Tag am Meer (2008)
Tag am Meer (2008)
Oder: Mit 30 ist der Spass vorbei
Dave (Dominique Jann) hat ein easy Life, arbeitet tagsüber mit WG-Kumpel Matthias (Manuel Löwensberg) in seinem eigenen Plattenladen und legt die elektrogeprägten Scheiben abends in kleinen angesagten Clubs der Zürcher Szene auf. Das ist alles schön und recht, aber Dave wird in ein paar Tagen 30 Jahre alt. Das macht ihm schon länger zu schaffen, denn im Volksmund ist bekannt, dass ab 30 die wilden Tage eines Twens vorbei sind.
Zu seiner Demotivation taucht noch "Ex"-Freundin Sarah (Doris Schefer) auf, mit der er zwar auch seinen Spass haben kann, die ihm aber bereits nach der ersten Nacht ihre Wohnungsschlüssel auf den Tisch legt. Mit den Schlüsseln folgen die wiederkehrenden Zweifel, die Angst vor Verantwortung, Biederkeit und der "Alltag".
Dave will etwas in seinem Leben ändern. Diesen Wunsch verstärkt die urplötzlich aufkreuzende Alice (Patricia Mollet-Mercier). Sie ist jung, Pariserin und blüht vor Spontanität und Jugendlichkeit. Da sie nur auf der Durchreise ist, gerät Dave in einen Zwiespalt, und er weiss nicht, ob er dem Zauber verfallen oder sich doch mehr auf ein Leben mit Verantwortung und Zielen konzentrieren soll...
Kinofilm-Rating
Ach, was sind wir nicht alle neidisch, dass wir so ein einfaches Leben wie Dave haben. Oder doch nicht? Tag am Meer zeigt von der ersten Minute an das auf, was viele Generationen bereits durchgemacht haben und vor allen Dingen, was der Berner Autor und Regisseur Moritz Gerber wohl selber durchgemacht haben muss. Wer will nicht jung und ungezwungen bleiben?
Sehr einfach und ruhig führt der Film in die Geschichte ein, damit wir uns zur präsentierten Sommerhitze auch hier ruhig in den Kinosessel zurücklehnen können. Dave hat in der Tat ein einfaches Leben, obwohl er in uns nicht den Wunsch erweckt, es genau so leben zu wollen. Manchmal agiert der Biedermann dermassen lahm, dass man ihm am liebsten in den Hintern treten möchte.
Das muss wohl so sein, denn Dominique Jann zelebriert diese gewisse Eintönigkeit bis zur letzten Minute. Theaterschauspielerin Doris Schefer zeigt in ihrer ersten Filmrolle als "Ex"-Freundin Sarah durchaus Potential, auch wenn ihr Charakter trotz der Wichtigkeit etwas im Hintergrund agiert. Spontan und lebensnah wirkt Patricia Mollet-Mercier, deren Westschweizer Charme deutlich auf dem Zelluloid zu spüren ist. Die restlichen Figuren liegen im Rahmen der Verträglichkeit, so auch Manuel Löwensberg, dessen Charakter Matthias etwas unglücklich ins Klischeehafte abtaucht.
Unter Zeitdruck und mit wenig Budget hat Moritz Gerber mit seinem ersten Spielfilm eine Alltagssituation in eine mehr oder weniger dramatische Geschichte gepackt: Leicht übertrieben, manchmal ein wenig eintönig, mit einer Prise Klischee versehen und verziert mit diversen Schmunzel-Szenen. Für ein Schlusswort blieb keine Zeit, das kann sich jeder Zuschauer für sich zusammenreimen.
Fazit: Tag am Meer ist ein kleines Sommermärchen voller Swissness. Moritz Gerber hat auf realistische Figuren gesetzt, die zwar bei den Dialogen zum Teil holprig sind und denen man manchmal Feuer unter dem Hintern machen könnte, die aber auch ein Lächeln heraufbeschwören können. Mehr emotional starke Momente hätten die Unterhaltung durchaus steigern können.
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