WALL·E (2008)
Wall-E - der Letzte räumt die Erde auf
WALL·E (2008) Wall-E - der Letzte räumt die Erde auf
In Wall-E lässt Pixar einen kleinen Roboter die Herzen der Zuschauer tausendfach im Sturm erobern. Während für Ratatouille Michael Giacchino den Taktstock geschwungen hat, kehrt für Wall-E Thomas Newman zurück ins Disney-Tonstudio. Newman bewegt sich mit seiner Komposition auf Pfaden, die er mit dem Score zu Finding Nemo schon beschritten hat, wirft aber zusätzlich allerhand originelle Instrumentierungen in den musikalischen Topf.
Das neue Album bleibt der Albenproduktionspolitik des Studios und des Komponisten treu. Es ist vollgepackt mit kurzen Stücken und hin und wieder erklingt ein Song. Dieses Songs (zwei davon aus dem Musical "Hello Dolly!") wirken ohne das Wissen um den filmischen Kontext in der Komposition Newmans etwas deplaziert.
Aussergewöhnlich an der Aufmachung des Albums ist, dass Disney Records die CD - um die Botschaft des Films zu unterstreichen - nicht in einem herkömmlichen Jewel Case veröffentlicht sondern in einem Pappschuber aus 100 Prozent recyclebarem Material. Auch das ausführliche Booklet ist umweltfreundlich gestaltet und enthält Bilder von Wall-E und Co., einen Text zum Score von Regisseur Andrew Stanton, den Text zum Song von Peter Gabriel und eine ausführliche Liste mit allen Instrumenten und Musikern.
Ein kurzer Blick in besagte die Liste verrät, dass Thomas Newman nicht nur komponierte und dirigierte, sondern auch noch die ¼-Violine und die Celeste selber spielte. Fast noch mehr entzücken aber die unzähligen exotischen Instrumente, die für den Score verwendet wurden: Aeolian Windharp, Contra Bass Nylon Guitar, Granulated String, Cajon, Djun Djuns, Flapamba und das Strumming Zebra (um nur einige kuriose Dinge zu nennen). Eine solche Liste lässt nun auf einen farbenfrohen Score hoffen und der liegt hier auch vor.
Das erste Score-Stück "2815 A.D." lässt eine gespenstische Stimmung aufkommen und untermalt Wall-Es einsame Situation auf der komplett verwüsteten und verlassenen Erde. Dieser Eindruck wird mit "Wall-E" aber schnell wieder entschärft und es erklingen die gewohnt verspielten Melodien, die zu einem Disney/Pixar-Film gehören. Auch hat Newman Geräusche aus dem Film in die Komposition eingebaut. Dies ist allerdings weniger gelungen und strapaziert besonders im Stück "M-O" den Hörgenuss.
Hauptproblem des vorliegenden Albums sind die unzähligen kurzen Stücken, die dem Hörer etliche musikalische Ideen präsentieren aber eine Einheit vermissen lassen. Besonders Stücke wie "BNL" (der im Film verwendete Werbeslogan), "M-O" oder auch "Gopher" bieten wenig neue Musik und wirken deshalb eher störend. Es gibt aber auch viele sehr schöne und stimmungsvolle musikalische Momente, zum Beispiel "2815 A.D.", "First Date", "Define Dancing", "All that's Love about", "Fixing Wall-E" und "Desperate Eve". Auch der abschliessende Song "Down to Earth" ist gelungen und bleibt im Ohr.
Fazit: Thomas Newman bleibt mit dem Score zu Wall-E seiner Art der Vertonung treu. Er liefert viele musikalische Ideen, Mickeymousing und auch ein paar dramatische Momente. Besonders letztere bieten grossen Hörgenuss und lassen die Schwächen des Albums etwas vergessen. Wall-E ist allerdings kein Score, den man gleich nach erstem Hördurchgang schätzt. Der Kinobesuch hilft, die Musik zu verstehen.
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