Vampyrer (2008)

Vampyrer (2008)

Oder: Rennt, Vampirmädels, rennt!

Beim Tanzen in einer Kneipe wird die junge Vera (Jenny Lampa) von einem ungehobelten Biker angemacht und bedrängt. Er zieht sie auf die Toilette und will sie zum Sex zwingen. Vera zückt jedoch ein Messer, rammt es ihm in den Hals und trinkt sein Blut. Anschliessend holt sie ihre Schwester Vanya (Ruth Vega Fernandez) dazu, die ebenfalls ihren Blutdurst stillt und den Biker dann sterbend zurücklässt.

Vera und Vanya sind anders als andere: Sie trinken das Blut von Menschen und bringen sich durch Diebstahl über die Runden. Sie können darum kein normales Leben mit normalen Beziehungen führen, sie haben nur einander. Doch Vanya hat jemanden kennengelernt und möchte dieses Leben - und damit auch ihre Schwester - hinter sich lassen. Vera fühlt sich deshalb im Stich gelassen. Der Streit der Schwestern währt allerdings nur kurz, denn die Freunde des ermordeten Bikers sind ihnen dicht auf den Fersen, und sie schwören blutige Rache...


Kinofilm-Rating

Die Vampire im Film des schwedischen Regisseurs Peter Pontikis sind nicht ganz so, wie man Blutsauger sonst kennt. Die beiden jungen Damen haben weder spitze Zähne noch irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten. Sie trinken ganz einfach Blut und sind Aussenseiter der Gesellschaft. Wäre da nicht der eindeutige Titel, könnte man sich vielleicht so manch andere Erklärung dafür einfallen lassen, was denn genau mit den beiden Schwestern nicht ganz in Ordnung sein könnte.

Der englische Titel des Filmes lautet Not like Others, was irgendwie besser zu passen scheint als die simple Bezeichnung Vampyrer. Denn die beiden Schwestern sind nicht nur untypisch als Vampire dargestellt, sie sind vor allem durch ihr Aussenseitertum als "Monster" charakterisiert. Das Bluttrinken ist so gesehen nur Nebensache - die wahre Monstrosität und der Grund ihres Leidens ist die, dass sie eben nicht "normal", nicht wie andere sind, dass sie keinen Platz in der Welt zu haben scheinen und durch die kalte Nacht irren müssen. Dass nur Vera beim Morden gezeigt wird, und dann jeweils auch nur Männer aufschlitzt, die sie bedrohen, lässt erahnen, dass die Vampirdamen auch nicht zwingend als böse dargestellt werden. Gefahr droht hier vielmehr in Gestalt der stummen Biker, die nicht abzuschütteln sind und - gesichtslos in ihren dunklen Helmen - mit bedrohlich brummenden Motoren hinter jeder Ecke zu lauern scheinen.

Vampyrer ist ein Vampirfilm, der praktisch ums Vampirsein herum filmt. Es geht vor allem um die Beziehung der beiden Schwestern, ums Nicht-normal-Sein, vor allem aber ums Davonrennen. Der Film weist nur wenig Handlung auf, dafür wechseln sich die Streitgespräche der Schwestern regelmässig mit der immer panischer werdenden Flucht vor den Bikern. Stellenweise blitzen brillante Einfälle auf, etwa als Vanya zur Vorbereitung auf ein mögliches normales Leben versucht, sich an normales Essen zu gewöhnen, das Ganze aber unweigerlich wieder hochwürgen muss. Und auch die stumme Bedrohung der Biker hat ein gewisses Spannungspotenzial, aus dem einiges hätte gemacht werden können. Spätestens nachdem die Schwestern zum zigsten Mal durch die menschenleeren Strassen gerannt sind, verblassen aber auch diese fein nuancierten Momente. Zurück bleibt nur Erleichterung darüber, dass der Film nicht länger als 75 Minuten dauert.

2.2 Sterne
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06.07.2009 / pps