Morgentau - Teza (2008)

Morgentau - Teza (2008)

Oder: Tesafilm - Der Film

Morgentau - Teza

Wir denken, also sind wir.

Teza erzählt die Geschichte des Heimkehrers Amberber (Aaron Arefe), der nach vielen Jahren zu seinen Wurzeln in Äthiopien findet. Nach Jahren des Studiums in der DDR - der Film spielt während den Achtzigerjahren - kehrt er als Arzt voller Hoffnung in sein Land zurück. Dieses hat sich inzwischen verändert, die sozialistische Revolution ist in vollem Gange.

Anberber trotzt den politischen Wirren und versucht seiner neuen Arbeit im Spital nachzugehen, aber je mehr die politischen Umwälzungen voranschreiten, desto schwieriger wird es für ihn als Intellektuellen. Als sein treuer Gefährte Tesfaye (Abeye Tedla) schliesslich einem wütenden Mob zum Opfer fällt, akzeptiert er sein auferzwungenes Asyl in Deutschland. Erst als alter Mann kehrt er schliesslich zurück zu seiner Familie, wo er auf Ruhe und Frieden hofft.


Film-Rating

Selten bin ich in einem Kino gesessen, welches die Zuschauer im Minutentakt verliessen. Vielleicht lag es an der langen Dauer des Films, vielleicht auch daran, dass der Film an der Biennale in Venedig als Nocturne gezeigt wurde, ein Fakt, den ich kaum nachvollziehen kann (hey: 140 Minuten und aus Äthiopien. Da braucht einen wachen Geisteszustand). Dass es an der Qualität lag, möchte ich jedoch verneinen. Zwar benötigt der Film ein Weilchen, um auf Touren zu kommen und fährt auch anschliessend eher in Schritttempo, doch gerade dies ist eine seiner Qualitäten.

Im Presseheft bezieht sich Gerima auf Grossväter, die ihm als Kind in Äthiopien immer Geschichten erzählt haben. Und diese Wurzeln sind es, welche auch in Teza durchschimmern. So gibt uns der Film das Gefühl, selbst am Lagerfeuer zu sitzen und einem alten Mann zuzuhören, der uns gemächlich seine aufwühlende Lebensgeschichte erzählt. Deswegen erscheint auch die kunstvoll verschachtelte Erzählweise des Films für einmal sinnvoll, denn welcher Geschichtenerzähler schweift nicht gerne ab?

Leider trüben einige Störvariablen das Gesamtbild. Zu bemängeln sind vor allem die Darstellerleistungen. Bei den Laiendarstellern in Afrika etwa stellt sich stets die Frage, ob die Sprache der Äthiopier tatsächlich klingt wie eine Kaffeemühle oder ob wir diese akustische Eigenheit der Präsenz der Kamera verdanken. Aufgrund der Fremdheit der Szenerie vergisst man diese Frage jedoch nach einigen Minuten. Nerviger hingegen wirken die Szenen in Deutschland: In Pseudo-Fassbinder-Manier debattieren hier junge Revoluzzer plump und unbeholfen über grosse Themen wie Rassismus und Sozialismus.

Leicht verwirrend ist zudem die altertümliche Optik des Films. Bereits die Anfangs-Credits wirken, als hätte sie das DDR-Schulfernsehen selbst produziert - und auch der Rest wirkt in seinen blassen Tönen wie ein Relikt aus vergangen Tagen. Ob dies eine bewusste Entscheidung war oder ob das Budget nicht für mehr als eine Brocki-Kamera gereicht hat, sei dahingestellt. Auf jedem Fall unterstützt die diese visuelle Eigenheit den Grundton des Films auf angenehme Weise.

Alles in allem ist Teza ein angenehmer und lehrreicher Film. Zwar verlangt er viel Geduld von seinen Zuhörern, doch der Sitzfleisch-Fleiss zahlt sich aus. Sicher, ich habe selten so viele Leute den Kinosaal verlassen sehen, aber ebenso selten habe ich am Ende eines Films einen derart lauten und bestimmten Applaus gehört.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

02.09.2008 / han

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Bewertung: 4.3 (2 Bewertungen)

 

 

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