CARGO (2009)

CARGO (2009)

Oder: Was ist im Container?

CARGO

Durch diese hohle Gasse muss es kommen

Die junge Ärztin Laura (Anna-Katharina Schwabroh) will von der kaputten Erde weg zu ihrer Schwester, die auf dem anscheinend wunderbaren Planeten Rhea lebt. Ein Öko-Kollaps hat die Erde unbewohnbar gemacht, die Menschen wurden wegtransportiert, und in inzwischen hoffnungslos überfüllte Raumstationen geschafft. Die Reise und der Aufenthalt auf Rhea sind zwar verlockend, aber teuer. Aus diesem Grund heuert Laura auf dem heruntergekommenen Frachter "Kassandra" an. Dort wird Ware in die Zone 42 transportiert. Vier Jahre hin, vier Jahre zurück, wobei die Crew die meiste Zeit im Kälteschlaf verbringen soll.

Unter der Führung von Kapitän Lacroix (Pierre Semmler) hat sich die Crew der Kassandra versammelt. Der weibliche erste Offizier Lindbergh (Regula Grauwiler), zwei Techniker (Claude-Oliver Rudolph, Michael Finger), eine Computerdame (Yangzom Brauen) und der Skymarshall Decker (Martin Rapold) begleiten unsere Ärztin in den nächsten Jahren. Die Crew wird in Tiefschlaf versetzt und die Zeit vergeht.

CARGO

In der Zukunft gibt's keine Rasierklingen

Als Laura ihre Wachschicht übernehmen soll, die ein paar Monate dauert, macht sie ein paar seltsame Entdeckungen. Sie hat das Gefühl, in diesem riesigen Raumschiff nicht alleine zu sein und beginnt die Crew zu wecken. Es beginnen Untersuchungen, die gar Grausiges ans Tageslicht führen. Nicht nur, dass Mitglieder der Mannschaft offensichtlich mit falschen Karten spielen, nein, Laura ist sich inzwischen sicher, dass sie nicht alleine an Bord sind. Spätestens bei den ersten Todesfällen merkt auch der Letzte, dass die Dame absolut Recht hat...


Kinofilm-Rating

Neun Jahre sind vergangen, seit sich die Verantwortlichen von Cargo an die Produktion des ersten Schweizer Science-Fiction-Filmes gemacht haben. Mit Hilfe von Sponsoren und Unterstützungsgeldern und natürlich viel Enthusiasmus ist der Film nun abgeschlossen und kann dem Publikum gezeigt werden. Und was die Macher mit dem geringen Budget auf die Beine gestellt haben, ist wahrlich respektabel. Doch ist Cargo wirklich der angekündigte "Meilenstein der Schweizer Filmgeschichte"?

Was erstmal positiv auffällt, ist die Machart und die Umsetzung der Bilder. Da wähnt man sich anfänglich einer grossen Hollywoodproduktion, die Aufnahmen sind geglückt, die Effekte beeindruckend. Zwar werden bereits hier einige Szenen zu sehr in die Länge gezogen, aber am Anfang des Films kann man gut damit leben. Leider zeigt Cargo dann seine Schwächen, wenn es darum geht, eine spannende Story zu erzählen und durch tiefergehende Charaktere zu punkten. Wer nämlich eine Geschichte erwartet, die einem atemlos im Stuhl sitzen lässt, Schreckmomente bietet und auf den Spuren von Alien wandelt, wird schon nach kurzer Zeit relativ brutal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Erinnerungen an das langweilige Solaris werden wach, wenn es auf der Leinwand knorzt und scheppert, ohne dass wirklich irgendwas passiert. Anna-Katharina Schwabroh tut sich entsprechend schwer, ihre Rolle kommt einfach nicht vom Fleck, sie muss sich durch dunkle Gänge bewegen und der Zuschauer wartet... und wartet... und wartet noch immer, bis die Action, der Thrill und die Spannung auf der Leinwand doch endlich mal losgehen möge. Leider bleibt man mit diesem frommen Wunsch unbefriedigt im Kinosaal sitzen und kann sich höchstens an den tollen SFX-Aufnahmen ein bisschen ergötzen.

Schauspielerisch wird TV-Durchschnittskost geboten. Die Charaktere bleiben durchgehend an der Oberfläche, und was genau mit den Verpflichtungen von Gilles Tschudi und Claude-Oliver Rudolph bezweckt werden wollte, ist unverständlich. Ersterer wird vollkommen verheizt und ist eigentlich viel zu gut für eine solche Produktion. Das hat er schon mehrfach bewiesen. Hier hat er nur gefühlte zehn Sekunden Leinwandpräsenz. Die Sätze des deutschen Schauspielers Rudolph kann man ebenfalls an einer Hand abzählen

Fazit: Cargo ist visuell (also dann, wenn die Handlung nicht im Dunkeln oder in den feuchten Gängen des Schiffs spielt) total gelungen. Da punktet der Film und macht uns Schweizer schon ein bisschen stolz. In Sachen Storyline und Spannung reicht halt eine Viertelstunde kurz vor Schluss des Ganzen nicht aus, um aus Cargo einen guten Film zu machen. Im Gegenteil, durch die Überlänge (30 Minuten weniger wäre besser gewesen) und die fehlende Intensität der Geschichte wird aus dem erwarteten "Meilenstein" ein Knorzfilm, der extremes Sitzfleisch erfordert.

3.5 Sterne
3.5 Sterne (68 Bewertungen) | 92 Kommentare

2.52.5
10.09.2009 / muri