Waltz with Bashir (2008)

Waltz with Bashir (2008)

Oder: Animierte Kriegserinnerungen

Waltz with Bashir

Drastische Massnahmen gegen das Nacktbaden

Als ihm ein Freund aus alten Tagen in einer Bar von seinem wiederkehrenden Albtraum erzählt, in dem er jede Nacht von 26 wilden Hunden gehetzt wird, vermutet der Regisseur Ari (Ari Folman) eine Verbindung zu den gemeinsamen Einsätzen im ersten Libanon-Krieg zu Beginn der 80er Jahre. Denn zu seiner Verwunderung kann auch Ari sich nur schlecht an die Erlebnisse aus dieser Zeit erinnern. Er entschliesst sich deshalb, alte Kameraden auf der ganzen Welt aufzusuchen, um mittels Gesprächen hinter das Geheimnis dieser Epoche und seiner persönlichen Involvierung darin zu kommen. Je tiefer Ari in den Erinnerungen buddelt, desto surrealer werden die Bilder, die rund um seinen Einsatz als Soldat zum Vorschein kommen.


Kinofilm-Rating

Waltz with Bashir übernimmt am diesjährigen Filmfestival von Cannes die Rolle, welche Persepolis 2007 inne hatte. Es ist der Animationsfilm im internationalen Wettbewerb, der eher ein erwachsenes Publikum anspricht. Wäre der Film nicht animiert, hätte es sich um eine stinknormale Doku über Kriegserinnerungen mit verschiedenen sprechenden Köpfen gehandelt. Der Zeichentrickprozess, der an die Werke von Richard Linklater erinnert (Waking Life, A Scanner Darkly), ermöglicht aber ein ganz anderes Wiedererleben der Erinnerungen junger israelischer Soldaten.

Trotzdem diese vor dem schrecklichen Hintergrund der israelischen Invasion von Beirut im Jahre 1982 spielen, sind sie nicht ohne Poesie. In einem surrealistischen Traum wird ein Soldat von einer nackten Riesin davongetragen. Der Titel des Films spielt auf einen Soldaten an, der während eines Schusswechsels in den Strassen von Beirut mit seinem Maschinengewehr Walzer tanzt, und dabei auf alles Mögliche schiesst. Mit Bashir ist Bashir Gemayel gemeint, ein zeitgenössischer libanesischer Präsident, dessen Konterfei damals die Plakate in der Hauptstadt zierte. Solches Vorwissen hilft beim Verständnis des Films. Denn auch sein Hauptanliegen, das Anprangern der Massaker in den Flüchtlingslagern von Shatila und Sabra, gelingt nur teilweise, da es der Regisseur verpasst, Uninformierte besser über diese Vorgänge zu instruieren. Leider wachsen die einzelnen Gespräche mit ehemaligen Soldaten und einer Traumaexpertin nie zu einem kompakten Ganzen zusammen. Emotional nahm einen Persepolis viel mehr mit.

4.8 Sterne
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22.05.2008 / rm