W. (2008)

W. (2008)

Oder: Der Cowboy im Oval Office

W.

Wer wird "The First Dog"?

Am 20. Januar 2009 enden die acht Regierungsjahre des 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George Walker Bush. Doch wie kam dieser scheinbar in vielen politischen Dingen überforderte Mann überhaupt auf den mächtigsten Stuhl der Welt? Wie war das genau mit der Erdnuss vor dem Fernseher? Dem Krieg gegen Saddam Hussein? Wer waren seine Berater und wie war "W" in seiner Jugend?

George W. Bush (Josh Brolin) nahm das Leben seit jeher von der leichten Art. Zwar wachte sein Vater George Bush Senior (James Cromwell) über seinen Sohn, finanzierte ihm sein Studentenleben und achtete darauf, dass der Sohnemann an den besten Universitäten des Landes zugelassen wurde und auch abschloss. Aber Junior selber machte sich nicht viel aus Politik und Wirtschaft. Einerseits weil er den Durchblick einfach nicht hatte und andererseits weil Bier trinken, Frauen abschleppen und Party machen mit seinen Studentenkollegen so viel interessanter waren.

W.

Hört was ich zu sagen hab

Als Papa Bush in den Senat kam, hätte auch Bush Junior einen "anständigen" Beruf ausüben sollen. Viele seiner Projekte musste er aber mangels Erfolg aufgeben und sein Bruder Jeb (Jason Ritter) schien der erfolgreichere Bruder zu sein. Bis W. selber anfing, so richtig Karriere zu machen. Er wurde Gouverneur in Texas und liess sich, nach dem er eine "göttliche Eingebung" hatte, 2000 tatsächlich für die Präsidentschaft der USA aufstellen.

Der Rest ist Geschichte. Die Auseinandersetzungen mit seinem übermächtigen Daddy, die Jagd nach Saddam Hussein (den er für seinen Vater aus dem Weg räumen wollte), der Krieg im Iran ("Es ist mein Krieg, verdammt!") und die Zusammenarbeit gegen die Achse des Bösen. Angereichert mit vielen Nebenfiguren, Beratern und Jugendfreunden wurde George W. Bush zum Cowboy im weissen Haus, dem die allabendlichen Sportnachrichten eigentlich viel wichtiger waren, als die Ereignisse, die weltweit Schlagzeilen machten.


Kinofilm-Rating

Oliver Stone ist bekannt für seine kontroversen Filme. Seien es Präsidentenfilme wie Nixon, Abrechnungen mit der verrückten Medienwelt in Natural Born Killers oder auch Verarbeitungen vergangener Kriege (Platoon, Born on the Fourth of July). Was der Mann anfasste, schien für Diskussionen geradezu prädestiniert. Seit Alexander ist der Mann aber in einer Baisse. Ob ihn W. da wieder rausholt?

Auf W. wurde gespannt gewartet und obwohl der Film in den USA nicht gerade der Renner war, so konnte man sich doch einiges vom Regisseur und seiner Sicht der Dinge erhoffen. Leider entpuppt sich W. als zahme, aber ansprechende Rückschau auf acht Jahre Präsidentschaft des am Schluss unbeliebtesten Präsidenten, den die USA jemals am Ruder gehabt hat. Wo ist der Biss des Oliver Stone geblieben?

Die bekannten Themen werden angesprochen, es wird über Massenvernichtungswaffen bei Hussein diskutiert ("Er könnte ja welche haben und schon nur alleine darum lohnt sich ein Angriff..") und unser Cowboy wird, überraschend sympathisch, aber sehr ungeschickt, als Mann gezeigt, der zwar ein bisschen schräge Ansichten hat, aber irgendwie halt einfach ein Pechvogel zu sein schien. Jugendsünden werden ausser Acht gelassen, seine Ehe wird kaum zum Thema und wenn die illustre Schar an bekannten Schauspielern in ihren Rollen anfängt, über das politische Weltgeschehen zu debattieren, so fehlt dem Film grösstenteils ein schöner Drive und die nötige Spannung.

Darstellerisch hingegen zeigt Josh Brolin (No Country for Old Men) eine tolle Leistung. Ihm nimmt man den überforderten Präsidenten jederzeit ab und wenn seine Figur auf der Farm und im Landleben so richtig aufblühen kann, dann ist das auch ein Verdienst des tollen Schauspielers. Neben ihm gehen seine Co-Stars dann auch ein bisschen unter. James Cromwell (The Queen), Richard Dreyfuss (Close Encounters of the third Kind) oder auch Thandie Newton (Crash) mimen zwar bekannte Figuren, kommen aber kaum so richtig zum Zug. Der Film gehört alleine Josh Brolin.

Fazit: Von einem Oliver Stone-Film hätte man mehr Kontroversität und Aufregung erwarten können. Schlussendlich ist W. ein braver Film geworden, der interessante Themen meist nur oberflächlich behandelt und so die Chance verpasst, dem Zuschauer einen wirklich spannenden Einblick in das Leben des George W. Bush zu geben. Trotzdem ist natürlich allen Interessierten ein Blick in den Film empfohlen. Einfach nicht zuviel erwarten.

3.5 Sterne
3.5 Sterne (29 Bewertungen) | 6 Kommentare

3.53.5
18.01.2009 / muri