Béjart: The Show Must Go On (2009)

Béjart: The Show Must Go On (2009)

Oder: Immer in Bewegung bleiben

Béjart: The Show Must Go On

Feedback von Gil Roman

Am 22. November 2007 stirbt mit Maurice Béjart einer der bekanntesten Ballettchoreographen der Gegenwart. Sein "Béjart Ballet Lausanne" gehört seit Jahren zu den wichtigsten Institutionen der Waadtländer Haupstadt und ist eine Tanzkompanie von hohem internationalem Renommee. Des Meisters Lieblingsschüler, der Tänzer Gil Roman, übernimmt fortan die Leitung. Grosser Druck lastet auf ihm, besitzen die Arrangements von Maurice Béjart doch eine ganz eigene, unverkennbare Handschrift.

Béjart: The Show Must Go On

Ballett: Hochleistungssport

Roman beschreitet den schmalen Grat, selber eine Choreographie zu entwerfen, ohne sich zu weit von Béjarts Stil zu entfernen. Zuerst aber muss er die Tänzerinnen und Tänzer neu motivieren und zu einer Einheit formen. Die Truppe verspürt jedoch schon ihrerseits eine natürliche Verpflichtung gegenüber dem Schaffen des Meisters. Sie trainiert mit voller Hingabe auf die näherrückende Show, aber vor allem auf ein überragendes Ziel hin: Béjart in ihren Bewegungen weiterleben zu lassen.


Kinofilm-Rating

Eine Kompanie verliert ihren Mentor, ihre Lichtgestalt und somit, so könnte man denken, auch ihr künstlerisches Kapital. Das dem nicht so ist, beweist und die spanische Regisseurin Arantxa Aguirre in ihrem einnehmenden Dokumentarfilm Béjart: The Show must go on. Zentrale Person ist dabei nicht Béjart selbst, sondern Gil Roman, der sein Vermächtnis weiterführt. Leiden und Leidenschaft wechseln sich ab in den Gesichtsausdrücken von Roman, der augenscheinlich mit jeder Faser für das Ensemble lebt.

Von der Faszination und Hingabe zum Tanz lebt der Film. Er macht die Entbehrungen wie auch die Faszination dieser Ausdrucksart fassbar, lässt den Druck spüren, unter dem alle Protagonisten stehen. Der ist nicht nur künstlerischer Natur: Bereits am Anfang wird erwähnt, dass die Kompanie mit Subventionen für lediglich die nächsten drei Jahre gesichert ist. Getanzt wird also, so agonistisch das auch klingen mag, ums Überleben.

Richtig entschieden hat sich Aguirre, Béjarts Biografie auszuklammern. Zwar würde man gerne mehr als ein paar Eckdaten über diesen grossen Mann und sein Werk erfahren. Doch gleichzeitig wird schnell klar, dass dieser Film sich auf das Ensemble in der Zeit nach Béjart fokussiert, und somit die geschichtliche Komponente, ausser einigen älteren Bild- und Tonaufnahmen, eine herabgesetzte Rolle spielt. Diese wenigen Versatzstücke genügen, um Béjart stets präsent zu halten.

Béjart: The Show must go on ist so ein wunderbarer Film über die Schönheit des Tanzes, und erst dann eine kleine Laudatio an den Meister selbst. In seiner reduzierten Machart schafft es das Werk, sich nie Thema über das Thema zu stellen. Und das macht gute Doku-Filme eben auch aus.

4.5 Sterne
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29.09.2009 / uas