Brothers (2009)

Brothers (2009)

Oder: Remake Nr. 20'000

Brothers

Gruppenkuscheln als Tagesbefehl.

Sam (Tobey Maguire) und Tommy (Jake Gyllenhaal) sind Brüder, die unterschiedliche Lebenswandel führen. Familienvater Sam ist mit Grace (Natalie Portmann) verheiratet und brachte es in der Armee zum Hauptmann - sehr zum Stolz seines Vaters (Sam Shepard). Tommy hingegen ist das schwarze Schaf der Familie, das kurz vor Sams nächstem Afghanistan-Einsatz aus aus dem Gefängnis entlassen wird. Beim letzten gemeinsamen Abendessen kommen die Konflikte zwischem dem Vater und Tommy erneut zum Vorschein.

Brothers

Wir basteln uns einen Ersatzpapi aus Schnee.

In Afghanistan wird Sams Helikopter von den Taliban abgeschossen. Er überlebt zwar, wird aber mit einem weiteren Soldaten gefangen gehalten. In den USA trauern Grace und seine Töchter um den vermeintlich gefallenen Ehemann und Vater. Über die Monate ohne Sam wird Tommy für Sams Töchter Isabelle (Bailee Madison) und Maggie (Taylor Grace Geare) so etwas wie der Ersatzvater. Und er renoviert mit ein paar Kumpels die unpraktisch gewordene Küche von Grace. Zwischen ihm und Grace beginnt es dabei auch zu knistern. Doch dann wird Sam befreit und kann zurückkehren. Wieder in den USA, riecht er den Braten, hat aber auch mit einem traumatischen Erlebnis aus seiner Gefangenschaft zu kämpfen. Deshalb entfremdet er sich von Grace, Isabelle und Maggie immer mehr.


DVD-Rating

Amerikanische Kinogänger lesen bekanntlich mehrheitlich ungern Untertitel und drehen Filme lieber gleich auf englisch nach. Bei Susanne Biers dänischem Drama Brødre macht dies sogar Sinn: Denkt man an Soldaten in Afghanistan, nennt man Amerikaner bestimmt vor Dänen. Und auch sonst gilt hier die Aussage: Das Original ist nicht immer besser, denn Regisseur Jim Sheridans Version hat schönere Bilder und bessere Darsteller, doch leider auch dieselben Probleme wie das Original.

Schon in Sheridans früheren Filmen stand die Familie im Mittelpunkt, und auch in Brothers spielt diese die Hauptrolle. Die Szenen zuhause im winterlichen Amerika sind wunderschön inszeniert. Sheridans Farbpalette ist wunderbar filmisch und ein starker Kontrast des staubigen Afghanistan im Film. Die Beziehung der Töchter zu ihrem Onkel als Ersatzvater ist gleichzeitig anrührend und tieftraurig. Bailee Madison spielt die älteste Tochter Isabelle, die am meisten unter der Situation zu leiden scheint, und braucht sich schauspielerisch nicht vor ihren erwachsenen Kollegen zu verstecken. Dieses Mädchen ist wahrhaftig eine Entdeckung. Jake Gyllenhaal hat als Charmeur wohl die einfachste Rolle, während Tobey Maguire eindrücklich beweist, dass er ein unterschätzter Schauspieler ist. Die komplexen Szenen nach seiner Rückkehr zwischen ihm und der ebenfalls guten Natalie Portman bewegen und stimmen nachdenklich.

Wie im Original sind es die Afghanistan-Sequenzen, die den Film wieder ein ganzes Stück nach unten drücken. Die eindimensionalen Antagonisten und die klischierten Gefangenenlager-Szenen hätte man sich nun wirklich sparen können. Zwar ist der Kontrast zwischen Sams verzweifelter Situation und Tommys langsamer "Übernahme" von dessen Familie wirkungsvoll, doch unnötig. Wir brauchen Sams Geschichte nicht zu sehen, da sie sich nach der Rückkehr in Tobey Maguires Gesicht abzeichnet, was viel beeindruckender ist. So wäre etwas mehr Zeit mit der Familie bestimmt besser gewesen, und man hätte sogar noch einiges an Budget einsparen können. Ein weiterer Minuspunkt ist die schrecklich sentimentale Musik von Thomas Newman. Das nervige Gitarrengeplänkel scheint aus einem anderen Film zu stammen als die Bilder, die es begleitet.

Brothers ist ein Schauspielerfilm und als solcher auch erfolgreich. Die Familiendynamik und die letzte halbe Stunde sind mitreissend und spannend, während Szenen des Krieges die Story immer wieder bremsen. Dank den Darstellern und Sheridans Regie lohnt es sich dennoch, eher dieses Remake anzuschauen als das optisch hässliche Original.

Die Bildqualität der DVD weiss zu gefallen. Der Transfer ist unglaublich filmisch und der Quelle getreu, dass man hier ohne zu zögern die Höchstwertung vergeben darf. Die Heimkinoanlage ist nicht gerade gefordert, doch die Dialoge sind klar und die Umgebungsgeräusche gut im Raum verteilt. Die Scheibe beinhaltet nebst dem Trailer und dem Audiokommentar leider nur zwei ungefähr viertelstündige Features. Im einen wird über den dänischen Film gesprochen, im anderen über Jim Sheridans Faszination für das Thema Familie. Beide sind, gelinde gesagt, langweilig.

4.4 Sterne 4.4 Sterne
4.4 Sterne (46 Bewertungen) | 1 Kommentar

3.53.5
13.07.2011 / rm (Inhalt), ma (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 06.10.2011

  • Bildformat: Widescreen (2.40:1)
  • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1); Englisch (5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audiokommentar mit Regisseur Jim Sheridan; Remade in the USA: How Brødre became Brothers; Jim Sheridan: Film and Family; Trailer