Baarìa - La porta del vento (2009)

Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte

Baarìa - La porta del vento (2009) Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte

Oder: Lieben, Leben und Politisieren in Sizilien

Baarìa - La porta del vento

"Sind wir schon da?"

Giuseppe (Francesco Scianna), von allen nur Peppino genannt, entdeckt sein Interesse an der Politik bereits in jungen Jahren. Verschiedenen Ungerechtigkeiten ausgesetzt, findet er im Kommunismus sein Mittel, um die Welt zu verbessern. Währenddessen wächst die schöne Mannina (Margareth Madè) in armen Verhältnissen auf. Als sich die beiden bei einem Ball begegnen, verlieben sie sich ineinander.

Baarìa - La porta del vento

Proben für Italian Riverdance

Doch ihre Beziehung wird nicht gutgeheissen: Peppinos politische Einstellung gefällt Manninas Eltern nicht, und so versprechen diese ihre Hand einem wohlhabenden Mann. Doch so leicht lässt sich Peppino nicht ins Abseits stellen...


Kinofilm-Rating

Mit Baarìa beschert uns Regisseur Giuseppe Tornatore (Nuovo Cinema Paradiso) ein zweieinhalbstündiges Kunstwerk: herrliche Bilder, gewaltige Landschaften, grandiose Hauptdarsteller und zur Krönung die Musik von Ennio Morricone, die schlicht und einfach umhaut.

Tornatore führt den Zuschauer durch drei Generationen einer Familie von den Dreissiger- bis zu den Sechzigerjahren. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Mannina und Giuseppe, gespielt von Margareth Madè und dem italienischen Richard Gere-Double Francesco Scianna. Die beiden Jungschauspieler harmonieren sichtlich gut und geben auf der Leinwand ein schönes Paar ab. Auch bei der restlichen Besetzung gibt es nichts zu meckern, besonders die Kinder beweisen Talent. Tornatore konnte sogar einige Stars des italienischen Kinos für kleine Gastauftritte aufs Boot holen, darunter Monica Bellucci (Malena), Raoul Bova (Under the Tuscan Sun) und Michele Placido (La Piovra). Bei rund 200 Schauspielern verliert der Zuschauer jedoch ab und zu den Überblick.

Nebst der Familiengeschichte steht auch der Ort Baarìa (sizilianischer Name: Bagheria) im Fokus. Unter riesigem Aufwand wurde das alte Bagheria nachgebaut. Die Dreharbeiten fanden zwischen Sizilien und Tunesien statt. Nice to know: Tornatore und Hauptdarsteller Scianna wurden beide dort geboren. Die Geschichte ist aber nicht autobiografisch, wie Tornatore beteuert. Herrlich anzuhören ist der sizilianische Dialekt, der auch massgebend dazu beiträgt, die Atmosphäre von damals heraufzubeschwören. Und Morricones Musik sorgt für Gänsehaut und die passende Stimmung.

Tornatore nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch seine Kindheitsorte und erzählt eine Geschichte, die mal lustig, mal melancholisch und mal traurig ist, zwischendurch sogar mit gar fantastischen Ereignissen gespickt ist. Der Film hat im zweiten Drittel einen kleinen Hänger, erholt sich aber recht schnell wieder. Über den Schluss kann man streiten, zumal er relativ offen ist. Dies aber vermutlich beim mehrmaligen Schauen etwas klarer.

Fazit: Baarìa ist mit 150 Minuten Spiellänge ein Quäntchen zu lange geraten, gewinnt aber die Zuschauer mit schönen Bildern, einer riesigen Schauspielertruppe und grossartiger Musik für sich. Fans von Nuovo Cinema Paradiso könnten an Baarìa ihre Freude haben. (Süd-)Italiener werden entzückt in Erinnerungen schwelgen.

5.0 Sterne
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03.09.2009 / faz