Baba's Song (2009)

Baba's Song (2009)

Oder: Sing, Brüderlein Sing!

Baba's Song

Schau mal, meine neuen Drums!

Der Strassenjunge Jo (Joseph Pamfo) trifft in einem der vielen Flüchtlingslager auf einen stummen Jungen, der nicht ins Bild passt. Spontan gibt er ihm den Namen Baba (Sila Bakali) und büxt mit ihm aus dem Lager aus. Auf ihren Reisen haben sie darauf eine klare Rollenteilung. Während Baba eher mitleidig daneben steht, übernimmt Jo mit seinem grossen Mundwerk alles Reden und handelt so manchen lukrativen Deal aus. Was Jo zu dem Zeitpunkt aber noch nicht weiss: Baba ist alles andere als stumm, nur hat er seit dem Tod seiner Eltern kein Wort mehr gesprochen. Da es in seinem Dorf zudem nicht mehr genügend Essen hatte, wurde er danach gleich in ein unsauberes Waisenhaus abgeschoben, wo er es aber nicht lange ausgehalten hat. Deshalb ist er bald darauf geflohen und ist nach einer langen Wanderung in das Lager gekommen, wo er dann auf Jo getroffen ist.

Baba's Song

Kumbayaaa my Lord, kumbayaaa

Auf ihrer Reise geraten die beiden Jungen in verschiedene Abenteuer, werden von der Polizei erwischt oder ziehen mit einer kleinen Strassenkapelle mit. So entwickelt sich langsam Babas Liebe für die Musik, und so kommen sie auch mit Ben Michael - einer der grössten Musikstars des Landes - in Kontakt. Als Baba dann bei einem der weiteren Treffen plötzlich zu singen anfängt, ist Ben sofort von dem Jungen begeistert und will ihm helfen, indem er ihn auf seine Tournee mitnimmt. Doch da holt Babas Vergangenheit ihn ein, denn kurz bevor er abgehauen ist, wollte ihn der Heimleiter des Waisenhauses (Gilles Tschudi) an Paula (Franka Potente) und ihre Partnerin (Sabina Schneebeli) verkaufen. Der will den Jungen jetzt natürlich zurückhaben. Wie wird sich Babas Schicksal entwickeln? Wird er als Ersatzkind in Europa enden oder wird er als Sänger die Massen begeistern?


Kinofilm-Rating

Die Geschichte von Baba's Song beginnt damit, dass Regisseur Wolfgang Panzer ursprünglich nach Afrika reiste, um da eine TV-Produktion zu unterstützen. Dabei traf er auf den Strassenkünstler Sila Bakali (Baba) der in den Strassen Malawis bereits eine Grosszahl von Menschen begeisterte, von denen auch schon viele die Songs kannten, welche er selber komponiert hatte. Später kam Joseph Pamfo (Jo) hinzu, den Panzer bei einer anderen Produktion traf und der in Afrika schon damals zu den Berühmtheiten gehörte. Mit diesen beiden und mit der Unterstützung von Ben Michael formte sich langsam das Projekt, das jetzt unter dem Titel Baba's Song am internationalen Filmfestival von Locarno 2009 die Premiere feirte.

Im Grunde genommen ist Baba's Song ein Buddy-Road-Movie von Jo und Baba, bei dem Jo nicht nur einen Grossteil des Sprechens übernimmt, sondern auch gleichzeitig der Erzähler ist und zu Beginn des Films auch noch die Geschichte von Baba für den Zuschauer aufrollt. Das gibt dem Film schon von Anfang an eine kindliche Unschuld, die es auch ermöglicht, selbst an sich tragischen Szenen einen leichtverdaulichen Touch zu geben, damit man sich auch daran unterhalten kann. Überhaupt schafft es Panzer durch Jos loses Mundwerk, immer wieder für Lacher zu sorgen, denn die geführten Dialoge sind zum Teil einfach köstlich, und selbst wenn einiges wohl real nicht so abläuft, sorgt es oft für sehr amüsante Szenen.

Ein weiteres tragendes Element im Film ist die Musik. Durch den ganzen Film werden immer wieder Ausschnitte von einem Konzert hineingeschnitten, an dem unter anderem auch Ben Michael und Sila Bakali aufgetreten sind. Damit können nicht nur einige zum Teil sehr düstere Momente wieder etwas aufgelockert werden, es ergibt sich auch ein grosser Handlungsbogen, da dort Baba am Ende seines langen Weges seinen grossen Auftritt hat. Damit und mit den beiden grossartig spielenden Jungen hätte man ohne weiteres den ganzen Film füllen können. Deshalb wirkt der Subplot mit dem Waisenhaus und den beiden Europäerinnen, an die Baba verkauft werden soll, beinahe bemüht und deplatziert. Doch wenigstens wird dieser am Ende sauber abgeschlossen.

Fazit: Baba's Song ist eine farbige, spannende und vielseitige Reise in ein Land, das vor Madonnas Adoption zweier Kinder wohl kaum jemand kannte und das auch zu den ärmsten des Kontinenten gehört. Dabei gelingt es Regisseur Wolfang Panzer auch mit Hilfe der Musik, sehr gut die Balance zwischen der desolaten Lebenssituation und viel Situationskomik sowie grossartigen Dialogen zu finden, welche die beiden Jungen einfach sympathisch machen. Ein Film der definitiv einen Blick wert ist.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (10 Bewertungen) | 2 Kommentare

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13.08.2009 / db