The World Is Big and Salvation Lurks Around the Corner - Svetat e golyam i spasenie debne otvsyakade (2008)

Die Welt ist gross und Rettung lauert überall

The World Is Big and Salvation Lurks Around the Corner - Svetat e golyam i spasenie debne otvsyakade (2008) Die Welt ist gross und Rettung lauert überall

Oder: Die Welt ist gross und eine Tandem-Reise aufschlussreich

The World Is Big and Salvation Lurks Around the Corner - Svetat e golyam i spasenie debne otvsyakade

Zwei Männer, ein Velo

Am Anfang steht der Tod. Bei einem Autounfall in der Nähe von Leipzig stirbt das Ehepaar Vasko und Yana. Nur ihr erwachsener Sohn Alexander (Carlo Ljubek) überlebt, jedoch kann er sich an nichts vor dem Unfall erinnern. Als seine Grosseltern in Bulgarien von dem tragischen Unglück hören, bricht sein Grossvater Vasil (Miki Manojlovic), ein begnadeter Backgammon-Spieler und von den Dorfbewohnern ehrfürchtig Bai Dan genannt, auf, um seinen Enkel abzuholen. Dieser erkennt ihn nicht wieder und möchte auch nichts mit dem lebensfrohen Bulgaren zu tun haben. Lieber sitzt er apathisch in seinem Spitalzimmer herum und gibt sich seinem Schicksal hin.

Bai Dan akzeptiert die Zurückweisung durch seinen Enkel jedoch nicht und beschliesst, ihn mit nach Bulgarien zu nehmen, um ihn auf seine eigene Weise zu therapieren. Nach und nach öffnet sich Alexander, oder Sashko, wie er von Bai Dan genannt wird, und beschliesst, die Reise mit seinem Grossvater anzutreten. Mit einem Tandem! Es wird eine Reise in die eigene Vergangenheit, eine Rückkehr an Plätze, die schon 20 Jahre zuvor für Sashko bedeutend waren. Damals floh seine Familie aus dem kommunistischen Bulgarien in den gelobten Westen nach Deutschland. Für ihn wird dieser Trip zu einer spirituellen Wiederfindung seiner Erinnerungen, aber auch ein Weg, seine Herkunft zu akzeptieren.


Film-Rating

Stephan Komandarevs Verfilmung des Buches "Die Welt ist gross und Rettung lauert überall" des Deutsch-Bulgaren Ilija Trojanow ist wunderbar-sentimentales Kino, eine Ode an das Leben und ein Beweis für erfolgreiche transeuropäische Kooperation. Bulgarische, deutsche und slowenische Geldgeber, ein deutsch-kroatischer und ein serbischer Darsteller und Drehorte in vier Ländern. Man könnte annehmen, dass Chaos vorprogrammiert gewesen sei. Doch weit gefehlt: The World is big... lebt von diesen verschiedenen Ansichten und Kulturen.

Gerade durch den Zusammenprall dieser Welten hebt sich der Film über den Durchschnitt ähnlicher Sinnessuche-Filme. Kusturica-Stammschauspieler Miki Manojlovic gibt dem Bai Dan eine lebensfrohe Ausstrahlung, einen Schalk und Witz, der die Figur ungeheuer sympathisch macht. Man möchte ihn für seine Weisheit und für sein Handeln am liebsten knuddeln. Auf der anderen Seite steht Carlo Ljubek, der die Transformation von Alex zu einem Mann, der sich seiner Wurzeln bekennt, glaubhaft darstellt, jedoch durch den etwas langweilig gezeichneten Charakter keine Chance gegenüber Manojlovic hat.

Durch seinen Witz nimmt man seiner Figur sogar ab, tatsächlich mit dem Tandem von Leipzig nach Bulgarien zu fahren. Sozusagen ist The World is big... das erste Roadmovie auf Velorädern. Wie bei diesem Filmgenre üblich, bildet dabei der Weg das Ziel. Eine entscheidende Rolle dabei spielt Backgammon. Wie das Schicksal von Sashko mit dem Erlernen und Beherrschen des Spieles verwebt wird, ist ein guter Spielzug von Regisseur Komandarev.

Bei eigentlichen Märchen wie diesem Film ist stets die Botschaft entscheidend. In diesem Film ist es das Aufarbeiten der Vergangenheit, welche durch eine Reise in die Heimat angestrebt wird. Dass dabei ein Grossvater-Enkel-Gespann den Weg bewältigen will, stellt die Wichtigkeit der Familie in den Vordergrund. In die Handlung eingebaute Rückblenden zeigen dann auch die Jugendjahre von Sashko mit seinen verstorbenen Eltern. Dies verleiht dem Film jedoch einen etwas zu sprunghaften Charakter. Abzüge in der B-Note gibt es zudem für einige kitschige und vorhersehbare Plot-Elemente, die aber wohl einfach zu der emotionalen Erzählweise dieses Filmes dazugehören. Egal, denn Manojlovic gleicht dies ja wieder aus.

Am Zurich Film Festival gelaufen, wohl bald in den Schweizer Kinos zu sehen: The World is Big and Salvation Lurks Around the Corner ist ein Feelgood-Movie mit oftmals etwas klischeehaftem Setting, einem die Leinwand einnehmenden Miki Manojlovic und der Botschaft, dass Heimat und Familie die wichtigsten Teile im Leben eines Menschen darstellen. Ein Geheimtipp für alle Freunde charmanter und sympathischer Filmkost.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

01.10.2008 / hut

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