La Barbe bleue (2009)
La Barbe bleue (2009)
Oder: Das kenn ich doch irgendwoher...
Zwei kleine Mädchen krabbeln auf einen Dachboden und finden dort ein Märchenbuch. Die kleinere liest der grösseren Schwester daraus das Märchen "Blaubart" von Charles Perrault vor. Darin geht es um die Schwestern Anne (Daphné Baïwir) und Marie-Catherine (Lola Creton), die aus der Klosterschule weggewiesen werden, als ihr Vater unerwartet stirbt. Da er ihnen nur Schulden hinterlässt, beginnt für die beiden und ihre Mutter eine Zeit der finanziellen Not und des Bangens. Da lädt ein reicher Baron (Dominique Thomas) alle jungen Damen der Region auf ein Fest ein, denn er will sich eine neue Braut suchen. Über den massigen Mann werden schlimme Geschichten erzählt: Er soll einen blauen Bart haben, und er war schon viele Male verheiratet - seine jungen Frauen haben aber die seltsame Angewohnheit, schon bald zu verschwinden.
Die jüngere Schwester, Marie-Catherine, hat es dem Baron bald angetan, und kurz darauf wird geheiratet. Von nun an lebt sie in Saus und Braus, denn der sanftmütige Baron liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab und lehrt sie neue Dinge über die Welt. Vor einer Sache warnt er sie jedoch mit Nachdruck: Sie darf ihn niemals anlügen...
Kinofilm-Rating
Mit Märchen ist das so eine Sache. Fast jeder kennt sie, und verfilmt werden sie am laufenden Band. Da etwas Neues auf die Leinwand zu bringen, kann zur anspruchsvollen Aufgabe werden. Wenn der Name von Regisseurin Catherine Breillat (A ma soeur!), die für ihre umstrittenen und provokativen Filme um Frauen und Sexualität bekannt ist, auf eines der blutigsten Märchen in europäischen Kinderstuben trifft, sollte eigentlich etwas Spezielles, Aufwühlendes zu erwarten sein. Auf wirklich Neues erwartet man bei ihrer Blaubart-Adaption aber leider vergebens.
Breillat erzählt die Geschichte um den berühmten Frauenmörder Blaubart auf zwei Ebenen: Das eigentliche Märchen um die beiden Schwestern und den reichen Baron, der die Ehrlichkeit seiner Frauen testet und die ertappten Lügnerinnen dann kaltblütig ermordet, ist in altmodischen Bildern und Farben gehalten. Das Ganze erinnert an Märchenfilme aus den Sechzigern und Siebzigern, nur dass es hier noch viel ernster und langatmiger zugeht. Teilweise wird das Geschehen durch Humor aufgelockert, etwa wenn der fette Blaubart wiederholt die vielen Treppen des Turmes rauf und runter hecheln muss, um die letzten Wünsche seiner Frau zu erfüllen, bevor er sie endlich ermorden darf. Die betonte Künstlichkeit der ganzen Erzählung ist bestimmt vollends beabsichtigt, letztlich wird daraus aber nichts gemacht, denn auch der abrupte Schluss kann weder schockieren noch verstören und lässt die Zuschauer eher mit einem leisen Gähnen im Kinosessel zurück.
Als viel unterhaltsamer als die Märchenerzählung erweist sich da die Rahmenhandlung um die beiden Mädchen, die in ihrer Lektüre immer wieder innehalten und die Geschehnisse altklug und einfallsreich kommentieren. Es sind diese Szenen und der Vorgang des Erzählens an sich, die den eigentlichen Kern des Films ausmachen. Wenn etwa Blaubarts junge Frau neugierig in die Kammer mit den toten Bräuten des Barons eindringt, tapst nicht die Märchenfigur, sondern die kleine Vorleserin auf dem blutbeschmierten Boden herum. Dies, und auch der Schluss, wo das erwartete Märchengrauen in die reale Erzählebene überschwappt, lässt darauf schliessen, dass es mehr Breillats Absicht war, die Natur des Erzählens an sich filmisch festzuhalten, als bloss eine Märchengeschichte zu erzählen.
Fazit: La Barbe Bleue ist ein bieder erzählter und altmodisch inszenierter Märchenfilm, der einzig durch die Einschübe der Erzählsituation ein bisschen interessant wird. Im Zentrum steht weniger das Märchen selbst als der Vorgang des Erzählens. Dass das Märchen am Schluss ohne wahres Ende bleibt, ist symptomatisch für den ganzen Film, denn der wahre Schrecken des Filmes lauert in der Realität, wo nicht nach Märchenschema alles einfach aus Prinzip gut ausgehen muss. Das ist eine durchaus interessante Idee, die langen, unspektakulären Märchenpassagen, die man bis zu dieser Einsicht erdulden muss, sind den Zeitaufwand aber nur bedingt wert.
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