The Wackness (2008)

The Wackness (2008)

Oder: Gandhi raucht die Wasserpfeife

The Wackness

Let's get high in high school...

New York, 1994. Bürgermeister Rudolph Giuliani versucht gerade die Strassen von Manhattan von der Kriminalität zu säubern, doch das interessiert Teenager und High School-Absolvent Luke Shapiro (Josh Peck) kaum. Seine Eltern streiten sich pausenlos, draussen herrscht eine Affenhitze und die Ferien sind gerade angebrochen. Zwar vertreibt Luke erfolgreich Marihuana mit seinem mobilen Glacestand, doch wirkliche Freunde gewinnt er auch als Dealer nicht. So lebt er trist in den Tag hinein, ohne Ziel und ohne Perspektive. "Depressionen" lautet das Urteil seines Psychiaters Dr. Squires (Ben Kinglsey). Dieser glaubt, dass Luke einfach mal wieder flachgelegt werden müsste. Der unkonventionelle Seelendoktor, kindisch und ständig die Wasserpfeife am Mund, lässt sich die Sitzungen von Luke mit Gras bezahlen. So haben beide was davon.

The Wackness

"Du, ich steh' total auf Hawaiihemden..."

Glücklich ist er jedoch auch nicht. Seine Ehe mit Kristin (Famke Janssen) ist tot, und seine Patienten bringen ihn an den Rand des Wahnsinns. Nur Luke scheint es ihm angetan zu haben, denn dieser hat scheinbar die gleichen Probleme, erwachsen zu werden, wie Squires, sich sein Alter einzugestehen.

Auftritt Stephanie (Olivia Thirlby): Das hippe Mädchen langweilt sich ebenso in der sommerlich ausgestorbenen Grossstadt und bändelt mit Luke an, der schon lange ein Auge auf sie geworfen hat. Squires ist für den Moment entzückt, doch als er erfährt, dass sein Lieblingspatient mit seiner Stieftochter anbändelt, rät er ihm von dieser Liaison ab: sie vertreibe sich nur die Zeit mit ihm, weil halt sonst niemand da sei, folgert er. Doch Luke denkt nicht daran und kommt Stephanie immer näher.


Kinofilm-Rating

Kurt Cobain, Old School Rap und Forrest Gump. Willkommen zurück in den Neunzigern! Jonathan Levine, der zuvor All the Boys Love Mandy Lane inszeniert hat, nimmt den Zuschauer mit auf eine nostalgische Fahrt zurück in das Manhattan des Sommers 1994, als noch alle geraucht haben und sich die Musikwelt zwischen West und East Coast, zwischen Tupac und Notorious B.I.G. entscheiden musste. Hier setzt The Wackness ein. Mit einem tollen Soundtrack, verspielter Inszenierung und einem atypisch besetzten Ben Kingsley trifft die Dramödie den richtigen Ton, um gleichzeitig saukomisch, aber auch ernst und durchdacht zu sein.

Dabei ist vor allem Ben Kingsley ein grosser Trumpf. Verdiente er seine Brötchen letztens noch mit Schrott wie Bloodrayne, A Sound of Thunder und The Love Guru, spielt er hier frei von der Leber den Dr. Squires, der Drogen schluckt wie andere Wasser und dessen Weisheiten eher darin bestehen, Luke zu ermutigen, so viel Frauen wie möglich flachzulegen. Dies ist extrem erfrischend und scheint auch Sir Ben richtig Spass gemacht zu haben. Squires ist jedoch nicht die first Person, sondern der Zuschauer folgt Luke, dessen bodenständiges Charisma ihn wohl tatsächlich als Dealer durchgehen lassen würde, da ihn schlicht niemand bemerkt.

The Wackness ist die Geschichte eines Sommers, der für Luke den Beginn des Erwachsenwerdens symbolisiert. Das Drogengeschäft ist für ihn die Möglichkeit, von seinen verkrachten Eltern loszukommen. Deshalb wird das Dealen auch nicht verurteilt, sondern letztlich als Schritt gesehen, welcher notwendig für Lukes Manneswerdung ist. Der Konsum von Alkohol, Drogen und Sex ebenso. Dass der Film aber trotzdem nicht als verwerflich anzusehen ist, liegt an der sorgfältigen Inszenierung und den schon erwähnten Schauspielleistungen, die die Hauptfiguren richtig sympathisch machen. Nur die von der ehemaligen Bond-Bösewichtin Famke Jannsen verkörperte Frau von Squires ist langweilig gezeichnet und passt irgendwie nicht so recht in den Film.

The Wackness ist tolle Independent-Unterhaltung, mit viel Witz, einer Portion Sex, Drugs und Hip Hop und einem erfrischenden Ben Kingsley. Es ist ein Film, der einem in die 90er und damit in die eigenen Teenagerjahre zurückwirft und einem froh zurücklässt, wenn man merkt, dass es bei einem selber doch nicht so schräg zugegangen ist.

5.0 Sterne
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02.10.2008 / hut