Absolute Evil (2009)
Absolute Evil (2009)
Oder: When I'm Sixty-Four...
Wir schreiben die Siebziger Jahre. Irgendwo im Grenzgebiet zwischen Texas und Mexiko brausen Cooper Lee Baines (Rusty Joiner), genannt "Babyface", und Savannah Miller (Carolyn Neff) in ihrem Cadillac durch die Wüste. Als das verliebte Paar in einem Motel absteigt, lauert ihnen der Cop Ringo (Mark Irvingsen) auf, der Cooper des Mordes beschuldigt und ihn festnehmen will. Mit Hilfe von Savannah schafft es Cooper jedoch, Ringo zu überwältigen und zum Auto zu flüchten. Doch dort lauert ihm ein Unbekannter auf, der ihn mit einem gezielten Schuss niederstreckt.
Zwei Wochen später findet sich genau dieser Unbekannte in einer Hotelsuite wieder, wo ihm die Privatdetektive Beauregard (Christopher Kriesa) und Rick (Ulli Lommel) gewaltsam die Wahrheit über den Tod von Babyface entlocken wollen. Doch vergebens, der Killer verrät nichts - auch nicht über seinen rätselhaften Bandenchef Raf McCane (David Carradine), der am Rollstuhl gefesselt auf seiner Ranch hockt und dort übers Menschsein philosophiert.
Kinofilm-Rating
Viel interessanter als die Geschichte des vorliegenden Films ist diejenige des Regisseurs Ulli Lommel. 1969 spielte dieser in Rainer Werner Fassbinders Debutfilm Liebe ist kälter als der Tod die Hauptrolle. Der Film löste an der Berlinale heftige Kontroversen aus und lancierte Fassbinders Karriere als Filmemacher. Fortan war Lommel einer von Fassbinders bevorzugten Darstellern und versuchte sich gleichzeitig selbst als Regisseur, zum Beispiel 1973 mit Zärtlichkeit der Wölfe, der aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung für einen Skandal sorgte - wiederum an der Berlinale.
1978 wanderte Lommel dann in die USA aus und spezialisierte sich auf Horror-Trash-Streifen von der Kategorie "Direct-to-VHS", beziehungsweise später "Direct-to-DVD". Erst 2004 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, wo er mit Daniel Küblböck (was macht der eigentlich heute...?) Daniel - Der Zauberer drehte und einen weiteren Höhepunkt seines Filmschaffens ablieferte.
Absolute Evil heisst nun sein neuestes Werk, das auch als eine Hommage an Liebe ist kälter als der Tod verstanden werden will. Zeitlich ist das weise geplant, jährt sich doch heuer die Uraufführung von Fassbinders Debut zum 40. Mal. Eine neuerliche Einladung an die Berlinale ist die logische Folge. Geschickt eingefädelt, kann man da nur sagen.
Hat man Lommels Filmographie im Kopf, muss über den Film selbst eigentlich gar nicht mehr viel gesagt werden. Es ist unglaublich schlecht gemachter Trash mit einer hanebüchenen und löchrigen Story, verwackelten Bildern und einem apathischen David Carradine, der nach seinem Kurzzeit-Revival bei Kill Bill 1 und 2 wieder in den Niederungen der C-Movies zu versumpfen droht. Lommel selbst spielt auch mit, die Szenen, in denen er als gesetzter Herr im Grossvateralter einen jungen Killer foltert und dabei selbst mehr zu leiden scheint als der Malträtierte, sind noch die besten in einem Film, der, hätte es nie einen Fassbinder gegeben, wohl auf keiner Kinoleinwand der Welt jemals gelaufen wäre. Für die Unerschrockenheit des mittlerweile 64-Jährigen, auch im Beinahe-Rentenalter noch solchen Kabis zu drehen, gibt's aber wenigstens zwei Troststerne.
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