Wolke Neun (2008)
Wolke Neun (2008)
Die Rentnerin Inge Walter (Ursula Werner) geht auf die 70 zu. Seit 30 Jahren ist sie mit ihrem Mann Werner (Horst Rehberg) verheiratet, seines Zeichens ein leidenschaftlicher Eisenbahnfan. Neben ihrem Hobby, dem Chorsingen, verdient sich Inge etwas Geld zur Rente dazu und korrigiert deshalb Kleidungsstücke.
Eines Tages bringt sie ihrem Kunden Karl (Horst Westphal) dessen Hose zurück. Zwischen ihr und dem 76-jährigen Wittwer herrscht eine subtile Anziehungskraft und es kommt, wie es fast schon kommen muss: Inge und Karl haben Sex. Zuerst kommt sie mit ihren Gefühlen nicht klar, doch immer mehr realisiert sie, dass ihr in ihrer Ehe etwas gefehlt hat. Hinter dem Rücken ihres Ehemannes trifft sie sich heimlich mit ihrem Liebhaber und verliebt sich bei jedem Treffen etwas mehr in ihn.
Hin und her gerissen zwischen ihrer neu entdeckten Sexualität und ihrer Ehe, muss sie schliesslich eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, welche durch ihr hohes Alter zusätzlich verkompliziert wird.
Kinofilm-Rating
Sex im hohen Alter - ein Thema, welches in den Massenmedien nur behandelt wird, wenn sich irgendein reicher Rentner mal wieder eine junge Spielkameradin geangelt hat. Aber Sex zwischen zwei Senioren ist ein Tabuthema und wird totgeschwiegen. Dem Regisseur Andreas Dresen, Regisseur von Halbe Treppe, war dies ein Dorn im Auge, weshalb er beschloss, dies in einem Film zu thematisieren.
Zusammengetrommelt hat er dazu ein Team, mit dem er bereits bei Halbe Treppe zusammengearbeitet hat. Und genau wie dort, legte er auch bei Wolke 9 einen grossen Wert auf Realismus, weshalb ein Grossteil der Szenen und Dialoge improvisiert wurden. Auf der einen Seite klappt dies sehr gut und die Darsteller schlagen sich sehr gut durch die Handlung. Allerdings merkt man in der einen oder anderen Situation doch, dass kein festes Drehbuch vorhanden war. In diesen Situationen wirken die Darsteller dann und wann etwas steif. Gerade Horst Westphal hat fast während des ganzen Films nur sein Lausbubengrinsen aufgesetzt, allerdings kommt dies überraschend sympathisch daher. Nachvollziehbar, dass sich Inge von ihrem langweilligen Mann entfremdet. Dafür hat dieser den besten Lacher auf der Seite, wenn er zum Beispiel in seinem Wohnzimmer sitzt und einer Schallplatte lauscht, die verschiedene Eisenbahngeräusche von sich gibt.
Hauptfigur Inge wurde gut herausgearbeitet, und man kann ihre Gedankengänge nachvollziehen. Sie weiss nicht wirklich, in was sie hineingeraten ist und versucht sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden. Weniger gut gelungen sind die Figuren von Werner und Karl. Werner ist der Langweiler, der den lieben langen Tag im Zug fährt, während Karl abenteuerlustig ist und viel in der Natur unternimmt. Viel mehr erfährt man über diese zwei Figuren nicht, so dass sie ein wenig auf der Strecke bleiben. Dies fällt besonders beim relativ vorhersehbaren Ende des Films auf, welches zwar an und für sich stimmig ist, aber den Zuschauer leider nicht wirklich berührt. Schön gelungen ist dafür die Bildgestaltung von Regisseur Dresen, dies fällt gerade in den Chorszenen mit Inge auf. Je mehr sie mit sich selbst und ihrer Ehe hadert, desto weniger synchron bewegt sie sich mit, sie ist mit sich selbst nicht im Reinen. Zudem kann man den Text der jeweiligen Lieder mit ihrer Situation in Zusammenhang bringen. Sehr schön gemacht. Zudem muss man den Filmemachern zu den Sex-Szenen gratulieren, die immer sehr respektvoll mit dem Thema umgehen und sehr ungekünstelt erscheinen.
Fazit: Wolke 9 ist ein ungewöhnlicher Film über Liebe und Sex im Alter, ein seltenes Thema in Filmen. Und trotzdem, das gewisse Etwas fehlt einfach. Zu sehr konzentriert sich der Film nur auf eine Figur, weshalb ein eher flaues Gefühl zurückbleibt.
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