Wanted (2008)

Wanted (2008)

Oder: Kleiner, gewalttätiger Matrix-Bruder auf Speed

Wanted

Ein Schuss im Schuss

Wesley Gibson (James McAvoy) ist der typische Versager. Seine Chefin sitzt ihm mit Lappalien im Nacken, der beste Freund vögelt seine Freundin, und auf seinem Bankkonto befinden sich gerade mal lächerliche 13 Dollar. Zu feige, um dagegen was zu unternehmen, hält er den Tag nur mit Hilfe von Pillen aus, die er so häufig bezieht, dass ihn sogar der Apotheker schon kennt. Im Unklaren, was er in seinem Leben erreichen will, lebt er seine 0815-Existenz trostlos weiter, immer im Bewusstsein, dass morgen alles wieder von vorne beginnt.

Bis ihm eines Tages beim Apotheker seiner Wahl die mysteriöse Fox (Angelina Jolie) gerade ins Gesicht schaut und erzählt, sie hätte seinen Vater gekannt, einer der besten Auftragskiller aller Zeiten. Dieser sei gestern erschossen worden. Lachhaft, winkt Wesley ab, nur um gleich darauf ins Kreuzfeuer zu geraten. Ein Killer namens Cross (Thomas Kretschmann) hat es anscheinend auf den harmlosen Account Manager abgesehen. Fox bahnt sich und dem geschockten Antihelden den Weg und bringt diesen zu Sloan (Morgan Freeman), Leiter einer geheimen Organisation namens "The Fraternity", die Bruderschaft.

Wanted

Pulli(ng) the trigger

Sloan klärt Gibson auf, dass er einer der wenigen Menschen ist, die supermenschliche Fähigkeiten und Reflexe besitzen, welche nur darauf warten, entwickelt und für die Zwecke der Bruderschaft eingesetzt zu werden. Diese verfolgt seit 1000 Jahren das Ziel, durch das Töten vorbestimmter Menschen die Welt in ihrem Gleichgewicht zu halten. Cross, abtrünniges Mitglied der Bruderschaft, hat begonnen, alle Mitglieder der "Fraternity" zu eliminieren. Zuletzt Wesleys Vater.

Der vormalige Loser sinnt auf Rache und will die Möglichkeit nutzen, seinem langweiligen Leben zu entkommen. Um diese Rolle auszufüllen, wird er einem harten Training unterzogen, bei dem er lernt, seine Fähigkeiten auszuarbeiten und zu kontrollieren, um in den Kampf gegen Cross zu ziehen.


Kinofilm-Rating

Wenn Wanted ins Kino kommt, ist die Blockbustersaison eigentlich schon vorbei. Tony Stark verwandelte sich in Iron Man, Indy schwang seine Peitsche, es folgten Hancock, Batman, Hulk und der Kung Fu Panda. Und auch die Mumie kehrte in der Gestalt von Jet Li zurück. So steigt beim Zuschauer am Ende des Sommers wieder die Lust, Anspruchsvolleres zu sehen, sich an den Schauspielkünsten der Stars zu erfreuen und schon potenzielle Oscar-Kandidaten ins Auge zu fassen. Der Kino-Liebhaber tut jedoch gut daran, sich die Blockbusterstimmung noch bis Mitte September aufzuheben, denn jetzt kommt Wanted!

Timur Bekmambetovs Hollywood-Regiedebut - er hatte zuvor die russischen Hits Night Watch und Day Watch inszeniert - legt eine unglaubliche Vitalität und ein horrendes Tempo an den Tag, gepaart mit einer eigenwilligen, aber stets energetischen Inszenierung. Wenn Kugeln um die Ecken fliegen, die Figuren in Zeitlupe Stunts vollführen und sich die Kamera scheinbar schwerelos im Raum bewegt, fühlt man sich nicht zu unrecht an The Matrix erinnert. Bekmambetov weiss jedoch, dass es für einen überzeugenden Action-Film nicht einfach reicht, das erfolgreiche Muster zu kopieren, sondern einen eigenen Stil zu entwickeln. So ist Wanted kernig und roh, strotzt vor Gewaltszenen und nackter Haut. Der Regisseur erschafft Bilder, die mit Hilfe der visuellen Spielereien aufgemotzt werden und so den Look des Filmes von der traditionellen Hollywood-Inszenierung hervorheben.

Bekmambetovs grosser Schachzug ist die ungewöhnliche Besetzung des Nobodys mit dem schottischen Schauspieler James McAvoy (Atonement), den man nicht wirklich in einem Actionfilm vermuten würde. Gerade dies verleiht ihm aber die Aura eines gewöhnlichen Menschen, der den Helden in sich entdeckt. Eine perfekte Wahl. Daneben glänzen Angelina Jolie als die wohl sexieste Auftragskillerin aller Zeiten und Morgan Freeman in seiner Stammesrolle als weiser Leitwolf.

Sicher, die Story von der geheimen Organisation, die das Gleichgewicht der Erde aufrechterhält, ist Quatsch. Sie hätte ja auch ziemlich versagt in den vergangenen Jahrhunderten. Inquisition, Weltkriege usw.. Aber darum geht es nicht wirklich. Eine Comicverfilmung ist selten logisch und der Zuschauer weiss, dass physikalischen Gesetzen dabei etwa so viel Wert beigemessen wird wie den Dialogpassagen. Wird dem Zuschauer diese Absurdität des Gezeigten jedoch bewusst, verliert Wanted seinen Reiz. Deshalb: Der Film soll Spass machen und nicht geistig bereichern. Damit reüssiert er und lässt Hancock und Konsorten weit zurück. Anschnallen, Hirn ausschalten, geniessen! Es folgt die Actionfahrt des Sommers!

3.9 Sterne
3.9 Sterne (166 Bewertungen) | 65 Kommentare

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30.07.2008 / hut