Twilight (2008)
Twilight (2008)
Oder: Metrosexuelle Vampire
Bella Swan (Kristen Stewart) schwamm nie gerne im Strom der Angepasstheit mit. Die 17jährige, blassgesichtige und attraktive Einzelgängerin verschlägt es, nachdem ihre Mutter ein zweites Mal geheiratet hat, vom sonnigen Phoenix an einen verregneten, kleinen Ort an der pazifische Nordwestküste, wo ihr Vater Charlie (Billy Burke) seit der frühen Scheidung als Polizeichef amtet.
Die Schule in der idyllischen, vernebelten Ortschaft nimmt Bella herzlich auf, doch das etwas scheue, vorsichtige Mädchen mag sich nicht richtig an ihr neues Leben gewöhnen, bis die bleichgesichtigen, unnahbaren Adoptivkinder von Dr. Cullen (Peter Facinelli) auftauchen. Speziell der mysteriöse und gut aussehende Edward (Robert Pattinson) hat es ihr angetan. Vorerst kann der kühle Edward die junge Frau nicht riechen. Tage später gibt er sich plötzlich als Gentleman. Für Bella bleibt der mysteriöse, junge Mann ein Rätsel und trotzdem fühlt sie sich magisch angezogen von ihm. Die gegenseitige Zuneigung wächst, aber schon bald wird Bella klar, das es sich bei den Cullens nicht um Menschen, sondern um Vampire handelt...
Kinofilm-Rating
Twilight basiert auf der gleichnamigen vierbändigen Buchvorlage von Stephenie Meyer. Der Roman, der eine Fantasy-Geschichte mit einer modernen Teenager-Lovestory verbindet, hat eine grosse, junge weibliche Leserschaft gefunden. Die moderne Vampire-Familie der Cullens bildet in diesem Film das mysteriöse Element, während die junge Aussenseiterin Bella Swan und ihre Lebensumwelt im verregneten Forks für den Realitätsbezug besorgt sind. Die Blut saugenden Nachtgestalten wurden in Twilight zu bleichen, modebewussten Wesen umgestaltet. Der Zeitgeist hat die sagenumwobenen Gestalten zu humanistischen, metrosexuellen Vampiren verkommen lassen, die Tierblut dem Menschenblut vorziehen - gesunde Biokost eben. Dementsprechend sucht man vergebens irgendwelche scharfen Eckzähne. Es ist als hätte David Beckham mit der Addams Family Kinder gezeugt. Ja, selbst die Bösen unter den Vampiren in Twilight haben sich dem Diktum der Modeindustrie gebeugt.
Die vernebelte, verregnete Atmosphäre des kleinen Städtchens versprüht die nötige Spannung und Intensität. Man fühlt sich erschlagen durch die scheinbar endlose Vegetation der Nordwestküste. Inmitten dieser gewaltigen Natur wirkt die Schauspielerin Kristen Stewart mit ihrer verstossenen Art tatsächlich wie ein scheues Lamm, das sich nach Geborgenheit sehnt. Ihre bedingungslose Zuneigung zu Edward vermittelt sie mit viel juvenilem Charme. Ihrer Unerschütterlichkeit hat auch ihr zurückhaltender Polizisten-Vater Charlie nichts entgegenzusetzen. Robert Pattinson wirkt hingegen so blass wie seine Schminke. Ein attraktiver Vampir ohne Biss.
Der Anfang ist schwerfällig. Selbst Bella scheint als moderne, aufgeklärte Frau früh hinter Edwards Fassade zu blicken, doch der will und will nicht sein Geheimnis preisgeben. Die Langatmigkeit verschwindet spätestens nach der Enthüllung, die Twilight in der Folge zu einem unterhaltsamen und actionreichen Film macht, obwohl die Special-Effekts an vergangene Tage von Matrix und Crouching Tiger, Hidden Dragon erinnern. Alles hängt etwas lange in der Luft.
Vampir-Geschichten hatten wohl wahr etwas verstaubtes an sich. Es war an der Zeit die Blutsauger in die Moderne zu holen und ihnen einen angemessen Farbtupfer zu verpassen, doch zur metrosexuellen Rockstar-Fassade hätte es noch ein bisschen mehr schauspielerischer Genialität bedurft in der Art eines Johnny Depp (als Jack Sparrow in Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl) oder Heath Ledger (als Joker in The Dark Knight). Den beiden interessanten Familien der Protagonisten hätte man ebenso mehr Entfaltungsspielraum und Reibungsstellen gewünscht, doch stattdessen gab man einem Bösewicht Platz, der aus heiterem Himmel in die Szenerie platzt. Gleichwohl hat der Film dank des ungewöhnlichen thematischen Cocktails seinen Reiz. Es bleibt den Sequels noch viel Entwicklungsspielraum, um den hohen Erwartungen an die Filmadaption vielleicht doch noch vollends gerecht zu werden.
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