The Women (2008)

The Women (2008)

Oder: Eine Affäre zuviel

The Women

Was ist denn jetzt schon wieder los!?

Modedesignerin Mary Haines (Meg Ryan) hat alles was man sich wünschen kann. Sie ist erfolgreich im Beruf, ihr Mann Stephen Haines ist ein angesehener Wall-Street-Broker und die gemeinsame Tochter Molly (Indie Ennenga) ist hübsch und intelligent. Eines Tages vernimmt Mary bei der Maniküre, dass ihr Ehemann sie mit einer jungen, attraktiven Parfümverkäuferin (Eva Mendes) betrügt. Die Geschichte ist schon längst das heisseste Gerücht der Stadt, ja selbst Marys Freundinnen wussten schon vor ihr Bescheid.

The Women

Wie umwerfend!

Eine perfekte Welt zerbricht. Marys Mutter, ihre Freundinnen, ja sogar ihre Hausangestellten versuchen ihr zu helfen. Allen voran Sylvie Fowler (Annette Bening), Chefredakteurin des New Yorker Fashion-Magazin "Caché" sichert ihr als beste Freundin die volle Unterstützung zu, um sich später selbst in der Sache zu verrennen. Dabei läuft alles Erdenkliche schief, bis Mary die Dinge endlich wieder selbst in die Hand nimmt...


Kinofilm-Rating

Um gleich zu Beginn ein Vorurteil aus der Welt zu schaffen: The Women ist keine billige Kopie von Sex and the City. Clare Booth Luce schrieb 1936 das kultige Bühnenstück The Women, das 1939 von George Cuckor erfolgreich verfilmt und ausschliesslich mit Schauspielerinnen gedreht wurde. Die Komödie rund um die feinen Damen der New Yorker High Society hat trotz ihres stattlichen Alters 1973 und 2001 zweimal ihre Wiederauferstehung am Broadway gefeiert. Im letzten Revival vor sieben Jahren spielte gar Cynthia Nixon (Miranda Hobbes in Sex and the City) die Hauptrolle der Mary Haines. Man müsste viel eher sagen, dass The Women die Mutter der Kultserie um Carrie Bradshaw ist. So, jetzt ist es richtig gedreht.

Um den etwas veralteten Plot von The Women in die heutige Zeit zu versetzen, lag es jedoch auf der Hand Elemente der Lebenswelt von Sex and the City zu übernehmen. Und hier sind wir bei der gegenseitigen Wechselwirkung angelangt. Die Angleichungen bis zum Aussehen und Charakter sind manchmal gar etwas übertrieben geraten. Bei Marys goldenen Locken kommt einem unvermeidlich Carrie Bradshaw in den Sinn, und bei Sylvie Fowlers empörend neugierigem Blick meint man Samantha Jones zu erkennen. Das steckt natürlich kalkulierte Absicht dahinter. Abgesehen davon ist The Women aber schlauer, frecher und dazu noch Männer-Kompatibel.

Der Broadway-Charme wurde in den Film hinübergerettet. Man wähnt sich auf einer grossen Theaterbühne, mit New York als Hintergrund, in dem selbst die Statisten ausschliesslich weiblich sind. Das stört überhaupt nicht. Gerade diese vermeintliche Intimität erlaubt die bissig lauten Dialoge zwischen den stark aufspielenden Hauptdarstellerinnen. Meg Ryan bezaubert seit dem Beziehungsklassiker When Harry met Sally. So tut es umso mehr weh, dass ausgerechnet diese liebenswürdige Frau die Betrogene ist. Annette Bening mimt die Zynikerin mit vielen Schwächen. Eva Mendes ist als "Spritzer Girl" das perfekte Biest, dem man nicht unbedingt böse ist. Candice Bergen in der Rolle von Marys Mutter und Cloris Leachman als Hausangestellte geben den zickigen "Catfights" eine beruhigende Note der Altersweisheit und bei Bette Midlers Kurzauftritt kann man einen Lacher nicht verkneifen. Die Vielfalt der Charaktere begeistert.

The Women ist zwar ein Film über Frauen, aber deswegen noch lange kein Frauenfilm. Auch als Mann hat man zweifellos seine Freude an den bissigen Kommentaren. Der Charme der Vorlage wird erhalten und mit einer Prise Modernisierung versehen. Erinnerungswürdige Dialoge über Huren, Orgasmen und Schönheitsoperationen und ein Schlussfanal, in dem ein langer Gebärschrei das Zwerchfell zum bersten bringt, sorgen für eine würdige Neuadaption des Broadway-Klassikers.

3.4 Sterne
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01.12.2008 / jak