Chéri (2009)

Chéri (2009)

Oder: Lass die Finger von Kurtisanen!

Chéri

Sex...

Paris zur Zeit der Belle Epoque. Obwohl der erste Weltkrieg vor der Tür steht, spürt der französische Adel noch wenig von den gesellschaftlichen Veränderungen. Prinzen, Premiers und Grafen vergnügen sich in den verwinkelten Gassen und schicken Bistros und laben sich am joie de vivre. Eine gute Zeit also für die zahlreichen Kurtisanen, deren Geschicke schon viele mächtige Männer verfallen sind.

Chéri

...on the Beach!

Eine der besten ist Léa de Lonval (Michelle Pfeiffer), deren Geschick ihr Reichtum und Ansehen gebracht hat. Nun denkt sie langsam ans Aufhören und will sich zur Ruhe setzen. Da trifft sie bei einer geselligen Klatschrunde den Sohn ihrer Freundin und Rivalin Madame Peloux (Kathy Bates) wieder: Fred, genannt Chéri (Rupert Friend). Dessen ausschweifendes Leben veranlasst seine Mutter, Léa zu bitten, sich ein wenig um ihn zu "kümmern". Seine Schönheit fasziniert auch Léa, die ihre Gefühle normalerweise perfekt verbergen kann, doch bei Chéris Mischung aus Arroganz und Zärtlichkeit kann sie nicht widerstehen. Es wird ein sechs Jahre langes Verhältnis daraus.

Als Madame Peloux die Zeit für eine Heirat gekommen sieht, arrangiert sie eine Ehe mit Edmée (Felicity Jones), ebenfalls Tochter einer Kurtisane. Erst jetzt realisiert Léa, dass sie sich trotz ihrer Prinzipien in Chéri verliebt hat.


Kinofilm-Rating

Stephen Frears ist ein Regisseur, der nie zweimal das Gleiche verfilmt. Vom Kitchen-Sink-Drama (My Beautiful Laundrette) über Film Noir-Hommage (The Grifters) bis zur Momentaufnahme einer Monarchin (The Queen) gelingt dem Briten die Gradwanderung zwischen den Genres meist formidabel. Auch sein neuestes Werk Chéri, das 2008 im Berlinale-Wettbewerb lief, ist wieder anders als seine Vorgänger. Und doch spürt man hier eine Rückkehr zu seiner Choderlos de Laclos-Adaption Dangerous Liaisons von 1988. Einerseits schauspielerisch, verkörperte die junge Michelle Pfeiffer damals ja die Verführte, andererseits auch thematisch: In beiden Filmen geht es um das intrigante Spiel einer durch ständigen Luxus verwöhnten und ermatteten Gesellschaft, die sich die Zeit vertreibt, indem sie andere Leute ausnutzt und verletzt. In Chéri geschieht dies jedoch leichtfüssiger und witziger.

Die auf zwei Kurzgeschichten der französischen Autorin Colette basierende Verfilmung interessiert dieser Unterton mehr, um sich über die damaligen Sitten zu mokieren und um ein Liebesränken der Geschlechter zu inszenieren. Mit einem trocken-humorvollen Off-Kommentar findet sich der Zuschauer schnell im Bett von Michelle Pfeiffer wieder, die auch mit 50 noch bildschön ist. Sie ist die Hautpfigur und Sympathieträgerin, während der titelgebende Chéri wohl schon alleine durch die vorgegebene Charakterisierung oberflächlich, attraktiv und langweilig bleibt. Das Highlight liefert jedoch eindeutig Kathy Bates, deren schrille Kostüme und überzeichnete Darstellung der Kurtisane, die den Lebenswandel ihres Sohnes unbedingt verbessern will, für einige Lacher sorgen. Ihre beste Rolle seit langem.

So fliesst der Film langsam dahin, es wird intrigiert und manipuliert, betrogen und geschwelgt. Dies wird nach ansprechendem Starttempo jedoch immer langsamer und repetitiver. Es kommen die üblichen Wendungen, und irgendwann hat die Geschichte kein Fleisch am Knochen mehr. Chéri wird so zum entspannt dahinplätschernden Kostümreigen, der aber im Vergleich zu Dangerous Liaisons nicht dessen Rohheit und Bosheit besitzt.

3.8 Sterne
3.8 Sterne (14 Bewertungen) | 0 Kommentare

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13.02.2009 / hut