Valkyrie (2008)

Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat

Valkyrie (2008) Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat

Oder: Tick, Tick, Tick, Boom!

Valkyrie

"Wer hat die Autoschlüssel?"

Dem Führer dienen bis in den Tod. Diesen Eid hat Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) geschworen, als die Nazis an die Macht kamen. Jetzt, 1943, sieht alles anders aus. Halb Europa ist im Krieg, Zerstörung, Tod und Trauer machen auch immer mehr Deutschen Wehrmännern zu schaffen. So versucht Stauffenberg immerhin seine Männer heil aus der sinnlos gewordenen Schlacht um Nordafrika herauszubringen. Für ihn selbst siehts weniger rosig aus: bei einem Flugangriff der Alliierten wird er schwer verwundet und verliert neben sieben Fingern auch sein linkes Auge. Zurück bei seiner Familie in Berlin wird ihm bewusst, dass etwas aktiv gegen die Naziherrschaft getan werden muss, worauf er den Kontakt zu Hitlergegnern wie Generalmajor von Trecksow (Kenneth Branagh) oder General Friedrich Olbricht (Bill Nighy) sucht. Gemeinsam planen sie die Operation Walküre, die Ermordung Hitlers und die gleichzeitige Übernahme der Kontrolle über Deutschland durch die Entwaffnung der SS und der Besetzung des Reichsbezirks.

Valkyrie

"Schau mir ins Auge Kleines!"

Mit Hilfe weiterer überzeugter Gegner (u.a. Christian Berkel, Eddie Izzard) wird der Plan ausgeheckt, wie eine Bombe in Hitlers Führungsquartier, der Wolfsschanze platziert werden soll. Stauffenberg soll persönlich für die Platzierung und die Detonation verantwortlich sein. Doch bis der Plan funktioniert, müssen viele Risiken und Hindernisse überwunden werden.


Kinofilm-Rating

Was konnte (und musste) man alles im letzten Jahr zu diesem Film lesen. Der bekennende Scientologe Cruise als Hitlerattentäter Stauffenberg sorgte für Empörung in Deutschland, Drehgenehmigungen wurden verweigert und das Projekt drohte schon zu Beginn stehen zu bleiben. Dann kam noch die zigfache Verschiebung des Starttermins hinzu, was auf Probleme in der Postproduktion deuten liess. Nun ist der Film doch noch da und das Endprodukt kann sich trotz Turbulenzen sehen lassen.

Dies ist vor allem auch der Regieführung durch Bryan Singer (X-Men, The Usual Suspects) und seinen Drehbuchautoren Christopher McQuarrie und Nathan Alexander zu verdanken, denn es gelang ihnen, die Spannungsschraube im Laufe des Filmes stets anzuziehen, obwohl das Ende und Schicksal von Stauffenberg bekannt ist. Valkyrie ist denn auch ein historischer Thriller und kein Kriegsepos. Die verzögerte Bombe, das Anschwellen der Musik oder die ungeplante Situation erzeugen einen mitreissenden Fluss. Singer beherrscht dies so gut, dass der Zuschauer von der Geschichte gefesselt wird. Sein Talent zeigt sich in einer wunderbaren Sequenz, als die Bombardierung von Berlin Stauffenberg indirekt den Plan zu Hitlers Ermordung aufzeigt.

Leider wird die Geschichte jedoch an gewissen Stellen etwas gar pathetisch und auch die simple Glorifizierung von Stauffenbergs Verrätertruppe ist zu bemängeln, da deren Vorgeschichte und Motivation dem Zuschauer verschwiegen wird. Hier wäre ein bisschen mehr als die obligaten Texttafeln zu Beginn und Ende wünschenswert gewesen.

Derweil schlägt sich Tom Cruise in dieser Rolle souverän und aufrecht. Dies ist manchmal etwas gar pathetisch, aber das konnte erwartet werden, wenn sich Hollywood dieser Geschichte annimmt. Cruise steht zwar im Zentrum, flankiert wird er jedoch von europäischen Schauspielgrössen wie Tom Wilkinson (In the Bedroom), Bill Nighy (Pirates of the Caribbean 2 und 3) oder Thomas Kretschmann (King Kong), denen ebenso viel Leinwandzeit gegönnt wird und die in ihren Szenen jeweils in den historischen Charakteren aufgehen.

Valkyrie ist sicher nicht der ganz grosse Wurf, jedoch versteht es der Film, mit tollen Schauspielern eine wichtige Epoche in der Geschichte wieder aufleben zu lassen. Und obwohl der Naziterror nur im Ansatz zu sehen ist, wird einem bewusst, wie wichtig es ist, auch in wildesten Zeiten seiner Überzeugung gerecht zu handeln und sich dem Bösen gegenüberzustellen, auch wenn der Tod lauert.

4.1 Sterne
4.1 Sterne (76 Bewertungen) | 13 Kommentare

4.54.5
20.01.2009 / hut