Turtle: The Incredible Journey (2008)
Tortuga - Die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte
Turtle: The Incredible Journey (2008) Tortuga - Die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte
Oder: *schnorchel* *schwimm* *schnauf*
An einem Strand in Florida: Bereits kurz nach dem Schlüpfen aus dem Ei wird die unechte Karettschildkröte von ihrem Reisefieber gepackt und krault sich eifrig die restlichen 40 Meter nach vorne bis zum Meer. Von dort an startet die Odyssee in den Tiefen des Atlantiks: getrieben in einem Floss aus Seetang inmitten des warmen Golfstroms, begleitet von zusätzlichen Reisenden wie dem Blauhai oder der portugiesischen Galeeren-Qualle, später geschaukelt von den Gewitterstürmen im Norden, und nach fast 20 Jahren des Wanderns schlussendlich gebräunt von der heissen Sonne der karibischen Inseln. Dann erst schwimmt die Meeresschildkörte als erwachsenes Tier zurück, um an ihrem Geburtsort selber Eier zu legen und den Kreis zu schliessen, den sie als Winzling begonnen hat.
Bis dorthin ist es aber ein steiniger Weg, der unzählige Gefahren und Hindernisse beinhaltet. Wird es die kleine Kämpferin tatsächlich schaffen, sich den mehreren tausend Kilometern im grossen Meer zu stellen und ihr Ziel nach all den Jahren zu erreichen?
Kinofilm-Rating
Dokumentarfilme über Tiere sind die zweifellos schwierigsten Unterfangen für einen Filmemacher und die gesamte Crew. Das Gleichgewicht von Technik, Zeit, Geduld und vielleicht auch Glück muss zweifellos bestehen, um ein solches Produkt realisieren zu können. Regisseur Nick Stringer war der Meinung, dass der Einblick in die spannende Tierwelt nicht nur durch Bücher und Fernsehen bestehen sollte. Mit seinem Film über die unechte Karettschildkröte hat er die Idee verwirklicht, seinen ganz persönlichen Einblick einem Kinopublikum auf der grossen Leinwand präsentieren zu können. Schliesslich hat ihn ebenso seine Liebe zum "launisch und kraftvollen" Ozean dazu verleitet, das Projekt zu realisieren. Die spannende Odyssee dieser Meeresschildkröte bietet sowohl die einzigartige Story wie auch die gewünschte Location.
Zusammen mit dem Kameramann Rory McGuinness hat Stringer eine Flut aus Bildern erschaffen, die einem von der ersten Minute an in den Bann ziehen. Die Einstellungen der Tierwelt wurden optisch genial und mit Hilfe von etlichen Closeups messerscharf eingefangen. Bereits die "Verfolgungsjagd" nach dem Schlüpfen aus dem Ei kann jedem Hollywood-Blockbuster das Wasser reichen. Die restliche Zeit der unglaublichen Reise findet dann im Atlantik statt, wobei den Zuschauern die Geschichte stets aus der Optik der Meeresschildkröte erzählt wird. Zum Teil wirken die Bilder so einzigartig, dass es schon fast an ein technisches Wunder grenzt. Kein einziger dramatischer Punkt der Reise fehlt. Es wirkt so, als wäre die Schildkröte eine Schauspielerin und würde genau das tun, was man von ihr verlangt. Aus ihr sowie aus den anderen Tieren (nennen wir sie Nebendarsteller) entstehen sofort lustige und interessante Charaktere: die neugierigen Krebse, der Blauhai mit den bösen dunklen Augen, das divenhafte Seepferdchen oder die gemütlich vor sich hintreibenden Pottwale. Alles untermalt von einem passenden Soundtrack.
Erzählt wird die Geschichte hierzulande in schweizerdeutscher Synchro von der allseits bekannten SF-Moderatorin Monika Schärer, in einfachen und gut verständlichen Worten - ähnlich einem Hörspiel. Dies macht den Film zusätzlich lohnenswert für einen Familienausflug ins Kino.
Obwohl die Reise unserer Meeresschildkröte im ersten Teil immer wieder spannende Momente und Unerwartetes aufzeigt und durchaus zu unterhalten versteht, flacht der letzte Teil etwas ab. Die Zeitsprünge der über 20-jährigen Reise sind dann ein bisschen gross geraten und wirken im Gegensatz zum gelungenen Start fast schon vorhersehbar. Je schwerer die Reise am Anfang war, desto einfacher wirkt sie zum Schluss.
Fazit: Turtle - The Incredible Journey ist für Fans von Tierdokumentarfilmen klar ein Muss. Es lohnt sich, die grösste Wanderung im Reich der Tiere mit der ganzen Familie schauen zu gehen. Vielleicht lernen nicht nur die Kinder etwas mehr von unserer überwältigenden Natur. Die faszinierenden Bilder wirken auf der grossen Leinwand. Nur in einem IMAX-Kino wäre die Stimmung noch intensiver. Luft anhalten und abtauchen!
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