Ajami (2009)
Ajami (2009)
Oder: Völkerzusammensch(l)uss
Es herrscht eine aggressive Stimmung in Ajami, einem Quartier von Tel Aviv-Jaffa, seit der Onkel des 13-jährigen Nasri (Fouad Habash) ein bekanntes Clanmitglied verletzt hat. Nach diesem Ereignis wird die Familie um Nasri zur Zielscheibe von Racheakten. Um das Töten zu beenden, soll die Familie eine Strafe an den Clan zahlen. Nasris Bruder Omar (Shahir Kabaha) versucht das Geld mit dem Verkauf von Drogen zu beschaffen. Wie gut, dass der palästinensische Junge Malek (Ibrahim Frege) bei seinem Freund Binj (Scandar Copti) weisses Pulver gefunden hat. Doch auch Malek und Binj leben nicht sorgenfrei.
Malek ist illegal im Land, damit er schwarz arbeiten kann, um Geld für eine Operation zu beschaffen, die seine Mutter dringend braucht. Binj, ebenfalls ein Palästinenser, möchte zu gerne die Zukunft mit seiner Freundin verbringen - doch sie ist Jüdin. Währenddessen sucht der jüdische Polizist Dando (Eran Naim) nach seinem verschwundnen Bruder. Als man nur noch die Leiche findet, macht er die Araber für das Verbrechen verantwortlich. Eine Konfrontation all dieser Geschichten wird unvermeidlich.
Kinofilm-Rating
Wenn heutzutage im nahen Osten etwas Schlimmes passiert, nimmt der Zuschauer dies nur kurz wahr und vergisst all das Leid nach wenigen Minuten wieder. Denn der Krieg zwischen Israelis und Palästinensern wütet schon seit Jahrzehnten, und deshalb kennt man beinahe nichts anderes aus dieser Gegend. Dass es aber Hoffnung gibt, beweisen die beiden Regisseure Scandar Copti und Yoran Shani. Copti ist arabischer Christ und Shani israelischer Jude. Zusammen haben sie Ajami zuerst geschrieben und dann inszeniert. Auch wenn hinter der Kamera eine Freundschaft zwischen den zwei Konfessionen entstanden ist, zeichnet der fertige Film das harte und bekannte Bild - mit all dem Leid und dem Schmerz. Entstanden ist ein Film, der packender kaum sein könnte.
Dabei haben sich die beiden Regisseure für ihr Drehbuch ein grosses Lob verdient. In fünf Kapiteln verfolgen sie fünf verschiedene Menschen, die alle in der heissen Zone leben. Der grosse Coup dabei ist, dass alle Geschichten miteinander verbunden sind und am Ende ein Gesamtkunstwerk entsteht, das beeindruckend ist. In bester Pulp Fiction-Manier passieren alle Storys in einem gewissen Zeitrahmen. Jede Story hat aber zeitlich ihren eigenen Anfang und auch ihr eigenes Ende. So kriegt der Zuschauer die eine Geschichte zu sehen, um danach einen völlig anderen Blickwinkel auf die eben gesehenen Ereignisse zu erhalten. Nach der dritten Story gibt es zwar keine Überraschungen mehr, was der Spannung nicht gerade gut tut, aber es ist schön zu sehen, wie alles schlussendlich ineinanderpasst. Ebenfalls überzeugend sind die Schauspieler, die alle zuvor noch nie vor einer Kamera gestanden sind, aber spielen, als hätten sie nie etwas anderes gemacht - ganz toll.
Bei fünf verschiedenen Sichtweisen ist es nur klar, dass der Film etwas zu vollgestopft daherkommt, was aber noch verkraftbar ist. Auch hat der Zuschauer oftmals Probleme beim Unterscheiden der Konfessionen. Einen Notizblock dabei zu haben, wäre sicherlich nicht die dümmste Idee, damit man weiss, wer jetzt woran glaubt und wer zu wem gehört.
Fazit: Ajami zeigt ein hartes Bild vom Schmelztiegel der Kulturen im Herzen von Israel. Die Macher ergreifen für niemanden Partei, sondern zeigen alle Sichtweisen auf, damit der Zuschauer für alle Seiten Verständnis aufbringen kann. Dabei wird klar, dass viele Konflikte durch Missverständnisse, fehlende Kommunikation und langjährigen Hass entstehen - auch wenn die meisten nicht mehr wissen, was genau der Auslöser war. Ein wichtiger Film, den man nicht so schnell vergisst und den Beweis erbringt, dass man vom Frieden im nahen Osten wohl immer noch sehr weit entfernt ist.
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