The Spiderwick Chronicles (2008)
Die Geheimnisse der Spiderwicks
The Spiderwick Chronicles (2008) Die Geheimnisse der Spiderwicks
Um James Horner war es 2007 erstaunlich ruhig: ein Vertonungsgerücht hier, eine Dementi da. Auch das Projekt The Spiderwick Chronicles wurde schon relativ früh in den Fanforen des Komponisten genannt, doch zog sich eine definitive Bestätigung seitens der Filmstudios reichlich hin.
Im letzten Quartal 2007 hagelte es dann neue Projekte für Horner. So hat Horner ein zweites Mal für Vadim Perelman zum Taktstock gegriffen und seinen neuesten Film The Life Before her Eyes vertont. Die Projekte The Spiderwick Chronicles, The Boy in Striped Pijamas und das James Cameron-Epos Avatar wurden auch schon bestätigt. Besonders im Fall von Avatar vergeht allerdings noch reichlich Zeit bis zum Filmrelease im Dezember 2009.
Umso mehr stiegen die Erwartungen an sein nun neuestes Werk The Spiderwick Chronicles. Mit diesem Vertonungsauftrag begibt sich James Horner zurück in das Fantasy/Abenteuer-Genre. Ein Genre, welchem er in den letzten Jahren fern blieb, um mehrheitlich Dramen und Thriller zu vertonen.
Mit seiner Komposition zu The Spiderwick Chronicles überrascht James Horner insofern, als dass seine Musik für einen Kinder-Abenteuerfilm überraschend düster und dissonant geworden ist. Auch liefert hier Horner nicht seine süffigen und einprägsamen, grossangelegten Streicherthemen.
In jedem Ton des vorliegenden Werkes ist die Handschrift des Komponisten zu erkennen. Auch kommt dieses Werk nicht ohne Erinnerungen an ältere Arbeiten von Horner aus - so spiegeln sich Ideen aus Casper, Willow und aus neueren Kompositionen wie The Perfect Storm, Troy, House of Sand and Fog und auch Flightplan (in "The protective Circle is Broken"). Von eigentlichen Themenplagiaten kann aber nicht wirklich die Rede sein. James Horner liefert einen Score ab, welcher während über 70 Minuten etliche sehr farbig orchestrierte und arrangierte Action-Passagen präsentiert, wie man sie von ihm schon länger nicht mehr gehört hat. Ein Score, der sich stark am bildlichen Geschehen orientiert, für den man sich jedoch ab und an noch ein etwas einprägsameres Thema als roten Faden durch die Komposition gewünscht hätte.
Während die erste Hälfte des Albums überwiegend durch einen mysteriösen Charakter geprägt ist, scheint sich die Bedrohung aus der anderen Welt für Jared und seine Geschwister mit "Dark Armies from the Forest Attack" deutlich zu machen. Hier präsentiert Horner ab der ersten Minute einen effektiven Bläsereinsatz, zusammen mit harter Perkussion (im Stil von The Perfect Storm) und Glockengeräuschen. Auch im nächsten Stück "Burning the Book" wird eine neue Idee präsentiert. Neben dem wieder Auftretenden Cembalo erheben sich die Blechbläser zusammen mit Glockenspiel zu fast sakralem Drama. Auch "A Desperate Run through the Tunnels" lässt noch einmal ein aggressives Wechselspiel zwischen Streicher und Bläser erklingen. Die ganze Komposition bäumt sich stetig auf, bis sie zum Schluss auf einen Knall in sich zusammenbricht. Ein absolutes Highlight präsentiert uns Horner mit "The Flight of the Griffin". Anfangs noch verhalten, bricht dieses wunderbare Stück ab 2:24 zu einem rasanten und glorreichen Flug aus, welcher in einem furiosen Ende gipfelt. Auch hier glänzt die Perfomance durch beachtliche Dynamik. Einem Kenner von Horners Arbeiten dürfte dann noch das dezent eingeflochtene kurze Statement der Troy-Fanfare ab 3:44 auffallen. Das Stück beruhigt sich zum Abschluss wieder und weist Reminiszenzen zu House of Sand and Fog auf.
Die letzten drei Stücke laufen mit knapp 20 Minuten fliessend und präsentieren nochmals die wichtigsten Elemente aus der vorangegangen Musik. Während in "Jared and Mulgarath Fight for the Chronicles" nochmals die Action und Dissonanz regiert, spielt Horner mit den letzten beiden Stücken abschliessend vermehrt auf der emotionalen Klaviatur seines Schaffens. Der Marsch und das "Lullaby"-Thema, welche an Caspar erinnern, haben nochmals vollorchestrale Auftritte.
Fazit: Mit The Spiderwick Chronicles präsentiert sich James Horner wieder mal deutlich dynamischer als in seinen vergangenen Kompositionen (mit Ausnahme von The Legend of Zorro). Seine neueste Filmmusik wird wohl die wenigsten sofort ansprechen, da sie recht dissonant und mit dezenter thematischer Arbeit daher kommt. Zudem scheinen sich viele Stücke stark am Bildgeschehen zu orientieren, da die Stimmungswechsel doch oftmals sehr abrupt auftreten. Mehrmaliges Hören lohnt sich jedoch sehr, denn es offenbaren sich immer wieder neue fantastische Momente und Details. Dieser Horner-Score weis zu überzeugen und macht neugierig auf künftige Arbeiten.
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