The Box (2009)

The Box - Du bist das Experiment

The Box (2009) The Box - Du bist das Experiment

Oder: Die Qual der Wahl

The Box

"Drückst du oder ich?"

Richmond (Virginia) 1976: Das junge Ehepaar Lewis staunt nicht schlecht, als eines Morgens eine geheimnisvolle Box auf der Treppe vor seinem Haus abgeliefert wird. Die angebrachte Notiz verrät, dass sich der Absender am nächsten Tag melden werde. Während Ehemann und NASA-Ingenieur Arthur (James Marsden) nicht sonderlich daran interessiert ist, was sich hinter diesem Scherzartikel verbirgt, erhält Norma (Cameron Diaz) tatsächlich Besuch von einem Mann (Frank Langella) mit enstelltem Gesicht.

The Box

"Hallo? Ist hier das Sorgentelefon?"

Der Unbekannte stellt sich vor als Arlington Steward und hat ein Angebot für sie: Drückt Norma innerhalb von 24 Stunden den auf der Box angebrachten Knopf, erhält die junge Familie eine Million Dollar. Zugleich wird aber ein Mensch, den sie beide nicht kennen, sterben. Würden sie die Polizei einschalten, werde das Angebot zurückgezogen. Norma bespricht es mit Arthur, der die ganze Geschichte mehr denn je als üblen Scherz abtut. Erst, als beide sich anhand ihrer finanziellen Lage gezwungen sehen, den Knopf in letzter Minute doch zu drücken und das Geld zu erhalten, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Schon bald ereignen sich merkwürdige Geschehnisse und lassen das Ehepaar von Tag zu Tag mehr an seiner Entscheidung zweifeln...


Kinofilm-Rating

Richard Kelly, der Mann hinter Donnie Darko und dem von den Kritikern zerrissenen Southland Tales, vertraut in seinem dritten Werk erstmals einem "fremden" Stoff. Die Kurzgeschichte "Button, Button" von Steve Matheson aus dem Jahr 1970 diente bereits als Vorlage für eine Episode der kultigen TV-Serie The Twilight Zone. Kelly bediente sich ausschliesslich der Ausgangslage und schrieb seinem Stil entsprechend das Drehbuch selber. Das Resultat ist faszinierend und rätselhaft zugleich.

The Box dümpelt nicht lange vor sich hin, sondern beginnt sofort mit dem Ereignis, das unsere Hauptfiguren in eine missliche Lage versetzt. Cameron Diaz und James Marsden wirken als Ehepaar etwas zu kameradschaftlich; man wird sie definitiv nicht als Leinwandpaar des Jahres prämieren. Viel interessanter agieren sie aber als individuelle Charaktere, die unabhängig von einander auf der Suche nach der Wahrheit langsam in Wahn und Paranoia versinken. Und da liegt die Stärke von The Box: Kelly schnappt sich eine grosse Portion Mystery und verteilt diese gekonnt wie ein Puzzle über dem ganzen Film, immer an der richtigen Stelle im richtigen Mass. Anstatt die Story in die heutige Zeit zu verlegen, bleibt er der Vorlage treu und platziert sie im Jahr 1976, als 1 Million Dollar noch viel Geld, die Tapeten bunt und die Koteletten lang waren - akribisch genau in Szene gesetzt. Der wirklich phänomenale Soundtrack à la Hitchcock setzt The Box aus künstlerischer Sicht die Krone auf.

All diese Elemente plus der Auftritt von Frank Langella als mysteriösem Mr. Steward lassen The Box wie Gold glänzen - zumindest in der ersten Hälfte des Filmes. Bereits in der Mitte werden einige Fragen beantwortet, die Fäden zusammengeführt und somit zahlreiche Hirngespinste des Zuschauers eliminiert. Hier verliert der Sci-Fi-Thriller etwas an Originalität. Einige visuelle Elemente, die man zwar als Kelly-Fan bestens kennt, könnten für andere befremdlich wirken und den Film in ein Genre rutschen lassen, das man anfangs nicht erwartet hätte. Aber gerade diese offensichtlichen Parallelen zu seinen Vorgängern zeichnen Kellys faszinierenden Stil aus. Zum Schluss überzeugt The Box mit dem moralischen Konflikt: Würde ich den Knopf drücken, um zwar reich zu werden, dafür aber ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben? Damit spielt der Film gekonnt, mal offensichtlich, mal perfid und regt ganz Kelly-like auch nach den Endcredits zu Diskussionen an.

Fazit: The Box ist ein Mix aus klassischem Thriller und Sci-Fi, in interessantem Stil in Szene gesetzt und mit einem preisverdächtigen Soundtrack versehen. Die Geschichte um die" Box" und ihr Geheimnis lässt den Zuschauer ungeduldig zappeln und nägelkauend auf die Lösung bangen. Es lohnt sich trotz kleinen Makeln, zu verharren und sich der "Box" und der erschreckenden Moral hinter diesem Film bedingungslos hinzugeben.

3.1 Sterne
3.1 Sterne (63 Bewertungen) | 14 Kommentare

4.54.5
08.01.2010 / woc