WALL·E (2008)

Wall-E - der Letzte räumt die Erde auf

WALL·E (2008) Wall-E - der Letzte räumt die Erde auf

Oder: Theres no need to walk

WALL·E

"Hoi, ich bin Nr. 5!"

Vor 700 Jahren haben die Menschen den Planeten Erde verlassen. Seitdem cruisen sie in riesigen Schiffen durch das All, werden immer fetter, Roboter übernehmen ihre Arbeiten und auf dem Heimatplaneten regiert der Müll. Zwar wurden Aufräumroboter geschickt, aber von denen ist nur noch einer übrig. Ein kleines Kerlchen namens Wall-E ("Waste-Allocation-Load-Lifter-Earth-Class") müht sich dort unten ab, schaufelt Abfall in seinen Bauch, produziert Würfel und stapelt diese aufeinander. Immer bei ihm eine kleine Schabe, die durch nichts kaputtzumachen ist.

Und unser kleiner Roboter hat einen geregelten Tagesablauf. Mit einem Köfferchen macht er sich jeden Tag auf, diese Müllwürfel zu machen und komische Dinge zu sammeln. Er findet und sammelt Büstenhalter oder Rubik-Würfel, und "zuhause" läuft im Fernseher der Film Hello Dolly, in dem Wall-E auch die zwischenmenschlichen Seiten wie Händchenhalten entdeckt. Aber wenn man so allein ist, nützt das alles nichts.

WALL·E

"Was guckst du?"

Bis eines Tages die Erde bebt und ein Raumschiff landet. Ausgeladen wird ein kleine, weisse Roboterdame mit dem Namen "Eve" ("Extraterrestial Vegetation Evaluator"), in die sich unser Titelheld sofort verguckt. "Eve" hat den Auftrag, nach Pflanzen zu suchen, die eine Neubesiedlung der Erde möglich machen könnten. Nachdem die beiden Maschinen sich angenähert haben, entdeckt "Eve" tatsächlich ein zartes Pflänzchen und wird wieder zurück zu ihrem Mutterschiff beordert. Wall-E wehrt sich dagegen und klinkt sich ans Transportschiff an, das ihn zu den Menschen bringen wird. Und dort geht das Chaos erst richtig los.


Kinofilm-Rating

Wir wissen inzwischen, dass Pixar mit ihren Filmen neue Standards setzt. Sei es in technischer Hinsicht, von den herzigen Figuren her oder einfach mittels wunderbarer Geschichten. Und nachdem Ratatouille letztes Jahr ein Grosserfolg wurde und die Spezies der Ratte zum Publikumsliebling machte, fahren die Meister aus Kalifornien nun mit einem Weltraummärchen auf, das so anders ist als ihre bisherigen Filme. Denn nicht nur kommen in Wall-E zum ersten Mal in einem Pixar-Film auch reale Menschen vor, nein, die Dialoge sind auch minimal.

Wir können uns auf zwei Arten dem Film nähern. In technischer Hinsicht kratzt man einmal mehr an der Perfektion. Die Figuren sind genial animiert, herzig, niedlich, lustig und der Zuschauer kriegt träumerisch schöne Sequenzen zu sehen, wenn Wall-E und seine Freundin durchs All tanzen. Unterstützt von herrlicher Musik, ist dieser Film in technischer Hinsicht ein Fest für die Augen. Dass das alleine natürlich nicht genügt, ist klar. Darum gucken wir auch etwas skeptisch auf die Geschichte von Wall-E.

Hier kriegen wir ein zweischneidiges Schwert geboten. Während die jüngeren Fans ab den vielen Slapstick-Einlagen grinsen und vor allem in der ersten Hälfte auf ihre Kosten kommen, wird die Geschichte danach ein bisschen anspruchsvoller. Sicher, Wall-E hat seine irren und komischen Momente, wenn die Roboter durch Mimik und Gestik die fehlenden Worte überspielen, und auf dem Menschenschiff gibt's eine geniale Szene nach der anderen, aber so richtig viel Fleisch hat die Story leider nicht am Knochen.

Dass Wall-E trotzdem zum genialen Kinoerlebnis wird, ist ganz klar ein Ergebnis der schönen Bilder, der süssen Charaktere und der Machart des Filmes, der relativ zügig voranschreitet und auch mit (leichter) Gesellschaftskritik nicht zurückhält. Wie lassen sich sonst die übergewichtigen Menschen erklären, die total abhängig von Computer und Robotern auf ihren Sitzen rumfräsen und kaum mehr selber laufen können?

Fazit: Pixar hat einen weiteren Schritt in Richtung Erwachsensein gemacht. Einen Film auf die Beine zu stellen, in denen der Dialog minimal ist (es werden hauptsächlich die Namen der Figuren immer und immer wieder genannt) und in dem der Titelheld anfänglich wie in I am Legend ganz alleine auf der Erde ist, zeugt von Genialität und lässt die Konkurrenz einmal mehr hinten anstehen. Zwar war Kung Fu Panda lustiger und schneller, aber Wall-E holt sich den Sieg mit viel Herz, den herzerweichenden Augen des Roboters und dem kindlichen Humor, über den wir halt trotzdem hemmungslos lachen können.

5.0 Sterne
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31.07.2008 / muri