Le Silence de Lorna (2008)
Lornas Schweigen
Le Silence de Lorna (2008) Lornas Schweigen
Oder: Leben und Sterben lassen in Liège
Um sich mit ihrem Freund den Aufbau einer Snackbar leisten zu können, mischelt die in Belgien lebende Albanerin Lorna (Arta Dobroshi) in einem diabolischen Plan mit. Ein Mafioso (Frabrizion Rongione) verkuppelt sie mit einem Junkie (Jérémie Renier), damit sie die belgische Staatsbürgerschaft erhält, nur um diese dann gleich an einen reichen Russen weiterzureichen, der Lorna heiraten soll, nachdem der Junkie an einer Überdosis stirbt. Doch dann bekommt Lorna Gewissensbisse. Wird sie schweigen?
Kinofilm-Rating
Jean-Pierre und Luc Dardennes melden sich nicht ganz so eindrücklich in Cannes zurück, wie erhofft. Die zweimaligen Gewinner der goldenen Palme aus Belgien machen zwar immer noch Arthouse-Filme, wie sie sein sollten: Mit interessanten und spannend gemachten Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind. Aber mit Le Silence de Lorna verhaspeln sie sich etwas im Thema und sie versemmeln das Ende komplett.
Es beginnt wie immer: Die Charaktere werden schnell eingeführt (Dardenne-Bekannte wie Jérémie Renier und Fabrizio Rongione und die diesmalige Entdeckung Arta Dobroshi), und bald schon befindet sich die Hauptperson in einem moralischen Dilemma, aus dem es einen Ausweg zu finden gilt. Erstmals befinden wir uns aber nicht mehr im Städtchen Seraing, wo die Dardennes ihre Filme bisher drehten, sondern im nahen, etwas grösseren Liège. Zudem filmen die Brüder mit einer 35mm-Kamera statt der kleineren 16mm wie in früheren Werken, was ruhigere Bilder zur Folge hat. Das alles ist nicht wirklich ein Problem. Viel dümmer ist, dass der Thriller-ähnliche Plot undurchdacht wirkt. Die Geldflüsse im Film verwirren, der Freund von Lorna verhält sich seltsam für eine Fernbeziehung, Rongione wirkt als Mafioso falsch (Warum fährt er auch noch Taxi?) und zumindest ein Mord im Film passiert einfach viel zu hastig. Dazu passt, das komplett surreal wirkende Ende, in dem Arta Dobroshi durch den Wald irrt und wegen ihrer roten Kleider eher an Rotkäppchen erinnert als an einen Dardennes-Film mit extremem Realitätsbezug. So bleiben am Ende Fragen offen, aber wohl ein paar mehr, als sich das die Regisseure gewünscht hätten. Schade um die gute Leistung von Arta Dobroshi. Die schöne Kosovarin reiht sich ein in die schauspielerischen Entdeckungen, für die man die Gebrüder Dardennes weiterhin loben kann.
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4.4 Sterne (10 Bewertungen) | 0 Kommentare


