The Wrestler (2008)

The Wrestler (2008)

Oder: Eins, Zwei, Drei - Vorbei

He-Man lebt!

He-Man lebt!

In den Achtzigerjahren war Randy the Ram (Mickey Rourke) ein Superstar. Kinder spielten mit seinen Actionfiguren, Frauen himmelten ihn an und Männer fürchteten seine grauenvollen Wrestler Moves. Doch dies liegt lange zurück, inzwischen muss er froh sein, wenn er genug Geld aufbringen kann, um die Miete für seinen Wohnwagen zu zahlen. Er verdient sein Geld als Supermarktmitarbeiter und tritt nur noch hin und wieder in drittklassigen und äusserst brutalen Wrestlershows auf. Und seine letzte Hoffnung auf ein furioses Comeback verpufft, als er nach einem blutigen Kampf unter einem Herzinfarkt zusammenbricht.

Die schönsten Pausen sind lila!

Die schönsten Pausen sind lila!

Die Ärzte verbieten ihm, seiner Profession weiterhin nachzugehen, weshalb Randy viel Zeit bleibt, über sein Dasein zu sinieren. Er sucht Zuflucht bei seiner Stammstripperin Cassidy (Marisa Tomei) und entwickelt immer stärkere Gefühle für das reizende Geschöpf. Sie ist es auch, die ihm rät, seine Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood), mit der Randy vor vielen Jahren brach, aufzusuchen und um Vergebung zu bitten. Doch als sie seine Zuneigung nicht zu erwidern scheint, steigt er erneut in den Ring. Denn das Publikum liebt ihn noch immer.


DVD-Rating

Einst war Mickey Rourke ein Sexsymbol. Er vernaschte Kim Basinger in 9 1/2 Weeks und stand in Angel Heart dem Leibhaftigen gegenüber. Danach ging's abwärts. Durch eine misslungene Boxerkarriere wurde sein Poster-Gesicht in Mitleidenschaft gezogen, die Filmrollen blieben aus, und der Mann fand sich ganz unten wieder. Bis er 2008 eine Rolle übernahm, die eigentlich für Nicolas Cage geschrieben worden war: The Wrestler.

Der Wrestlingzirkus wird durch eine einzelne Organisation bestimmt. Die "WWE" füllt Hallen auf der ganzen Welt, deren Stars bewegen sich inmitten der Blitzlichter und sind zu Vorbildern für die Kids geworden. Doch was passiert, wenn der Körper nicht mehr mitmacht? Wenn das Alter nicht mehr zu überspielen ist? Genau, die Kämpfer zehren vom alten Ruhm, kommen nicht vom Business los und müssen irgendwo am Arsch der Welt vor ein paar hundert Zuschauern auftreten. Genau da hört das glamouröse Leben der Superstars auf, und der Blick aufs reale Wrestlingbusiness beginnt. Regisseur Darren Aronofsky hat diese Situationen aufgenommen und präsentiert mit The Wrestler ein beeindruckendes Portrait eines solchen in die Jahre gekommenen und kaputten Stars, der in der Vergangenheit eine grosse Nummer war, nun aber im Wohnwagen lebt und im Supermarkt sein täglich Brot verdienen muss.

Es schleckt keine Geiss weg, Mickey Rourke ist die optimale Verkörperung von "The Ram" Robinson. Er gibt den kaputten Mann hervorragend lebensecht und hat dabei wohl auch eigene Erfahrungen einfliessen lassen. Die Beziehungen zur ebenfalls toll spielenden Marisa Tomei ist schwierig und tragisch, diejenige zur Tochter Evan Rachel Wood kompliziert und traurig. Hier knorzt's dann auch etwas mit dem Film, denn so interessant die Aufarbeitung der familiären Situation ist, so geht das doch ein bisschen unter im Getümmel der Wrestlingszenen, der kargen Backstagesegmente und der Tragik, in welcher sich Rourkes Figur bewegt.

Fazit: The Wrestler ist kein Film im Sinn von Ready To Rumble. Im krassen Gegenteil. Es ist eine Charakterstudie, ein Drama, das sich in der Welt des Independent-Wrestling abspielt und uns eine andere, ernüchternde Welt zeigt, die der normale Fan der grossen Sportshows wohl noch nicht kennt. Überragend gespielt, ist The Wrestler mit Sicherheit einer der besten Filme des vergangenen Jahres.

Wie man übrigens zu einer Szene mit einem oscarnominierten Schauspieler kommt, beweist uns Claudio Castagnoli, seines Zeichens Schweizer Wrestler aus Luzern in Diensten der amerikanischen Indy-Liga "ROH" (Ring of Honor), der in einer kurzen Sequenz zu sehen ist. Ist halt schon cool, sowas...

Das Making-of auf der DVD ist recht interessant geworden, sieht man doch auch viele Abläufe, die im Ring erstmal eine Runde geprobt werden mussten. Ausserdem kriegen wir Rourkes Body-Double zu Gesicht. Im Interview mit dem Star hingegen macht er sich keine neuen Freunde. Seine Aussagen sind recht eingebildet und arrogant. Aber bei einem Kerl wie Rourke muss man halt mit sowas rechnen.

Technisch macht The Wrestler eine anständige Figur. Ton und Bild kommen gewollt dreckig und kantig rüber, was aber hervorragend zum Film und dessen Story passt und somit keinen Abzug in der Qualitätsnote gibt.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.55.5

 

11.09.2009 / muri

Community:

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