Chéri (2009)

Chéri (2009)

Oder: Liebe ist leider nicht genug.

Chéri

Sex...

Paris zur Zeit der Belle Epoque. Obwohl der erste Weltkrieg vor der Tür steht, spürt der französische Adel noch wenig von den gesellschaftlichen Veränderungen. Prinzen, Premiers und Grafen vergnügen sich in den verwinkelten Gassen und schicken Bistros und laben sich am joie de vivre. Eine gute Zeit also für die zahlreichen Kurtisanen, deren Geschicke schon viele mächtige Männer verfallen sind.

Chéri

...on the Beach!

Eine der besten ist Léa de Lonval (Michelle Pfeiffer), deren Geschick ihr Reichtum und Ansehen gebracht hat. Nun denkt sie langsam ans Aufhören und will sich zur Ruhe setzen. Da trifft sie bei einer geselligen Klatschrunde den Sohn ihrer Freundin und Rivalin Madame Peloux (Kathy Bates) wieder: Fred, genannt Chéri (Rupert Friend). Dessen ausschweifendes Leben veranlasst seine Mutter, Léa zu bitten, sich ein wenig um ihn zu "kümmern". Seine Schönheit fasziniert auch Léa, die ihre Gefühle normalerweise perfekt verbergen kann, doch bei Chéris Mischung aus Arroganz und Zärtlichkeit kann sie nicht widerstehen. Es wird ein sechs Jahre langes Verhältnis daraus.

Als Madame Peloux die Zeit für eine Heirat gekommen sieht, arrangiert sie eine Ehe mit Edmée (Felicity Jones), ebenfalls Tochter einer Kurtisane. Erst jetzt realisiert Léa, dass sie sich trotz ihrer Prinzipien in Chéri verliebt hat.


DVD-Rating

Das erste, was einem bei Chéri auffällt, ist die opulente Ausstattung. Der Film schwelgt geradezu in üppigen Kleidern der Belle Époque, in Jugendstilmöbeln und prächtigen Gärten. Er nimmt das Publikum auch gleich rein, mitten in den Kreis der reichen Kurtisanen. Diesen ist es aufgrund ihres Berufes nicht möglich, Teil der feinen Gesellschaft zu sein, und so hält man Kontakt zueinander, auch wenn man sich nicht sonderlich leiden kann. Entsprechend scharfzüngig fallen die Dialoge zwischen den Figuren aus, mit chirurgischer Präzision und einem freundlichen Lächeln wird genüsslich in Wunden gebohrt.

Chéri beginnt als eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, doch diese wird schnell abgehandelt, um zum eigentlichen Kern zu kommen: den Schmerz, wenn man entgegen besseren Wissens die Liebe zuliess; und den Kampf darum, sich diesen Kummer nicht anmerken zu lassen. Obwohl Chéri die titelgebene Figur ist, begleiten wir vor allem Léa, die sich mit einer Reise ans Meer abzulenken versucht und sich trotz der Spitzen von Chéris Mutter keine Blösse geben will. Michelle Pfeiffer verkörpert die alternde Kurtisane dabei mit viel Anmut und feiner Mimik. Kathy Bates ist der Spass an ihrer überzeichneten Rolle förmlich anzusehen, und Rupert Friend bleibt passend als Chéri blass und träge.

Die Geschichte erzählt von einer Welt, in der der Schein wichtiger ist als das Sein, und das ist leider auch die Schwäche des Filmes. So sehr die Wortgefechte unterhalten, so sehr man sich an den Kostümen kaum sattsehen mag, die Figuren kommen einem nicht richtig nahe. Durch ihr Ringen um Kontrolle kommen für das Publikum keine grossen Gefühle auf, und so verliert die Story immer mehr an Reiz.

Fazit: Eine wunderschöne Hommage an die grosse Zeit der Kurtisanen, die viel fürs Auge, aber leider wenig fürs Herz bietet.

Die Extras sind in üblichem Umfang. Der Originaltrailer, zwei Deleted Scenes und ein Making-of, das mit seinen acht Minuten viel zu kurz ist. Hier hätte ein Making-of wie in Pride & Prejudice hingepasst, wo unter anderem die Gepflogenheiten der damaligen Zeit erklärt wurden.

3.8 Sterne 3.6 Sterne
3.8 Sterne (14 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.54.5
29.04.2010 / hut (Inhalt), nwe (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 17.03.2010

  • Bildformat: 16:9 - 2.35:1
  • Sprachen: Deutsch (2.0); Deutsch, Englisch (5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Originaltrailer; Making-of; Deleted Scenes