The Dust of Time - Trilogia II: I skoni tou hronou (2008)

The Dust of Time - Trilogia II: I skoni tou hronou (2008)

Oder: Im Zeitenwirrwarr durch die Welt

The Dust of Time - Trilogia II: I skoni tou hronou

"Endstation!"

Der Regisseur A. (Willem Dafoe) kehrt in die Cinecittà-Studios in Rom zurück, um seinen Film fertig zu stellen. Er verfilmt das Leben seiner Eltern, Eleni (Iréne Jacob) und Spyros (Michel Piccoli), die sich zur Zeit von Stalins Tod kennen und lieben gelernt haben. Wie in einem Traum erinnert sich A. an Ereignisse aus der Vergangenheit und der Gegenwart.

Schon früh trennen sich die Wege seiner Eltern, als Eleni mit dem deutschen Juden Jacob (Bruno Ganz) nach Sibirien in ein Arbeitslager deportiert werden. Spyros flüchtet nach New York. Sie werden sich erst in den Siebziger Jahren an der Grenze zu Kanada wieder in die Arme schliessen und Eleni ihren in Amerika aufgewachsenen Sohn sehen.

The Dust of Time - Trilogia II: I skoni tou hronou

Flasche leer

Um die Jahrtausendwende treffen Eleny und Spyros auf ihrem Weg ins Ruhestandsdomizil nach Griechenland in Berlin ein, um mit ihrem Sohn und seiner Freundin Helga (Christine Paul) das Millennium zu feiern. Auch Jacob ist nach Berlin gekommen. Hier erinnern sie sich nochmals an die früheren Zeiten, doch das Wiedersehen weckt auch alte Wünsche und Sehnsüchte.


Kinofilm-Rating

Theo Angelopoulos hat wieder zugeschlagen. Einer der letzten verbliebenen Meister des europäischen Autorenkinos hat mit The Dust of Time ein neues Werk geschaffen, das undurchschaubar bleibt. Seine Geschichte springt wie wild in den verschiedenen Zeitebenen herum, dass den Zuschauer bald das Gefühl der Ratlosigkeit ereilt. Was will uns der Regisseur mit seiner Geschichte erzählen? Über zwei Stunden ereignisfreie Laufzeit wird dies nie so richtig klar.

So läuft das dann ab: Der Film startet mit einem Bild des Eingangstors von Cinecittà. Regisseur A. (das Alter Ego von Angelopoulos) sieht sich einen Negativ-Filmstreifen an. Der Film springt in die Post-Weltkriegszeit in Russland. Menschenmassen, die den Tod Stalins betrauern, danach Deportation, Sex im Tram und Abschied vom Sohn. Anscheinend wird also die Lebensgeschichte von A. erzählt. Nach kurzer Zeit springt der Film ins Berlin vom 31. Dezember 1999. Hier treffen sich die Protagonisten wieder, philosophieren über das Leben und wandern herum. Ein Mädchen unternimmt einen Selbstmordversuch. Wir springen nach Kanada. Ein scheinbar kaum verjüngter Willem Dafoe trifft seine Mutter wieder. So geht dies die ganze Filmlänge weiter, ohne dass sich die Geschichte entknotet.

Handelt es sich bei allen Szenen nur um den Film? Träumt die Hauptfigur die Vergangenheit? Was ist Realität, was Fiktion? Fragen über Fragen, die unbeantwortet bleiben. Diese verschachtelte Erzählweise ist anstrengend und kaum schlüssig. Angelopoulos geht es nach eigenen Angaben um heimatlose Protagonisten, die stets Grenzen zu überwinden haben. Doch im Gegensatz zu anderen rätselhaften Filmen, wie beispielsweise Lost Highway oder Mulholland Drive von David Lynch, ist The Dust of Time weder packend noch stimmig. Die Schauspieler watscheln umher und reden wirres Zeugs, der Kameramann schafft es nicht, alle Bilder in der richtigen Schärfe darzustellen, und die Anstrengungen der Crew, das Ganze mindestens in sich schlüssig zu produzieren, scheitern grandios (so wird für die Szenen mit dem jungen Spyros einfach ein Schauspieler nur von hinten gefilmt!).

Nicht alles ist aber so grottenschlecht. Ab und zu erahnt der Zuschauer die Metaphern, die Angelopoulos ausgedacht hat, und nach langem Nachdenken ist sogar die Symbolik mit der Grenzüberwindung noch einigermassen stringent. Zudem sorgt Hauskomponistin Eleni Karaindrou für einen schönen Klangteppich. Die Aussicht jedoch, dass es sich bei The Dust of Time um den zweiten Teil einer Trilogie handelt (der erste Teil The Weeping Meadow behandelt die Kinderjahre von Eleni), lässt einem schon ein wenig resignieren.

3.2 Sterne
3.2 Sterne (3 Bewertungen) | 1 Kommentar

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17.02.2009 / hut