider übrigens auch."

Dem Bonvivant Balsan gefällt Gabrielle mit ihrer unverblümten Art. Trotzdem versteckt er sie vor seinen Freunden aus der High Society und versucht, sie zu dominieren. Denn am liebsten würde er aus der eigenwilligen jungen Frau eine unterwürfige kleine Geisha machen. Aber trotz ihrer unkonventionellen Art manövriert Gabrielle geschickt auf dem gesellschaftlichen Parkett und kann so ihre Stellung sichern. Mit der Wahrheit nimmt sie es dabei nicht immer so genau. Doch Gabrielles Freiheitsdrang ist auf Dauer nicht mit ihrer Abhängigkeit von Balsan zu vereinen, und die beiden geraten immer häufiger aneinander. Ein Ausweg aus dieser Situation tut sich auf, als der attraktive und erfolgreiche junge Geschäftsmann Arthur Capel (Alessandro Nivola) auf Balsans Anwesen auftaucht und anfängt, Gabrielle schöne Augen zu machen.


Kinofilm-Rating

Wie der Titel Coco Avant Chanel besagt, wird darin die Verwandlung der kleinen Cabaret-Sängerin Coco zur grossen Modeschöpferin Chanel gezeigt. Der Film definiert seine Hauptfigur dabei stark im Wechselspiel der Abhängigkeiten mit den männlichen Rollen; denn die Männer sind für die Figur Gabrielle Chanels Sehnsuchtsziel und Gegenpol zugleich. Balsan ermöglicht ihr ein leichtes Leben, gleichzeitig zwingt er sie durch seine Machtspiele, sich mit ihm zu arrangieren. Auch die Aufmerksamkeit Arthur Capels erhält sie nur um den Preis einer emotionalen Abhängigkeit. Und selbst Gabrielles Vater bleibt als idealisierte Sehnsuchtsfigur präsent, obwohl sie ihm eine denkbar ungünstige gesellschaftliche Ausgangsposition zu verdanken hat.

Audrey Tautou gibt als Gabrielle Chanel eine superbe Performance. Sie spielt bravourös die Rolle einer eigenwilligen jungen Frau, die sich ihre Unabhängigkeit hart erkämpft und diese couragiert verteidigt, dabei aber immer den Launen des Schicksals, dem Egoismus der Männer und den gesellschaftlichen Zwängen der Belle Époque ausgeliefert bleibt. Tautous Figur ist mal schnippisch und angriffig, mal nachdenklich und verletzlich und widerspiegelt so diese Widersprüche und Spannungen. Auch die weiteren Rollen sind hervorragend besetzt, allen voran mit Benoît Poelvoorde in der Figur des leichtlebigen Partylöwen Balsan.

Von einem Film über Coco Chanel darf man erwarten, dass die Kostüme eine wichtige Rolle spielen. Das tun sie auch, aber Regisseurin Anne Fontaine zeigt in erster Linie, wie Chanel zu einem Stil findet, der als Gegenentwurf zur Damenmode des beginnenden 20. Jahrhunderts zu verstehen ist. Über weite Strecken des Films kämpft Chanel gegen atemabschnürende Korsette, vogelfederverzierte Damenhüte und Kleider so opulent, wie ihre Trägerinnen privilegiert sind. Wenn sie mit ihrer Schere Verzierungen wegschneidet und sich von der Herrenmode oder gar der Arbeitskleidung einfacher Fischer inspirieren lässt, ist dies immer auch ein radikaler Bruch mit der Tradition und gesellschaftlichen Konventionen. Durch ihre eigenwilligen Entwürfe grenzt sich Chanel von der gehobenen Gesellschaft ab, zu der sie weder gehört noch gehören will. Am Schluss des Films hat sie zu ihrem schnörkellosen Stil von aus heutiger Sicht klassischer Eleganz gefunden, der auch für die in Kunst und Kultur einsetzende Moderne steht.

Dieses biografische Epochendrama überzeugt mit schönem Dekor und Kostümen, stimmungsvoller Musik und überzeugenden Darstellern. Einzig der Spannungsbogen flacht hie und da etwas ab.

3.8 Sterne
3.8 Sterne (22 Bewertungen) | 0 Kommentare

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25.05.2009 / peb