Sanguepazzo (2008)

Sanguepazzo (2008)

Oder: Sex, Drugs and Fascism

Sanguepazzo

Ein Kuss für die Ewigkeit...

Osvaldo Valenti (Luca Zingarelli) und Luisa Ferida (Monica Bellucci) sind zwei gefeierte Stars des italienischen Kinos der Dreissiger Jahre. Sie spielen vorwiegend Rollen in den vom faschistischen Regime geförderten Telefoni bianchi-Filmen, die ein reaktionäres Heilewelt-Bild vermitteln. Sowohl auf der Leinwand als auch privat ein Paar, geniessen die beiden mit Kokain, Partys und Sex ihr Leben als Filmstar.

Sanguepazzo

...alles im Kasten!

Am 8. September 1943 jedoch wird Italien zweigeteilt: Die Faschisten um Mussolini verlieren die Macht in Rom. Während die neue Regierung mit den Allierten einen Waffenstillstand aushandelt, ruft Mussolini im Norden Italiens die "Republik von Saló" aus. Da es für Osvaldo und Luisa momentan nur dort möglich ist, Filme zu drehen und so ihren luxuriösen Lebenswandel weiter zu finanzieren, gehen sie mit den Faschisten nach Norden.

Als sich aber 1945 die Kriegsniederlage endgültig abzeichnet, wechseln sie die Seite und schliessen sich den Partisanen unter Kommando ihres alten Freundes Vero (Maurizio Donadoni) an. Doch ihr Verrat, zuvor mit den Faschisten kooperiert zu haben, wiegt schwer...


Kinofilm-Rating

Das mit richtig grosser Kelle angerührte Historiendrama von Marco Tulio Giordano spielt - einmal mehr! - zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, so dass man sich unweigerlich fragt, wann wohl endlich der Tag kommt, an dem der ultimativ allerletzte Zweitweltkriegsfilm gedreht wird. Für einmal ist freilich nicht Nazi-Deutschland, sondern Mussolini-Italien Schauplatz einer Geschichte, die man meint, irgendwie auch schon mal gesehen zu haben. Eine Geschichte zweier Menschen, die sich aus Unverantwortlichkeit, Leichtsinnigkeit und Bequemlichkeit mit dem Bösen, hier dem Faschismus, arrangieren und später dafür unerbittlich zur Verantwortung gezogen werden.

Leider ist der opulente Film bis zur Unverständlichkeit in Rückblenden aus verschiedenen Zeiten zerschnipselt. Ob er damit wohl einen künstlichen intellektuellen Tiefgang erreichen will, der ihm sonst abgehen würde? Möglich. Denn irgendwie mutet Sanguepazzo trotz ernster und anspruchsvoller Thematik ein bisschen an wie ein mit viel Puste aufgeblasener Historienschinken der einfacher gestrickten Sorte. Wie in Zweitweltkriegsfilmen so üblich, gibt's zwar auch hier einige Gräueltaten zu sehen, um die Unmenschlichkeit des Faschismus zu illustrieren. Doch seltsamerweise wirken sogar diese Szenen wie auf Hochglanz poliert, so dass sich niemand an seinem Popcorn verschlucken muss.

Das Popcorn bleibt dann schon eher im Halse stecken, wenn die Hauptdarstellerin, Männertraum Monica Bellucci, die Hüllen fallen lässt. Das tut sie durchaus ein bisschen mehr als zwingend nötig. Alt zu werden scheint sie ebenfalls nicht - immerhin hat sie auch schon 43 Jahre auf dem Buckel, was sie aber nicht daran hindert, die anfangs knapp über 20-jährige Luisa Ferida zu verkörpern. Respekt - da ist auch nicht weiter schlimm, dass ihre Glanzleistung in diesem Film primär aus schön Aussehen besteht. Ihr Partner Luca Zingarelli wiederum gibt zwar einen überzeugend leichtsinnigen, aber (gerade deswegen?) konstant nervigen Osvaldo Valenti.

Valenti und Ferida haben übrigens tatsächlich existiert, der Film ist also "based on true events". Doch aufgrund dessen schwerfälliger Erzählweise fällt es dem Zuschauer schwer, auch nur ein Mindestmass an Empathie für die beiden zu empfinden. Ja, man schämt sich fast ein wenig, nach zweieinhalb Stunden und einem hochdramatischen Ende erleichtert zu sein, dass der Film endlich aus ist.

2.3 Sterne
2.3 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

2.52.5
27.05.2008 / ebe

Sanguepazzo (2008)
Bewertung: 2.3 (2 Bewertungen)
2.3 Sterne » BewertenSanguepazzo (2008)2.333332

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