The Blind Side (2009)

The Blind Side (2009)

Oder: Sandra Bullockovic

The Blind Side

Ein Bild, vier Young Boys.

Michael Oher (Quinton Aaron) ist ein dicklicher Junge mit langer Heimkarriere. Er lebt quasi auf den Strassen von Memphis und kommt nur in eine christliche Privatschule, weil man in ihm sportliches Potential erkennt. Intellektuell sieht's bei ihm wesentlicher schlechter aus, was die einen Lehrer auch zur Verzweiflung treibt. Aber "Big Mike", wie in jeder nennt, hat ein grosses Herz. Schulkamerad SJ (Jae Head) ist der erste, der dies bemerkt. SJs Mutter Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock) wundert sich zuerst noch über den farbigen Kollegen des Sohnemanns. Als sie ihn aber kurz vor Thanksgiving schlotternd am Strassenrand entdeckt, entschliesst sich das resolute Vorstadthousewife, den Hünen bei sich und ihrer Familie aufzunehmen.

The Blind Side

Grün ist die Hoffnung.

Ihr Gatte (Tim McGraw) kann nicht viel sagen, denn wenn sich Leigh Anne mal etwas in den Kopf gesetzt hat, wird es auch durchgezogen. So wird Michael bald Teil der Familie Tuohy, bekommt sein erstes eigenes Bett und anständige Kleider. Die schulischen Leistungen werden besser, weil man erkennt, dass sich hinter der Leseschwäche doch ein schlaues Kerlchen verbirgt. Und um seinen Notenschnitt auf akzeptable Werte zu hieven, engagiert Leigh Anne eine Nachhilfelehrerin (Kathy Bates). Denn bald ist klar: Michael hat das Zeug zum Football-Starspieler. Grösser als 190? Mehr als 100 Kilo Kampfgewicht? So stellt man sich einen ordentlichen left tackle vor. Sobald Michael die Spielregeln gecheckt hat, eine Sache, die ihm Leigh Anne gern bildlich übermittelt, werden die Talent-Scouts der NFL Schlange stehen bei den Tuohys, um deren schwarzen Adoptivsohn zu umwerben.


Kinofilm-Rating

The Blind Side beginnt mit einer Erklärung, warum der left tackle im American Football so wichtig ist, und endet mit dem NFL-Draft von 2009, wo gerade der 23. Spieler gepickt wird. Kein Wort verstanden? So geht es wohl den meisten Schweizerinnen und Schweizern. Darum haben es Football-Filme auch immer etwas schwierig in den hiesigen Kinos und werden nur selten kommerziell ausgewertet. Ein Oscar für Sandra Bullock kann dies aber schnell ändern. Wegen ihr kommt die wahre Geschichte von Michael Oher, der heute in der NFL bei den Baltimore Ravens spielt, nun doch noch in die Kinos.

Der Football-Aspekt ist nicht das einzige sehr US-Amerikanische am Film: Ethnisch null durchmischte Quartiere in Memphis. Fundamentale Christen. Mit Tim McCraw ein sehr bekannter Country Sänger und der Mann von Faith Hill in einer Nebenrolle. Die Marginalisierung der demokratischen Partei im Süden des Landes. Taco-Bell-Franchisen. Alles nicht unbedingt die Themen, die den Mitteleuropäer gross interessieren.

Wenn da nicht Sandy wäre. Blondiert, vorlaut, dickköpfig und immer sexy, spielt Bullock eine resolute Innenarchitektin. Dank der Fast-Food-Kette ihres Mannes hat sie ausgesorgt und kann sich auf Lebzeiten den zum beigen Farbton ihres Deux-Pièces passenden BMW leisten. Aber sie will mehr: vielleicht spirituell, vielleicht aber auch nur für das Football-Team, für das sie am liebsten fant - der Film ist in dieser Hinsicht etwas geheimnistuerisch. Mit dem Südstaaten-Akzent, ihrer gewinnenden Art und der Verarsch-Mich-Nicht-Attitüde erinnert Bullock dabei nicht zufällig an die Rolle, welche einem anderen weiblichen Hollywood-Darling bereits den langersehnten Oscar einbrachte: Erin Brockovich alias Julia Roberts. Auch diese Dame gab es wirklich.

The Blind Side ist ein ein Crowdpleaser mit einer nuanciert agierenden Sandra Bullock, deren Oscar-Spienzeleien sich gelohnt haben. Ultramerikanisch zwar, aber mit seiner erbauenden Botschaft und der geradlinigen Inszenierung doch universell verständlich: Der Amerikanische Traum steht allen offen, solange man nur die richtigen Sponsoren mit genügend Kohle trifft.

4.2 Sterne
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24.03.2010 / rm