36 vues du Pic Saint-Loup (2009)
36 vues du Pic Saint-Loup (2009)
Oder: Lass' uns mal wieder in den Zirkus gehen!
Auf einer verlassenen Landstrasse in der Nähe des Pic Saint-Loup, eines Berges in Südfrankreich: Kate (Jane Birkin) ist per Auto unterwegs zu einer Zirkustruppe, der sie vor Jahren mal angehört hat. Da der Gründer und Direktor des Zirkus überraschend verstorben ist, hat sie ihren früheren Gefährten versprochen, vorübergehend wieder bei ihnen einzusteigen. Ihre Reise wird jäh gestoppt durch eine Autopanne. Zum Glück taucht kurz darauf ein attraktiver Italiener (Sergio Castellito) auf. Ohne ein Wort zu sagen, repariert er den Schaden und rauscht in seinem Porsche auf und davon.
Kurze Zeit später in einer nahe gelegenen Kleinstadt, wo die Truppe gerade Tourneehalt macht: Kate trifft wiederum auf den Italiener, der sich nun als Vittorio vorstellt. Sie erzählt ihm von ihrer Tätigkeit und lädt ihn in eine Vorstellung ein. Dort erscheint er auch und findet offenbar Gefallen an den Darbietungen. Jedenfalls besucht er die Zirkustruppe danach immer wieder, freundet sich mit deren Mitgliedern an und wird so langsam selbst ein Teil davon. Doch spürt er auch die Schatten der Vergangenheit, die auf der Truppe lastet. Fasziniert von Kate, versucht Vittorio herauszufinden, was sie damals dazu geführt hat, den Zirkus zu verlassen.
Kinofilm-Rating
Ein Juwel für die einen, ein Horror für die anderen: Die Filme des Jacques Rivette polarisieren. Der mittlerweile 80-jährige Altmeister der französischen Nouvelle Vague ist berühmt-berüchtigt für seine langsamen, handlungsarmen Filme. Seine letzten beiden Werke, L'Histoire de Marie et Julien und Ne touchez pas la Hache mussten regelrecht erduldet werden, denn ein wichtiges Merkmal von Rivettes Filmen ist nicht nur die Handlungsarmut, sondern auch deren monströse Überlänge.
Zumindest dieser Hinsicht gibt's bezüglich seines neuen Filmes frohe Kunde, denn 36 vues... dauert gerade mal 84 Minuten; für Rivette-Verhältnisse also beinahe ein Kurzfilm. Und die Kürze bekommt dem Film durchaus gut: Er verströmt die sommerliche Leichtigkeit einer bittersüssen Liebesgeschichte, ohne unnötigen schweren Ballast. Dazu kommen zwei hervorragende Hauptdarsteller: Jane Birkin als Zirkusartistin mit dunkler Vergangenheit und Sergio Castellito als undurchschaubarer Porschefahrer, der aus dem Nichts in ihr Leben tritt, interagieren ausgezeichnet. Insbesondere Birkin, auch sie mittlerweile eine Ikone des französischen Kinos und Mutter von Charlotte Gainsbourg, versteht das feine Spiel mit Blicken und Mienen ausgezeichnet - weniger ist oftmals mehr, wie sie eindrücklich beweist.
Wenn man die Filmographie von Rivette kennt, weiss man, dass das Theater immer ein wichtiger Teil in seinem Filmschaffen gewesen ist. Hier ist es der Zirkus, der ja selbst auch eine Form von Theater ist. Dementsprechend nehmen die Zirkusszenen einen recht grossen Teil des Films ein, was ihn leider immer wieder ausbremst und nicht recht vom Fleck kommen lässt. Zudem sind die Nebencharaktere neben den beiden Protagonisten etwas flach geraten. Möglicherweise hätten hier noch einige zusätzliche Dialogszenen dem Film nicht geschadet. Ja, ich getrau's mich fast nicht zu sagen, aber vielleicht hätte er noch ein kleines bisschen länger sein können. Aber wirklich nur ein ganz, ganz, ganz kleines bisschen.
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